Überraschung: Ecosia trennt sich von Mistral AI - Melious AI aus Deutschland wird Ersatz

Überraschung: Ecosia trennt sich von Mistral AI - Melious AI aus Deutschland wird Ersatz

Die deutsche Suchmaschine Ecosia hatte in der jüngeren Vergangenheit sehr viele Veränderungen durchlaufen. Gemeinsam mit den französischen Kollegen von Qwant entwickelt man mit Staan einen europäischen Suchindex, der hauseigene Ecosia Browser wird weiterentwickelt und wurde auf den Desktop gebracht, und der optionale KI-Chat wechselte von OpenAI zum europäischen KI-Primus Mistral AI. Bisher jedenfalls, denn nun machen die Berliner eine überraschende Kehrtwende.

Wie Ecosia-Chef Christian Kroll gegenüber Politico mitteilte, beendet man die erst im Mai gestartete Kooperation mit dem Pariser KI-Unternehmen und wechselt mit Melious AI zu einem deutschen Unternehmen, was in Saarbrücken beheimatet ist. Hintergrund dieser Entscheidung sei vor allem die wachsende Unzufriedenheit der Berliner mit Mistral AI gewesen. Neben der Kostenfrage spielten dabei die Qualität der bisher verwendeten KI-Modelle und vor allem ständige technische Probleme wie oft überlastete Server bei den Franzosen die Hauptrolle.

Auch die Abhängigkeit von Atomstrom, die mit Ecosias Nachhaltigkeitszielen im Konflikt stehen, sowie die Abhängigkeit Mistrals von internationalen Investoren wie Microsoft, Nvidia, Samsung und SoftBank, die der angestrebten digitalen Souveränität nach ihrer Ansicht entgegen stehen, waren Teil dieser Entscheidung.

Melious AI

Abhilfe schaffen soll mit Melious AI nun ein heimisches Unternehmen. Das KI-Unternehmen ist in unmittelbarer Nähe der Universität des Saarlandes beheimatet und hat sich auf die Bereitstellung frei verfügbarer Open Source- und Open Weight-Modelle spezialisiert. Neben europäischen und US-amerikanischen KI-Modellen wie Google Gemma und GPT-OSS von OpenAI gehören hierzu auch die besonders starken Modellfamilien aus China, darunter Kimi, MiniMax, Qwen und GLM. Deren Einsatz, technische Anpassungen vorausgesetzt, will Kroll ausdrücklich nicht ausschließen.

Nach eigenen Angaben konnte Ecosia seine Ausgaben so um gut die Hälfte reduzieren und konnte Leistung und Qualität gleichzeitig deutlich verbessern. Erwartbar kommt von Experten aber auch Kritik an der Entscheidung. Zwar kann man auch chinesische Open Weight-Modell sicher und völlig isoliert hosten und Modelle wie Qwen und GLM können mit waschechten US-Frontier-Modellen durchaus mithalten, die Zensur aus der chinesischen Entwicklung bleibt bei den Gewichtungen aber dennoch erhalten.

Dämpfer für Mistral AI

Für die Franzosen kommt die Entscheidung zur Unzeit. Ecosia ist im europäischen Kontext durchaus ein mächtiger Player und wird von zahlreichen Behörden wie dem deutschen Umweltministerium oder dem britischen Gesundheitsdienst NHS genutzt. Entsprechend startet Co-Gründer und Chefwissenschaftler Giullaume Lample nun auch eine Charmeoffensive an die Berliner und verweist nicht zuletzt auf Mistral Large 4, was als erstes richtiges Frontier-Modell aus Europa erst gestern vorgestellt wurde.

Er ermutigt die Deutschen, das neue KI-Modell so schnell wie möglich zu testen und bietet ihnen auch einen Vorabzugang zur weiteren Entwicklung an. Auch eine Zusammenarbeit beider Unternehmen sei für ihn durchaus denkbar. Ob die Berliner darauf eingehen, darf man wohl bezweifeln. Auch die KI-Modelle von Mistral AI sind Open Weight-Modelle – und entsprechend kann sie auch Melious AI direkt bereitstellen, wenn Ecosia das möchte.

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Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten wie den PowerToys zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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