Nach 500 Tagen: Ukraine rettet verletzten Soldaten mit Drohne von der Front – Video zeigt spektakulären Einsatz
Ukraine vermeldet spektakulären Einsatz: Verletzter Soldat mit Drohne von der Front gerettet
Stand: 20.10.2026, 07:32 Uhr
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Eine ukrainische Brigade hat einen schwer verletzten Soldaten erstmals per Schwerlastdrohne von der Front gerettet. Der Einsatz dauerte mehr als eine Stunde.
Kiew – Der Ukraine-Krieg ist weiterhin Schauplatz von militärischen Neuheiten: Ukrainische Soldaten haben nach eigenen Angaben erstmals einen verwundeten Kameraden mithilfe einer Flugdrohne von einer Frontstellung gerettet. Weil russische Drohnen und Minen eine Evakuierung am Boden unmöglich machten, wurde der Mann mit einer Schwerlastdrohne ausgeflogen. Er befindet sich inzwischen in Behandlung, sein Leben ist nicht mehr in Gefahr.

Schwerverletzter mit Schwerlastdrohne ausgeflogen
Die 92. Separate Sturmbrigade der ukrainischen Streitkräfte veröffentlichte ein Video der Rettungsaktion. Darauf ist zu sehen, wie eine große Drohne zu Boden sinkt und ein Soldat in Kampfausrüstung sich an einer Seilwinde befestigt. Anschließend wird er in die Luft gehoben und zu einem sicheren Ort transportiert. Der Drohnenoperator begrüßt den Geretteten nach der Landung mit den Worten: „Willkommen zurück auf der Erde.“ Die Brigade bezeichnete den Einsatz als bislang einmalig. Wo genau die Rettung stattfand, teilte sie zunächst nicht mit.
Nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte war der Soldat an seiner Stellung verwundet worden. Wegen der intensiven Aktivität russischer Drohnen und des verminten Geländes sei eine Evakuierung mit herkömmlichen bodengestützten unbemannten Fahrzeugen nicht möglich gewesen. Auch ein Rettungsversuch zu Fuß hätte die eingesetzten Soldaten gefährdet.
„Die Operation war erfolgreich – der Verwundete wurde gerettet! Er befindet sich jetzt in Behandlung und Rehabilitation, sein Leben ist nicht mehr in Gefahr“, erklärte die Drohneneinheit der 92. Brigade auf Facebook.
Soldat saß fast 500 Tage an gefährlicher Frontstellung fest
An der Vorbereitung des Einsatzes waren nach Angaben des ukrainischen Drohnenherstellers Gurzuf Defence mehrere Spezialisten beteiligt. Der verwundete Infanterist hatte demnach fast 500 Tage an einer gefährlichen Frontstellung verbracht und war dort ständig von tödlichen Angriffen bedroht.
Seine Kameraden hielten während dieser Zeit Kontakt zu ihm und versorgten ihn mit Lebensmitteln, Wasser, Munition und Medikamenten, die per Drohne transportiert wurden. Nachdem er schwer verletzt worden war, musste eine andere Möglichkeit gefunden werden, ihn aus dem Kampfgebiet zu holen.
Zum Einsatz kam die Schwerlastdrohne Heavy Shot Ayudag-6, ein Hexakopter mit sechs Rotoren, der ursprünglich als Bomber entwickelt worden war. Das Fluggerät wurde für die Rettungsmission mit einer Seilwinde ausgestattet. Nach Angaben von Gurzuf Defence brachten die Beteiligten zunächst spezielle Ausrüstung mit Karabinern zu dem Verwundeten. Anschließend wurde die Drohne mit dem Evakuierungssystem zu ihm geschickt. Der Soldat befestigte sich selbst an der Winde und wurde unter Fernsteuerung seiner Kameraden aus dem gefährlichen Gebiet ausgeflogen.
Die Mission dauerte dem Hersteller zufolge eine Stunde, 14 Minuten und 36 Sekunden. Dabei legte die Drohne eine Strecke von 62 Kilometern zurück. An dem Einsatz waren demnach eine genaue Überwachung des Luftraums und Maßnahmen zum Schutz vor elektronischer Kriegsführung erforderlich. Andere Soldaten nahmen den Geretteten am Zielort in Empfang und organisierten den Weitertransport in ein Krankenhaus.
Ukraine setzt zunehmend auf Drohnentechnologie
Der Einsatz verdeutlicht, wie stark Drohnen den Kriegsverlauf und die Versorgung von Soldaten in der Ukraine verändern. Beide Kriegsparteien setzen zunehmend auf unbemannte Systeme, um militärische Aufgaben zu übernehmen und die Gefährdung eigener Soldaten zu reduzieren.
Die ukrainischen Streitkräfte erklärten, ihre Drohneneinheiten führten inzwischen Operationen durch, die noch vor kurzer Zeit als Science-Fiction gegolten hätten. Die 92. Brigade betonte, dass ukrainische Soldaten gemeinsam mit heimischen Herstellern neue Maßstäbe bei der Kriegsführung setzten.
Auch die ukrainische Regierung arbeitet daran, Drohnen für medizinische Transporte einzusetzen. Ein von Ministerpräsident Serhii Koretskyi angekündigtes experimentelles Projekt soll den Transport von Medikamenten, medizinischen Produkten, Blutproben und Spenderorganen zwischen Krankenhäusern ermöglichen. Gerade in abgelegenen Gebieten könne dies wertvolle Zeit sparen. Flüge sollen dabei mit dem Militär abgestimmt werden; die eingesetzten Drohnen sollen einen besonderen Status erhalten und in der Luft erkennbar sein.
Heavy Shot Ayudag-6
Die ursprüngliche Heavy Shot von Gurzuf Defence ist ein kleinerer Quadrokopter (4 Rotoren) mit einer Nutzlast von 10 bis 30 kg, der primär zum Abwurf von Mörsergranaten/Minen oder für leichtere Logistik genutzt wird. Die Ayudag-6 ist eine Weiterentwicklung als Hexakopter (6 Rotoren), die speziell für Schwerstlasten wie Minenlege-Missionen, schwere Munition und insbesondere aeromedizinische Bergungen (MedEvac / CasEvac) konstruiert wurde.
Hersteller warnt vor Risiken bei Luftrettungen
Trotz des erfolgreichen Einsatzes soll die Evakuierung per Flugdrohne nach Einschätzung des Herstellers keine Routine werden. Gurzuf-Defence-Mitgründer Pavlo Feldblium warnte vor den Risiken, denen verwundete Soldaten während eines solchen Transports ausgesetzt seien.
Jeder Einsatz müsse individuell anhand der jeweiligen Lage und des Einsatzortes geplant werden. „Luftrettung ist der letzte Ausweg, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, einen Menschen zu retten“, sagte Feldblium. Nach Angaben des ukrainischen Mediums Ukrajinska Prawda hat die Plattform Heavy Shot Ayudag-6 eine Flugreichweite von bis zu 25 Kilometern und eine Einsatzhöhe von 150 bis 300 Metern. Das Fluggerät wiegt demnach rund 98 Kilogramm und kann eine Nutzlast von 70 bis 90 Kilogramm tragen.
Die Rettungsaktion zeigt damit sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen der neuen Technologie: In einem Gebiet, in dem eine Evakuierung am Boden zu gefährlich war, konnte die Drohne einen verwundeten Soldaten erreichen. Ob und unter welchen Bedingungen sich solche Einsätze wiederholen lassen, muss sich nach Einschätzung des Herstellers jedoch erst zeigen. (Quellen: Kyiv Independent, NBC News, eigene Recherche) (bb)