Ukrainische Drohnenangriffe: Kiew erhöht den Druck auf Russlands Militär und Infrastruktur
Ukrainische Drohnen nähern sich Putins Palast: „Nirgendwo in Russland ist man sicher“
Stand: 18.08.2026, 14:23 Uhr
Kommentare
Ukrainische Drohnen treffen zunehmend Ziele tief im russischen Hinterland. Kiew erhöht den Druck auf Russlands Militär und Infrastruktur.
Moskau/Kiew – Die ukrainischen Drohnen erreichten offenbar ein Gebiet, das bislang als besonders geschützt galt. Nach Angaben der Kyiv Post kamen sie bis auf rund zwei Dutzend Kilometer an den als „Putins Palast“ bekannten Komplex bei Gelendschik an der russischen Schwarzmeerküste heran. Die Anlage selbst wurde demnach nicht getroffen.

Für Aufsehen sorgte anschließend eine ungewöhnlich offene Aussage im russischen Staatsfernsehen. Ein Kommentator räumte in der Talkshow des kremlnahen Moderators Wladimir Solowjow ein, dass die Grenze zwischen dem Krieg in der Ukraine und dem vermeintlich sicheren russischen Hinterland zunehmend verschwimme. „Nirgendwo in Russland ist man sicher“, sagte er.
Drohnenkrieg: Kiew weitet Drohnenangriffe auf russische Ziele systematisch aus
Dass ukrainische Drohnen die Region Gelendschik erreichen können, zeigte sich bereits Anfang August. Am 3. August fielen im rund 50 Kilometer südöstlich von Gelendschik gelegenen Badeort Archipo-Ossipowka nach offiziellen russischen Angaben Trümmer eines unbemannten Fluggeräts auf einen Strand. Der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, meldete zunächst sechs Tote, darunter drei Kinder. Der regionale Krisenstab erhöhte die Zahl später auf sieben Tote und 58 Verletzte. Die Angaben russischer Behörden ließen sich unabhängig nicht überprüfen.
Die ukrainischen Streitkräfte stellen die jüngsten Angriffe in den Zusammenhang mit einer umfassenderen Kampagne gegen russische Energie-, Rüstungs- und Logistikziele. Robert „Madyar“ Brovdi, Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, schrieb auf Telegram: „Der Krieg ist tatsächlich Teil des Alltags in Russlands Hinterland geworden.“ Und weiter: „Unsere Aufgabe ist es, den Schmerz zum Feind zurückzubringen.“
Brovdi veröffentlichte in demselben Telegram-Post folgende Zahlen zu den Einsätzen: Allein seit Anfang August seien demnach 22 Schiffe der russischen Schattenflotte getroffen worden. Die Kampagne „Crimean Switch Off“ habe in nur zwei Wochen 74 Energieknoten ausgeschaltet – in den 45 Tagen davor seien es insgesamt 243 Ziele gewesen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren.
620 Drohnen auf Moskau: Russland meldet schwersten Angriff seit zwei Jahren
Auch Moskau wird zunehmend zum Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Die russische Hauptstadt und ihre umliegende Region sind in der Nacht von Montag auf Dienstag erneut massiv angegriffen worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass bezeichnete die Attacke als die heftigste ihrer Art seit zwei Jahren.
Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, zwischen Montagabend und Dienstagmorgen seien 620 Drohnen auf die Hauptstadtregion zugesteuert. Die meisten seien nach seinen Angaben bereits im Anflug abgefangen worden, weitere 180 Drohnen habe die Luftabwehr im Raum Moskau abgeschossen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Über mögliche Opfer oder Schäden war zunächst nichts bekannt.
Ukraine-Krieg: Britische Drohnen werden Teil von Kiews Angriffen auf russische Ziele
Die ukrainische Strategie geht inzwischen über gezielte Angriffe auf russische Nachschubwege hinaus. Die Schläge reichen zunehmend tief ins russische Hinterland. Dabei erhält Kiew auch Unterstützung aus dem Ausland.
Nach Angaben der Sunday Times setzte die ukrainische Armee bei Angriffen auf militärische und industrielle Ziele in Russland erstmals britische Drohnen ein. Zu den getroffenen Zielen gehörten demnach auch Lager des russischen Onlinehändlers Wildberries. Die Drohnen wurden laut dem Bericht von zwei britischen Unternehmen hergestellt und an die Ukraine geliefert. Eine offizielle Quelle bestätigte der BBC demnach den Einsatz britischer Drohnen.
Russland droht Großbritannien wegen ukrainischer Drohnenangriffe
Moskau reagierte mit scharfen Drohungen gegen London. Die russische Botschaft in Großbritannien erklärte, das Vereinigte Königreich werde sich für seine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine „verantworten“ und dafür einen „Preis“ zahlen müssen. Ein britischer Regierungssprecher wies die Drohungen zurück und kündigte an, die Unterstützung für die Ukraine fortzusetzen.
Kiew hat seine Angriffe auf Ziele im russischen Hinterland in den vergangenen Monaten deutlich verstärkt. Dabei geraten insbesondere Ölraffinerien und Logistikanlagen des größten russischen Onlinehändlers Wildberries ins Visier. Die Schäden gehen nach bisherigen Angaben in die Milliarden und setzen damit auch die russische Kriegswirtschaft unter Druck. (Quellen: Telegram, Kyiv Post, Tass, dpa, Sunday Times, BBC) (jal)