Ukraine: Juni war Monat mit meisten zivilen Todesopfern seit vier Jahren

Bei russischen Angriffen auf Handelsschiffe vor der Küste der Region Odessa und im Schwarzen Meer sind am Dienstag nach Behördenangaben drei Menschen getötet worden:

  • Bei Angriffen auf Hafeninfrastruktur in der Region Odessa sei ein unter der Flagge der Marshallinseln fahrendes Schiff von einer Drohne getroffen worden, teilte Regionalgouverneur Oleh Kiper im Onlinedienst Telegram mit. »An Bord brach ein Feuer aus. Leider wurden zwei Menschen getötet.«

  • Im Schwarzen Meer seien außerdem zwei unter tansanischer und liberianischer Flagge fahrende Handelsschiffe angegriffen worden, erklärte Kiper. Der Kapitän eines der beiden Schiffe sei dabei getötet worden. Die übrigen elf Besatzungsmitglieder, von denen drei verletzt worden seien, wurden nach Angaben des Gouverneurs in Sicherheit gebracht.

Die Region Odessa und ihre Hafeninfrastruktur sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 regelmäßig Ziel russischer Angriffe. Die ukrainische Armee hat ihrerseits in jüngster Zeit ihre Angriffe Schiffe im Asowschen Meer verstärkt. Das Seegebiet dient als wichtige Transportroute für den Export russischer Agrarprodukte sowie für die Versorgung der annektierten Krim darstellt.

Wie verheerend der Angriffskrieg von Wladimir Putin ist, zeigen neue Zahlen: Im Juni sind in der Ukraine der Uno zufolge mehr Zivilisten bei russischen Angriffen getötet worden als in jedem anderen Monat seit April 2022. Es seien »mindestens 293 Zivilisten getötet und 1990 weitere verletzt« worden, erklärte die Menschenrechtsbeobachtungsmission der Vereinten Nationen in der Ukraine (HRMMU) am Dienstag. Fast die Hälfte der Opfer war demnach auf Attacken mit Raketen oder Drohnen auf ukrainische Städte zurückzuführen.

»Nach einem starken Anstieg im Mai erhöhte sich die Zahl der zivilen Opfer weiter«, stellte die HRMMU fest. Besonders im Fokus waren demnach die Hauptstadt Kyjiw und Dnipro. Der Trend zu Angriffen fernab der Front spiegele »den zunehmenden Einsatz schlagkräftiger Waffen wider, die bei Verwendung in dicht besiedelten Städten besonders verheerende Folgen haben«, erklärte HRMMU-Leiterin Danielle Bell.

Viele Tote wurden den Angaben zufolge auch bei Angriffen mit Drohnen entlang der Frontlinie registriert. Dabei starben im Juni demnach 89 Zivilisten, 588 weitere Menschen wurden verletzt. Die Zahl der insgesamt seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 getöteten Zivilisten gibt die HRMMU mit 16.431 an. Wahrscheinlich sei diese Zahl aber zu gering, weil Opferzahlen aus den von Russland eroberten Gebieten vielfach nicht verifiziert werden konnten.