UEFA greift FIFA-Chef Infantino direkt an
Ende der Investorenpläne "Zur Rechenschaft ziehen" - UEFA greift Infantino direkt an
Stand: 01.08.2026 • 13:30 Uhr
Die UEFA hat das Ende der Investorenpläne der FIFA begrüßt und einen Kulturwechsel beim Weltverband gefordert. Vor allem aber wird FIFA-Präsident Gianni Infantino frontal angegriffen.
"Die UEFA begrüßt die Entscheidung der FIFA, ihren Plan zurückzuziehen, Anteile an ihren Wettbewerben – einschließlich der FIFA-Weltmeisterschaft – an private Investoren zu verkaufen", heißt es in dem am Samstagmittag veröffentlichen Statement. Dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino warf die UEFA vor, einen "schäbigen und undurchsichtigen Deal" eingefädelt zu haben.
Der Fußball-Weltverband FIFA hatte Samstagfrüh in einer Stellungnahme seine umstrittenen Investorenpläne aufgegeben. Infantino beugte sich damit dem massiven Widerstand, der in den vergangenen Tagen immer größer geworden war.
"Verantwortliche benennen und zur Rechenschaft ziehen"
In dem Statement fordert die UEFA Veränderungen beim Weltverband: "So kann es nicht weitergehen - mit geheimen Vorhaben, die im Eilverfahren vorangetrieben werden, von anonymen Akteuren ausgearbeitet wurden und deren Nutzen für den Fußball mehr als fragwürdig ist. Wir müssen die Verantwortlichen benennen und sie zur Rechenschaft ziehen."
Damit dürfte vor allem FIFA-Präsident Infantino gemeint sein, der den Plan quasi im Alleingang durchdrücken wollte. Auch enge Mitarbeiter, FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour und Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater des 56-Jährigen, hatten sich daraufhin von ihm abgewandt. "Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler weiterer Mitglieder der internationalen Fußballfamilie", heißt es dazu im Schreiben.
UEFA: Infantino hat gegen Wahlversprechen verstoßen
Infantino warf die UEFA zudem vor, gegen zwei seiner Wahlversprechen eklatant verstoßen zu haben: Der Schweizer hatte 2015 Transparenz angekündigt sowie die Verwendung der FIFA-Gelder zum Wohle sowie zur Entwicklung des Fußballs.
"Beide Versprechen hat er nicht eingehalten. Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er durchzusetzen versuchte, war alles andere als transparent. Und trotz Reserven von über fünf Milliarden Dollar hat er es auch versäumt, das Geld der Verbände zum Wohle des Fußballs einzusetzen", hieß es in dem Statement.
Neuendorf hebt Geschlossenheit der UEFA hervor
DFB-Präsident Bernd Neuendorf kommenierte die Infatino-Wende mit ähnlichen Worten wie die UEFA: "Dieser Schritt der FIFA ist unausweichlich. Der Versuch, FIFA-Wettbewerbe für private Investoren zu öffnen, ist krachend gescheitert. Das ist unter anderem auch dem sehr geschlossenen Auftreten aller UEFA-Mitgliedsverbände zu verdanken."
Neuendorf fordert: "Die Vorgänge rund um dieses von Gianni Infantino initiierte Projekt müssen jetzt lückenlos aufgeklärt werden. Der FIFA-Präsident hat eigenmächtig, intransparent und letztlich auch unverantwortlich im Sinne des Fußballs gehandelt. Wir müssen gemeinsam mit der UEFA und anderen Konföderationen dafür sorgen, dass bei der FIFA eine grundsätzlich andere Kultur einzieht. Eine Kultur, in der vor allem Entscheidungen wieder von den Mitgliedern in den Gremien diskutiert und getroffen werden."
Neuer Ansatz für die Verteilung von Fördermitteln
Die UEFA kündigte an, in den kommenden Tagen und Wochen gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden und in enger Zusammenarbeit mit den anderen Konföderationen sicherzustellen, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholt. Und weiter: "Keine Option darf dabei ausgeschlossen werden." Auch das kann als direkte Anrede an Infantino verstanden werden.
Auch auf struktureller Ebene fordert die UEFA Änderungen ein. "Die UEFA wird daher umgehend gemeinsam mit ihren Partnern und weiteren Interessenträgern auf der ganzen Welt und aus allen Bereichen des Fußballs daran arbeiten, einen neuen Ansatz für die Verteilung von Fördermitteln im Rahmen des bestehenden FIFA-Forward-Programms vorzuschlagen."
Plan vom vergangenen Dienstag
Am Dienstag (28.07.2026) hatte die FIFA mitgeteilt, dass sie eine Gesellschaft gründen wolle, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen des Weltverbandes bündeln soll. An dieser Gesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) sollen dann Anteile an Investoren verkauft werden, um noch viele Milliarden Euro mehr als jetzt schon umzusetzen.
Infantino hatte den Mitgliedsverbänden eine Zustimmungsfrist bis zum 19. September gesetzt, die Verbände sollten mit hohen Summen und der Aussicht auf eine nochmals erweiterte WM geködert werden.
UEFA drohte mit Boykott aller FIFA-Turniere
Am Donnerstag hatte die UEFA einen Boykott aller FIFA-Turniere angekündigt, sollte Infantino seinen Investorendeal durchdrücken. "Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen", teilte die UEFA nach einem Dringlichkeitstreffen mit.
Dieser Gegenwehr hatten sich CONCACAF, der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik, und die asiatische Fußball-Konföderation (AFC) angeschlossen.
Quelle: sid/red