Ukraine im Krieg unter Druck: Wenn US-Daten und Starlink zum Machtinstrument werden
Stand: 16.10.2026, 21:38 Uhr
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Die Ukraine braucht Aufklärungsdaten für den Krieg, doch die USA und Trump benutzen den Zugang als Druckmittel. Präsident Selenskyj ahnt, wohin die Reise geht.
Washington/Kiew – Im Ukraine-Krieg entscheiden nicht nur Panzer und Drohnen, sondern auch Informationen. Genau hier hakt es derzeit ernsthaft: Washington drohte offenbar, Aufklärungsdaten zurückzuhalten, und Kiew meldet Einschränkungen beim Satelliteninternet Starlink. Für ein Land, das sich seit Jahren im Ausnahmezustand befindet, ist das ein harter Schlag.
Dabei ist die Lage geradezu paradox. Die Finanzierung kommt inzwischen überwiegend von EU‑Institutionen. Doch die zentralen Hebel liegen weiter in Washington: Satellitendaten, Frühwarnungen und Dienste, auf die die ukrainische Armee angewiesen ist. Wer diese Schlüssel besitzt, entscheidet mitunter über den weiteren Kriegsverlauf.
Der lange Hebel: USA setzen den Ukraine-Krieg diplomatisch unter Druck
Die Spannungen haben einen klaren Auslöser. US-Präsident Donald Trump drängt seit Längerem auf schmerzhafte Kompromisse für einen Frieden mit Russland. Laut Berichten will er noch vor den Midterms am 3. November Erfolge vorweisen, was eine Friedenslösung angeht. Das Verhältnis zu Präsident Selenskyj hat sich dadurch zuletzt verschlechtert.

Besonders brisant ist ein Bericht der New York Times. Demnach forderte die US-Seite bei Gesprächen mit einer ukrainischen Delegation indirekt, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, und verwies auf die Aufklärungsdaten. In diesem Zusammenhang geht es auch um eine Drohung mit einem Stopp der so wichtigen Geheimdienstinformationen.
Starlink als Schwachstelle: Warum ein Tempolimit ukrainische Drohnen schwächt
Auch Starlink ist für die ukrainische Armee unverzichtbar. Seit Kriegsbeginn sorgt der Dienst des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX an der Front für Hochgeschwindigkeitsinternet, wo Mobilfunk zerstört ist oder anderweitig nicht verfügbar. Drohnenvideos laufen nahezu in Echtzeit über die Verbindung, Waffen lassen sich so aus der Ferne ins Ziel steuern.
Die Drosselung sei ohne Vorwarnung gekommen. Medienberichten zufolge aktivierte SpaceX in der Nacht zum Mittwoch ein Tempolimit für die Kampfdrohnen. Oberhalb von rund 160 Kilometern pro Stunde reißt die Verbindung ab, andere Berichte nennen 110 bis 120. Weitreichende Drohnen, bis zu 300 km/h schnell, würden im Blindflug agieren.
Unterstützung auf Abruf: Wer bei Starlink tatsächlich die Regeln bestimmt
Wichtig: Während Starlink für zivile Zwecke dem Unternehmen SpaceX gehört, wird das eng verwandte System Starshield von der US-Regierung und vom Pentagon für militärische Zwecke kontrolliert. Brisant ist die Rolle von Elon Musk: Wie der britische Telegraph am Freitag enthüllte, schlug der Tech-Unternehmer Trump vor, Starlink in der Ukraine durch Geschwindigkeitsbegrenzungen zu verlangsamen. Quellen zufolge stimmte Trump zu, was dem Pentagon den Weg ebnete, Starshield zu verlangsamen. Trump selbst dementierte das.
Wolodymyr Selenskyj sieht die Lage kritisch. In einem Bericht der Financial Times wirft er dem US-Militär vor, trotz einer geforderten zweitägigen ukrainischen Kampfpause US-Frühwarnungen vor ballistischen Raketen vorenthalten zu haben. Dies sorgte bei Angriffen prompt für Einschläge mit Toten und Verletzten. Zugleich warnt er in dem Bericht, ein Stopp der ukrainischen Angriffe auf Energieanlagen könne zu weiteren Abkommen zwischen den USA und Russland ermutigen.
Frieden um jeden Preis? Selenskyj warnt vor US-Deals mit Putin
Hinzu kommt das Thema Diesel: Nach einem Gespräch mit Wladimir Putin kündigte Trump an, Russland stelle mehr als 300.000 Tonnen Diesel bereit, dafür sollten die Sanktionen ruhen. Selenskyj übte öffentlich Kritik und kommentierte nun dazu trocken: „Die Frage wird sein, wann der nächste Deal kommt. Vielleicht geht es um Gas. Ganz sicher wird es um Gas gehen.“
Was bleibt? Die Ukraine ist im Krieg gegen das Nachbarland weiter auf die Unterstützung der USA angewiesen, auch wenn Europa den Großteil der Rechnung zahlt. Ob ein Frieden in dem nun fast fünf Jahre währenden Krieg gelingt, hängt davon ab, wer die Hebel dauerhaft kontrolliert. Starlink zeigt: Technologie ist längst Machtpolitik. Entscheidend ist, wem die Infrastruktur gehört. (Quellen: Tagesschau, New York Times, Financial Times, BusinessInsider, Kyiv Independent, The Telegraph)