Ulrich Siegmund – das freundliche Gesicht vom radikal rechten Rand
Deutschland
Ulrich Siegmund – das freundliche Gesicht vom radikal rechten Rand
Mit Dauerlächeln und Wohlfühlparolen führt der 35-jährige "Posterboy" die AfD in Sachsen-Anhalt auf die Siegerstraße
Kopf des Tages
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Birgit Baumann
aus Magdeburg
Das "Wir-Gefühl" hat Ulrich Siegmund bei seinen Veranstaltungen im Wahlkampf stets angesprochen. Und es war natürlich auch bis zum Wahltag präsent.
Und dennoch gilt viel Respekt in der AfD dem 35-Jährigen persönlich. Er hatte den Wahlkampf seit Monaten mit vollem Einsatz geführt und sich von Veranstaltung zu Veranstaltung gelächelt.
Schwer ist das Siegmund nicht gefallen, seine Fans standen in langen Schlangen an, um ein Autogramm vom "Uli" zu ergattern. Der strahlte und hatte so viele freundliche Worte für seine Anhängerschaft, dass er bald den Beinamen "Posterboy der AfD bekam" – was auch vom radikalen Programm ablenken sollte.
Statt auf harte Fakten setzte er lieber auf ein gemeinschaftliches Ost-Gefühl. Siegmund selbst hat die DDR nicht mehr erlebt, er wurde drei Wochen nach der deutschen Wiedervereinigung geboren.
Fachmann für Düfte
Aus der kleinen Hansestadt Tangermünde, nördlich von Magdeburg, stammt er. Dort lebt er mit seiner Frau und seiner Tochter. Siegmund ist Groß- und Außenhandelskaufmann, er absolvierte sein Studium (BWL, Wirtschaftspsychologie) an der Fernhochschule Hamburg.
Er führte einst ein Unternehmen, das Raumdüfte anbot. Doch das gehört zu seinem früheren Leben, ebenso wie die CDU-Mitgliedschaft. Politisch steil nach oben ging es für Siegmund erst in der AfD. Der eloquente Siegmund ist seit 2016 im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten, wo er in den ersten Jahren kein besonders auffälliges Dasein führte.
Das änderte sich während der Corona-Pandemie. Da tat sich Siegmund als scharfer Kritiker der Regierungsmaßnahmen hervor und begann seine Präsenz in den sozialen Medien auszubauen.
Als bekannt wurde, dass er 2023 am "Remigrations-Treffen" in Potsdam mit Martin Sellner teilgenommen hatte, verlor er im Landtag den Vorsitz im Sozialausschuss. 2023 wurde die AfD in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz auch als gesichert rechtsextrem eingestuft. Doch weder das Potsdam-Treffen, noch diese Einstufung waren Siegmunds Karriere abträglich. Auch die Affäre um Vetternwirtschaft und die Beschäftigung seines Vaters bei einem Bundestagsabgeordneten perlten an ihm ab.
Welchen Status Siegmund mittlerweile in der Gesamtpartei hat, zeigte sich beim AfD-Bundesparteitag Anfang Juli in Erfurt. Obwohl er dort nicht sprach, bekam er bei Erwähnung seines Namens mehr Applaus als Björn Höcke. (Birgit Baumann aus Magdeburg, 6.9.2026)
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