Ukraine-Krieg aktuell: Spritkrise ist zurück – Kreml reagiert
Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Spritkrise ist zurück – Kreml reagiert
Aktualisiert am 19.08.2026 - 19:52 UhrLesedauer: 17 Min.
Kurz vor der Duma-Wahl müssen Russlands Autofahrer Schlange stehen. Selenskyj trennt sich von einer engen Mitarbeiterin. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Mittwoch, 19. August
Putin äußert sich zu Schäden durch ukrainische "Terrorangriffe"
Kremlchef Wladimir Putin hat eingeräumt, dass ukrainische Drohnenangriffe Russland schaden, aber keine kritischen Folgen hätten. Logistik- und Lagerkapazitäten müssten wiederhergestellt werden – auch unter Beteiligung des Staats, sagte er bei einer Sitzung des Rats für strategische Entwicklung und nationale Projekte und wies die Regierung an, ein entsprechendes Programm zum Wiederaufbau zu verabschieden.
Eine Reihe von Faktoren wirke sich auf das Wirtschaftstempo aus, darunter auch äußerer Druck und "Terrorangriffe auf Industrie- und Infrastrukturobjekte", sagte er. Die Dynamik der russischen Wirtschaft bezeichnete er als "bescheiden, aber positiv". Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts liege im Jahr 2026 bei etwa einem Prozent.
Russland überzieht die Ukraine seit knapp viereinhalb Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Als Teil seines Abwehrkampfes hat Kiew zuletzt seine Gegenangriffe im russischen Hinterland vor allem mit Drohnen ausgeweitet. Seit Wochen treffen ukrainische Drohnenangriffe immer wieder Logistikzentren des größten russischen Online-Versandhändlers Wildberries. Laut Experten sind dabei Milliardenschäden entstanden.
"Hoffen, dass Russland verstanden hat": Nato schickt Putin eine deutliche Warnung
Kaliningrad bereitet der Nato schon länger Sorgen. Nun hat das Militärbündnis rund um die russische Exklave ihre Fähigkeiten präsentiert – und ein brandneues Spezialflugzeug. Lesen Sie den ganzen Artikel hier.
Spritkrise ist zurück – Kreml reagiert
Das ölreiche Russland hat nach den Worten von Vizeministerpräsident Alexander Nowak mit dem Import von Kraftstoff begonnen. Zu den Mengen oder Herkunftsländern machte Nowak keine Angaben. Dem Kremlvertreter zufolge geht die Regierung in Moskau davon aus, dass mehrere Ölraffinerien nach planmäßigen Wartungsarbeiten in naher Zukunft den Betrieb wieder aufnehmen. Dann solle sich das Angebot an Russlands Tankstellen wieder verbessern.
Russland ist eigentlich Exporteur von Kraftstoffen. Zahlreiche ukrainische Angriffe auf Energieanlagen in Russland haben den vergangenen Monaten aber zu einem Rückgang der Raffinerieproduktion geführt. Dies löste bis Anfang Juli landesweit Engpässe bei Diesel und Benzin aus. Nach einer kurzen Entspannungsphase bildeten sich in den vergangenen Tagen wieder vielen Teilen Russlands Autoschlangen vor Tankstellen.
Selenskyj feuert Vertraute
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat nach einer neuen Razzia der Anti-Korruptionsbehörden in Kiew die Vizechefin des Präsidialbüros in Kiew entlassen. Das Dekret über die Entlassung von Iryna Mudra veröffentlichte er auf der Internetseite des Präsidialamts. Einen Grund nannte er nicht. Zuvor waren die Anti-Korruptionsbehörden des Landes, ohne Nennung von Namen, erneut mit Durchsuchungen gegen Verdächtige vorgegangen.
Die Spezialoperation diene dazu, "eine kriminelle Vereinigung aufzudecken, die unter der Leitung eines amtierenden und eines ehemaligen Abgeordneten des ukrainischen Parlaments tätig war", teilten das Nationale Anti-Korruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) in Kiew mit. Auch ranghohe Beamte des Präsidialamts der Ukraine sowie weitere Personen sollten demnach an den Verbrechen beteiligt sein.
Der Abgeordnete der Obersten Rada in Kiew, Oleksij Hontscharenko, teilte mit, dass sich die Ermittlungen konkret gegen die Stellvertreterin des Präsidentenbürochefs, Iryna Mudra, richteten. Medien in der Ukraine nannten den Namen ebenfalls unter Berufung auf andere Quellen. Als Verdächtiger wurde auch der Abgeordnete Wadym Stolar genannt.
Korruptionsermittlungen in Ukraine vor Votum zu Verteidigungsminister
In der Ukraine haben die Antikorruptionsbehörden eine Großrazzia gegen Abgeordnete sowie Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj gestartet. Dies geschah wenige Stunden vor einer entscheidenden Abstimmung im Parlament über den neuen Verteidigungsminister. Mit dem Votum will Selenskyj den Umbau seines Sicherheitskabinetts abschließen. Die Antikorruptionsbehörde Nabu und die spezialisierte Staatsanwaltschaft Sapo nannten zunächst keine Details zu den Ermittlungen.
Kurz zuvor hatte der entlassene Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow in einer überraschenden Erklärung Wahlen trotz des anhaltenden Krieges gefordert. Die Abgeordneten sollten am Mittwoch über die Ernennung des ehemaligen Offiziers einer Spezialeinheit Jewhenij Chmara zu Fedorows Nachfolger abstimmen. Die Personalie folgt auf wochenlange politische Turbulenzen nach der Abberufung Fedorows. Dessen Absetzung hatte im Juli zu für Kriegszeiten ungewöhnlichen Protesten geführt: Tausende Demonstranten forderten auf den Straßen die Wiedereinsetzung des 35-jährigen Fedorow, der als Reformer des Ministeriums gilt.
Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden haben ihr Vorgehen gegen Bestechlichkeit im Staatsapparat während des Krieges verschärft. Dies gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den angestrebten Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union.
Behörden: Vier Tote bei russischem Angriff auf Bus in der Südukraine
Bei einem russischen Drohnenangriff auf einen fahrenden Bus in der südukrainischen Stadt Cherson sind nach Behördenangaben mindestens vier Zivilisten getötet worden. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte die örtliche Staatsanwaltschaft. Der Gouverneur der Region Cherson, Oleksandr Prokudin, veröffentlichte Bilder, auf denen ein Kleinbus mit beschädigten Fensterscheiben und Blutspuren am Boden zu sehen sind.
Russland greift die Ukraine seit Beginn seines Angriffskriegs im Februar 2022 fast täglich mit Drohnen und Raketen an. Die Ukraine reagiert mit Angriffen auf russisches Gebiet. Cherson stand von März bis November 2022 unter russischer Kontrolle und liegt nahe der Front.
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Ukraine: Staatsbegräbnis für umstrittenen Nationalistenchef
Die Gebeine des 1938 ermordeten umstrittenen ukrainischen Nationalistenführers Jewhen Konowalez sind in die Ukraine überführt und mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte bei der Zeremonie auf einem Militärfriedhof unweit der Hauptstadt Kiew: "Wir bringen einen herausragenden Sohn des ukrainischen Volkes nach Hause zurück." Mit Konowalez habe die Ukraine einen Teil ihrer selbst, ihrer Erinnerung und ihrer nationalen Geschichte zurückgeholt. An der feierlichen Beisetzung mit militärischen Ehren nahmen auch Ministerpräsident Serhij Korezkyj, Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk, Armeechef Mychajlo Drapatyj und weitere ukrainische Politiker teil.