Kanadas Widerstand gegen Trump: "Andere Länder werden das sehr genau beobachten"

Kanada setzt Trump unter Druck und könnte so zum Vorbild für andere Länder werden. Die US-Ökonomin Wendy Edelberg erklärt, wieso der Handelskrieg gerade für Trump teuer werden könnte und die Geduld der Amerikaner schwindet.

Bastian Brauns berichtet aus Washington

Es ist ein Konflikt, der noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre: Die USA und Kanada, jahrzehntelang wirtschaftlich eng verbunden, geraten immer tiefer aneinander. Aber für Donald Trump geht es dabei längst um mehr als um Zölle und Handelsbilanzen. Denn während der Druck auf Unternehmen und Verbraucher wächst, könnte ausgerechnet der Widerstand des nördlichen Nachbarn zum Test für Trumps gesamte globale Handelspolitik werden.

Die Ökonomin Wendy Edelberg erklärt im Interview, wie groß das Risiko für Trump ist – und warum viele Amerikaner trotz anhaltendem Konsum zunehmend das Gefühl haben, wirtschaftlich nicht mehr voranzukommen.

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t-online: Frau Edelberg, kann man inzwischen von einem Handelskrieg zwischen den direkten Nachbarstaaten USA und Kanada sprechen?

Wendy Edelberg: Ich weiß nicht, wie man die aktuelle Situation anders als einen Handelskrieg bezeichnen könnte. Das heißt nicht, dass wir von diesem Abgrund nicht noch zurücktreten können. Ich bin ziemlich sicher, dass dieser Konflikt irgendwann gelöst wird. Aber ja, wir befinden uns in einem Handelskrieg.

Auf Trumps Zölle hat Kanada nun mit Gegenzöllen reagiert und nimmt dabei offenbar gezielt Produkte ins Visier, deren Hersteller politischen Druck auf Donald Trump ausüben könnten. Hat Kanada damit vielleicht die bessere Strategie?

Ich weiß nicht, wer hier politisch den besseren Schachzug macht. Aber Kanada macht einen überzeugenden Punkt. Denn es signalisiert: Wir sind bereit, eine Menge wirtschaftlichen Schmerz auszuhalten, um am Ende zu gewinnen.

Und Donald Trump?

Ich bin mir nicht sicher, ob Präsident Trump die amerikanische Öffentlichkeit ausreichend hinter sich hat, damit auch sie bereit wäre, wirtschaftliche Schmerzen über einen längeren Zeitraum hinweg zu akzeptieren. Bei einem Handelskrieg geht es letztlich immer darum: Wer ist bereit, den größten Schlag am längsten auszuhalten?

Der kanadische Premierminister macht Ernst und erklärt den Handelskrieg geradezu zu einer Frage der nationalen Identität.

Ja. Es ist bemerkenswert, wie wenige andere Länder bisher eigene Zölle gegen die USA verhängt haben. Durch seinen Widerstand bekommt Kanada nun eindeutig Trumps Aufmerksamkeit.

Wird Kanada damit zu einer Art Testfall für andere Länder?

Absolut. Andere Länder werden sehr genau beobachten, wie das für Kanada ausgeht: Sind Vergeltungszölle gegen die Vereinigten Staaten eine gute Strategie oder nicht? Und ich bin sicher, dass auch Präsident Trump daran denkt, wenn er abwägt, wie teuer es für ihn wäre, falls Kanada am Ende als derjenige erschiene, der die Oberhand gewonnen hat. Denn dann ginge es nicht mehr nur um den Handel mit Kanada. Es könnte politisch und wirtschaftlich richtig teuer werden, wenn andere Länder sich ein Beispiel an Kanada nähmen.