Trumps Zollstreit mit Kanada: Der die USA schwächt

Stand: 23.08.2026, 17:22 Uhr

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ARCHIV - 28.09.2025, Frankreich, Evian: US-Präsident Donald Trump (l) unterhält sich mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney (r) bei einem Arbeitsessen mit den Staats- und Regierungschefs der G7 und des Nahen Ostens. (zu dpa: „US-Handelsstreit mit Kanada - Bourbon und Wein könnten Knoten lösen“) Foto: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vor dem Zollstreit: US-Präsident Donald Trump unterhält sich mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney während eines Treffens der Staats- und Regierungschefs der G7. © Evelyn Hockstein/dpa

Trump eskaliert mit Kanada einen weiteren Konflikt, den er auch nicht gewinnen kann – und isoliert sein Land.

Die US-Regierung von Donald Trump eskaliert den Handelskrieg mit Kanada, das die US-Zölle „Dollar um Dollar“ erwidern will. Mit dieser Haudrauf-Außenpolitik treibt der US-Präsident nicht nur einen weiteren Verbündeten in die Reihe der Gegner, zu der bereits China, Iran und andere gehören. Er isoliert damit die Vereinigten Staaten auch zunehmend.

Denn viele europäische Staaten sind ebenfalls auf Distanz zu Washington gegangen. Japan und Südkorea sind von Trumps Politik maximal irritiert. Das ist aber kein Zuwachs an Macht, sondern reduziert den Einfluss des international mächtigsten Landes, das Alliierte eigentlich benötigt – beispielsweise, um das selbst gesteckte Ziel der Einhegung Chinas zu erreichen.

Der heftige und einmütige Protest gegen den Zollstreit auf beiden Seiten der amerikanisch-kanadischen Grenze deutet darauf hin, dass der Streit zwischen Nachbarn für Washington kein Erfolg werden dürfte. Den benötigt Trump aber dringend nach den zahlreichen innen- und außenpolitischen Niederlagen wie dem Desaster im Krieg gegen den Iran oder den steigenden Kosten für das Leben in den USA.

Doch statt innezuhalten und die für den Schlamassel verantwortliche Strategie zu überprüfen, versucht Trump, wie so oft, von den Problemen abzulenken. Dieses Mal mit einem weiteren Zollstreit, mit dem er auch das nordamerikanische Handelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko gefährdet. Das ist nicht unerheblich. Teile der US-Produktion und des Handels sind eng mit der Wirtschaft der beiden Nachbarn verwoben. Große Mengen Energie kommen beispielsweise aus Kanada in die Vereinigten Staaten. Verständlich also, wenn sich so viele Konzerne gegen Trump stellen, aus Sorge um die eigenen Gewinne, ihre Produktionsstandorte und die Arbeitsplätze.

Außerdem hat sich Trumps Politik der strategie- und ziellosen Stärke erschöpft. Binnen wenigen Tagen haben sich erst der Iran, dann Kanada von den Drohungen des US-Präsidenten nicht beeindrucken lassen. Davor hat China den USA die Stirn geboten. Und selbst die EU-Staaten stellen sich bei einigen Themen gegen Trump. Er beschädigt also nicht nur die Machtposition der USA, sondern auch seine eigene. So beginnt oft der Niedergang eines Politikers, obwohl er noch fest im Sattel sitzt. Seine Umfragewerte sind jedenfalls im Keller.

Generell fällt Trumps politische Bilanz seiner zweiten Amtszeit sehr bescheiden aus. Statt die USA aus Konflikten herauszuhalten, hat er zahlreiche begonnen. Statt die Inflation zu stoppen, steigen die Lebenshaltungskosten. Doch in den Gespaltenen Staaten von Amerika spielen rationale Argumente kaum eine Rolle.

Fraglich ist, ob die US-Demokraten aus der mangelnden Zustimmung für Trumps Politik bei den Zwischenwahlen im November politisches Kapital schlagen können. Inhaltlich sind sie zerstritten. Einige wollen mit eher linken Themen zurück an die Macht, andere haben mit moderaten Tönen die Wählerinnen und Wähler der Mitte im Blick.

Finanziell sind die Dems deutlich schlechter aufgestellt als die Republikaner. Noch wirken sie also nicht kampagnenfähig. Das ist aber im engen Rennen um das Repräsentantenhaus und den Senat enorm wichtig. Vor allem bei dem Drittel der zur Wahl stehenden Sitze im Senat kommt es wohl auf einige wenige Staaten an. Dort müssen sie teils größere Vorsprünge wettmachen, weil die Republikaner durch das Gerrymandering die Wahlbezirke zu ihren Gunsten verschoben haben.

FR Frankfurter Rundschau Kommentatorenfotos 2017

FR-Meinungsautor Andreas Schwarzkopf. © peter-juelich.com