Misstrauensvotum gegen FIFA-Präsident Infantino ist einfach möglich: Das benötigt die UEFA für eine Abwahl

UEFA kann baldige Infantino-Abwahl im Alleingang anstoßen

Stand: 01.08.2026, 17:37 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Kann sich Gianni Infantino noch als FIFA-Präsident halten? Sollte ein Rücktritt ausbleiben, könnten sich die Mitgliedsverbände anders behelfen.

Zürich – So dürfte sich Gianni Infantino die Zeit nach der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer nicht vorgestellt haben. Statt tosendem Applaus, den er für seine scheinbaren Verdienste erwartet haben dürfte, droht dem FIFA-Präsidenten nun der komplette Machtverlust. Denn auch nach der Absage des Verkaufs von WM-Anteilen an private Investoren ebbt die Kritik aus den Verbänden nicht ab. Die könnten mit einer Art Misstrauensvotum für ein schnelles Infantino-Ende sorgen.

Absolut Fussball – absolut hautnah! Unsere Reporter sind für euch hinter den Kulissen der Klubs unterwegs. Videos, Analysen, Interviews und viele weitere exklusive Inhalte bekommt ihr im Web, in der App und auf Social Media.

Absolut Fussball – absolut hautnah! Unsere Reporter sind für euch hinter den Kulissen der Klubs unterwegs. Videos, Analysen, Interviews und viele weitere exklusive Inhalte bekommt ihr im Web, in der App und auf Social Media. © Absolut Fussball

Ein klassisches Misstrauensvotum ist in den FIFA-Statuten zwar nicht vorgesehen, was aber nicht der vorzeitigen Abwahl eines Präsidenten im Wege steht. Denn eine Abstimmung zur Abwahl Infantinos kann regulär auf die Tagesordnung eines FIFA-Kongresses gesetzt werden, allerdings findet die nächste reguläre Zusammenkunft erst am 18. März 2027 in Rabat (Marokko) statt. Somit bedarf es eines außerordentlichen Kongresses, dessen Einberufung aber keine große Hürde darstellt.

UEFA kann Abwahl von FIFA-Präsident Infantino ohne weiteres initiieren

Für die Einberufung eines Sonderkongresses müssten 20 Prozent der Mitgliedsverbände einen solchen schriftlich beantragen – das sind 43 von 211 Verbänden (Artikel 25 FIFA-Statuten). Allein der europäische Verband UEFA stellt zusammen 55 Verbände. Sollten die 20 Prozent erreicht werden, ist der FIFA-Rat dazu gezwungen, einen Sonderkongress innerhalb der nächsten drei Monate einzuberufen.

Das einzige, was es für die Antragsteller zu beachten gibt, ist, dass bei einem außerordentlichen Kongress bereits im Antrag die potenzielle Tagesordnung festgelegt werden muss. Würde es dann zu einem Kongress kommen, auf dem über die Abwahl von Gianni Infantino abgestimmt werden würde, reicht eine einfache Mehrheit, um diesen aus seinem Amt zu entfernen (Artikel 30, Punkt 9).

Nach den Protesten infolge der Enthüllungen zu Infantinos WM-Plänen kämen die wahrscheinlichsten Stimmen zur Abwahl aus der CONCACAF (Nord-, Mittelamerika und Karibik), der UEFA (Europa) und vom AFC (Asien). Blieben sich bis zur möglichen Abstimmung alle treu, wäre Infantino spätestens dann Geschichte. Gemeinsam bilden sie mit 143 Mitgliedern eine klare Mehrheit (67,8 Prozent) unter den FIFA-Mitgliedsverbänden.

Das alles wäre aber nur nötig, sollte Infantino in den nächsten Tagen überhaupt noch an seinem Amt festhalten. Der Druck von außen wächst stetig und auch aus seinem engsten Vertrauten-Kreis haben sich bereits einige abgewandt. Sollte es aber tatsächlich zum Misstrauensvotum um die Ecke kommen, müssen sich auch die Antragssteller schnellstmöglich einen potenziellen Nachfolger in Stellung bringen. Ein längeres Machtvakuum könnte nur zu noch mehr Verwerfungen führen.

Mit CONCACAF-Präsident Victor Montagliani soll sich bereits eine einflussreiche Persönlichkeit über Schritte zur Kandidatur Gedanken gemacht haben. Allerdings gibt es mit der prominenten Infantino-Kritikerin Lise Klaveness (Präsidentin norwegischer Verband), UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, AFC-Vertreter Nasser Al-Kelaifi und CAF-Präsident Patrice Motsepe gleich mehrere weitere Personen, die in der Vergangenheit immer mal wieder als potenzielle Infantino-Nachfolger gehandelt wurden. (sch)