TV-Doku über Superreiche: „Historisch endete so was meist mit Krieg und Kollaps“
Stand: 13.09.2026, 08:00 Uhr
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„Die USA steuern auf ein goldenes Zeitalter für Betrug und Steuerhinterziehung zu“ - das ist eine Kernthese einer neuen ARTE-Doku über das rasant wachsende Vermögen der Superreichen. „Tax me (if you can)“, ist der Film provokant betitelt, der mit einer einflussreichen Ideologie aufräumt.
Für Amerikas Milliardäre wie Jeff Bezos und Elon Musk scheint es kein Limit zu geben. Jährlich wachsen ihre Vermögen und ihr politischer Einfluss - dabei zahlen die Reichsten der Reichen in den USA fast keine Einkommensteuer. In der neuen ARTE-Dokumentation „Tax me (if you can)“ spricht der Autor und Aktivist Chuck Collins jedoch nicht von einer Aufwärts-, sondern von einer Niedergangsbewegung.

„Wir befinden uns in einer Art oligarchischer Abwärtsspirale“, sagt der Mitgründer der Organisation „Responsible Wealth“ vor der Kamera. „Je stärker sich Reichtum und Macht bei den Milliardären konzentrieren, desto mehr nutzen sie ihren Einfluss für noch mehr Wirtschaftsmacht und Steuersenkung.“ Die Aussichten dahinter zeichnet er düster: „Historisch endete so was meist mit Krieg und wirtschaftlichem Kollaps.“
Der zweiteilige Film des Franzosen Thomas Lafarge illustriert eine Statistik, die atemlos macht: 2018 besaßen die 25 reichsten US-Amerikaner zusammen 1,1 Billionen Dollar - was den Jahreslöhnen von gut 14 Millionen durchschnittlichen US-Bürgern entsprach. In jenem Jahr zahlten die 25 Milliardäre zusammen 1,9 Milliarden Dollar Steuern. Die 14 Millionen Durchschnittsamerikaner zahlten 143 Milliarden Dollar Steuern, also etwa 75-mal mehr. Das gaben Dokumente her, die der inzwischen verurteilte Whistleblower Charles Littlejohn aus der Steuerbehörde IRS an die Öffentlichkeit brachte.
„Es geht weder um Illegales noch um teure Anwälte und Steuerberater, die Schlupflöcher finden“
Der „ProPublica“-Journalist Jesse Eisinger, der die Dokumente auswertete, nennt es „eine der größten Enthüllungen geheimer Regierungsinformationen in der Geschichte der USA“. Das verblüffende Erkenntnis: „Steuervermeidung hat in den USA nichts mit komplexen Off-Shore-Konstruktionen zu tun. Es geht weder um Illegales noch um teure Anwälte und Steuerberater, die Schlupflöcher finden, um Einkommen zu verstecken.“ Einzig entscheidend sei, auf dem Papier sein Einkommen niedrig zu rechnen. Eisinger erklärt: „Statt sich Erträge auszahlen zu lassen, beleihen Superreiche einfach ihr Vermögen. Auf diese Weise fällt kaum steuerpflichtiges Einkommen an.“
Der Aufschrei in der amerikanischen Gesellschaft war nach den Enthüllungen groß, doch die damals im Amt befindliche Biden-Regierung ließ keine Steuerreform folgen. Unter Donald Trump gab es sogar weitere Erleichterungen für Reiche und Superreiche. Zugleich wurde angekündigt, in der Steuerbehörde IRS rund ein Drittel der Stellen zu streichen. „Hoch qualifizierte Wirtschaftsprüfer für große Vermögen und Konzerne werden jetzt entlassen“, entrüstet sich Enthüllungjournalist Eisinger im ARTE-Film. „Und was wird die Folge sein? Ein goldenes Zeitalter für Betrug und Steuerhinterziehung. Darauf steuern die USA zu.“
Wie lange schon in diese Richtung gesteuert wird, legt die zweiteilige Dokumentation von je 45 Minuten in historischen Rückblenden dar. Festgemacht wird es vor allem an der Präsidentschaft Ronald Reagans (1981 bis 1989 im Amt). Damals setzte sich die „Trickle-down-Theorie“ durch, also die Annahme, dass Vergünstigungen und Erleichterungen für Reiche letztlich der Allgemeinheit zugutekämen, weil der vergrößerte Wohlstand „nach unten durchsickere“.
Man fragt sich, ob die Verteidiger dieses Systems an diesen Lehrsatz noch ernsthaft glauben können. Jeff Bezos etwa. Das Vermögen des Amazon-Gründers wurde 2025 auf 230 Milliarden Dollar geschätzt. Schon 2011 besaß er 18 Milliarden US-Dollar. Einkommenssteuer zahlte er laut Recherchen von „ProPublica“ damals keine. Dafür erhielt er einen rückerstattbaren Steuerfreibetrag für seine Kinder in Höhe von 4.000 Dollar.
„Tax me (if you can!) - Die Steuertricks der Superreichen“ ist am Dienstag, 15. September, 20.15 Uhr, bei ARTE zu sehen und schon jetzt in der ARTE-Mediathek. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)