Trumps schlechter Deal: Warum Diesel weiter teuer bleibt

Mit oder ohne Russland-Deal - die Dieselpreise am Weltmarkt werden in naher Zukunft wohl kaum sinken. So lautet die Einschätzung der von der DW befragten Experten zur jüngsten Liefervereinbarung zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin.

"Ursache der hohen Dieselpreise ist der Krieg im Iran und die gleichzeitige Blockade der Straße von Hormus und der Meerenge von Bab al-Mandab", erklärt Samina Sultan, Außenhandelsexpertin am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Dies führe zu Produktionsausfällen und mache den Transport von Treibstoff "teurer, unsicherer und schwieriger".

Krieg drosselt Auslastung bei Raffinerien

Außerdem habe Trumps "Deal" mit Russland eine zusätzliche geopolitische Komponente: "Er führt dazu, dass sich der Krieg in der Ukraine und der im Iran total vermischen."

Zwar fließen nach Angaben des Fracht- und Schifffahrtsanalyse-Unternehmens Kpler durch die Straße von Hormus pro Tag wieder etwa 13,5 Millionen Barrel Rohöl. Bei raffinierten Produkten wie Diesel liegt das Volumen allerdings nur bei rund 677.000 Barrel pro Tag, im Vergleich zu 3,6 Millionen vor dem Krieg.

Auch Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank, macht die Kriege für die Preissteigerungen verantwortlich: "Wenn es in der Ukraine und im Iran so weitergeht, sehe ich nur wenig Möglichkeiten, diese Engpässe zu beheben", erklärt er. 

"Preise werden rekordartig sinken"

Trump hatte in einem Post am 9. Oktoberverkündet, er werde die Sanktionen gegenüber Russland zeitweise aussetzen und russischen Diesel importieren. Dies würde dazu führen, dass die Preise "für die Amerikaner und tatsächlich für die ganze Welt rekordartig und schnell sinken". 

Russland bestätigte die Vereinbarung. Kremlsprecher Dmitri Peskow ließ am 13. Oktober über die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS erklären,dass die "Lieferung von Dieselkraftstoff den Interessen Russlands, der Vereinigten Staaten und der globalen Energiemärkte entspricht". 

Die Dieselpreise in den USA und vielen EU-Ländern sind in den vergangenen zwölf Monaten in der Tat drastisch gestiegen (Grafik). Nach Angaben der US-Energieagentur EIA legte der Preis in den USA um rund 60 Prozent zu und liegt mittlerweile bei 6,30 US-Dollar pro Gallone -umgerechnet 1,49 Euro pro Liter Diesel .

Diesel made in USA

Doch selbst wenn Russland den Weltmarkt mit billigem Diesel fluten könnte - die Preise würden nicht in dem Ausmaß sinken, wie sie zuvor anstiegen. Darin sind sich alle von der DW befragten Experten einig.

Denn viele Raffinerien rund um die Golfregion verzeichneten große Ausfälle und der Transport des Treibstoffs über Schattenflotten sowie die Versicherungen seien teuer, umständlich und unsicher.

Eine weitere wichtige Änderung: Nicht mehr Russland ist der größte Dieselexporteur der Welt, im Gegenteil, auch dort leidet die Bevölkerung unter Treibstoffmangel.

Nummer eins sind mittlerweile die USA. 2025 exportierten die USA durchschnittlich 1,264 Millionen Barrel Diesel pro Tag - etwa 15,4 Prozent der weltweiten Diesel-Exporte (siehe Grafik). Russland rutschte mit einem Anteil von 9,5 Prozent auf Rang zwei ab.

Streit um Exportbeschränkungen

Sollten die USA Exportbeschränkungen für Diesel verhängen, würde dies die Abnehmerländer in Lateinamerika und der EU besonders hart treffen (siehe Grafik). Denn die EU führt seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine aufgrund der Wirtschaftssanktionen verstärkt Diesel aus den USA statt aus Russland ein.

Doch auch die Folgen für die USA selbst wären verheerend. "Ein Exportverbot verteilt den Mangel neu, es löst ihn nicht", erklärt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. "Die Weltmarktpreise würden weiter steigen, und die Raffinerien bei sinkenden Margen ihre Produktion drosseln."

Laut Samina Sultan wurden die von Trump kürzlich ins Spiel gebrachten Exportbeschränkungen auch verworfen, weil dies zu einem weiteren Anstieg der Dieselpreise in den USA führen könnte.

"Da es gar nicht so viele Lagermöglichkeiten für Diesel in den USA gibt, müsste die Produktion gedrosselt werden", so Sultan. "Dann würden die Preise wieder ansteigen."

"Unbedeutende Vereinbarung"

Über die wirtschaftlichen Auswirkungen des "rekordartigen" Russland-Deals redet kaum noch jemand. Nach Berechnungen der Plattform Our World in Datawürde die für sofort angekündigte Lieferung von 2,2 Millionen Barrel Diesel aus Russland noch nicht einmal den täglichen Dieselbedarf von rund vier Millionen Barrel in den USA decken.

Selbst wenn man alle von Trump angekündigten Mengen zusammennähme, also 35,8 Millionen Barrel Diesel, entspräche dies lediglich dem US-Eigenbedarf von rund neun Tagen.

"Ich kann gar nicht genug betonen, wie unbedeutend die Vereinbarung ist", erklärte der kanadische Ölmarktanalyst Rory Johnston in einem Post auf X unmittelbar nach der Bekanntgabe.

Russland exportiere normalerweise fast das Zehnfache dieses Volumens, wenn seine Raffinerien nicht von ukrainischen Drohnen bombardiert würden.

Auch Kanada versorgt die USA mit Diesel. Rund 80 Prozent aller US-Dieselimporte stammen aus dem Nachbarland (siehe Grafik). Dass Kanada angesichts der verbalen Attacken Trumps und des Handelskonfliktes gewillt sein könnte, noch mehr Diesel in die USA zu liefern, gilt als sehr unwahrscheinlich.