Umbruch beim Waldeckischen Geschichtsverein

Stand: 27.09.2026, 06:00 Uhr

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Brunnenstraße 48, 46 Bad Wildungen

Das Hefentreger-Haus in der Brunnenstraße: Pfarrer Johann Hefentreger, der vor 500 Jahren die erste evangelische Predigt in Bad Wildungen hielt, hat hier gewohnt. Ein Buch zu dieser Historie veröffentlichte der Geschichtsverein mit dem Titel „Der Waldeckische Reformator Johannes Hefentreger“. © Foto: Marvin Fischer

Der Waldeckische Geschichtsverein kämpft mit sinkenden Mitgliederzahlen und jährlichen Defiziten im fünfstelligen Bereich. Die Mitgliedsbeiträge sollen steigen und die Ortsgruppen eventuell zusammengeführt werden.

Bad Wildungen – Der Waldeckische Geschichtsverein ist im Umbruch. Vorsitzender Dr. Hartmut Wecker sagte in der Jahreshauptversammlung in der Bad Wildunger Wandelhalle, rückläufige Mitgliedszahlen, hoher Altersdurchschnitt und die angespannte finanzielle Situation seien Herausforderungen für die Zukunft. Eine Zusammenlegung der sieben Ortsgruppen auf mutmaßlich nur noch zwei sei im Gespräch.

Geschichtsverein Waldeck und die Reformation: (von links) Pfarrer a.D. Klaus Mombrei hielt einen Vortrag beim Waldeckischen Geschichtsverein, hier zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Dr. Hartmut Wecker.

Pfarrer a.D. Klaus Mombrei (links) hielt einen Vortrag beim Waldeckischen Geschichtsverein, hier zusammen mit dem Vorsitzenden Dr. Hartmut Wecker. © Foto: Waldeckische Geschichtsverein/pr

Wecker: „Der demografische Wandel hinterlässt seine Spuren, eine sich verändernde Einstellung zum Ehrenamt insbesondere bei jungen Menschen, und die Unterbrechung des Vereinslebens durch die Corona-Pandemie, was noch bis heute anhält.“

In der Alten Landesschule in Korbach stellte der Vorsitzende den Geschichtsverein vor und gewann einige Schülerinnen und Schüler zur Mitarbeit an Projekten. Auch die Bezirksgruppe Bad Arolsen pflege eine Kooperation mit der Christian-Rauch-Schule. Dennoch seien weiterhin rückläufige Mitgliederzahlen zu erwarten und kaum ehrenamtliche Unterstützung.

Auch finanziell sehe es um den 1300 Mitglieder zählenden Verein keineswegs rosig aus. In den vergangenen Jahren wurden jeweils Defizite im fünfstelligen Bereich verzeichnet, die aus den Rücklagen ausgeglichen wurden. Schatzmeister Dr. Joachim Richter erläuterte dies. Um die Verluste abzufedern, wurde eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge auf 28 Euro für Einzelmitgliedschaften sowie 30 Euro für Familien beschlossen (bisher 20/23 Euro); jeweils 7 Euro verbleiben den Bezirksvereinen. Sie müssen dieser Erhöhung allerdings noch zustimmen. Gleichzeitig sind Einsparungen beim Druck der Geschichtsblätter, Budgetierung der Publikationszuschüsse, geringere Auflagenhöhe bei Publikationen und Einsparungen bei Personalkosten angedacht.

Dennoch wurden wichtige Buchprojekte unterstützt, wie der Band 12 der Waldecker Historischen Hefte: „Eine Zeitreise zum Kloster und Schloss Aroldessen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit“ von Prof. Dr. Gerhard Aumüller. Auch die Reihe der Ortssippenbücher wurde fortgesetzt und zwar in Orphetal, Ehringen und Schweinsbühl.

Für die Dokumentation des Waldecker Platts wurde der Deutsche Sprachatlas in Marburg zur Kooperation gewonnen. Interessierte aus den Waldecker-Platt-Arbeitsgruppen waren bereits zu Informationsveranstaltungen in Marburg eingeladen. Der Enkel von Karl Heinemann (Diemelstadt) habe zugesagt, dass er die Datenbank zur Erfassung der Dialekte, die er für seinen Großvater entwickelt hat, zur Verfügung stellen will. Die Vorsitzende der Schriftleitung, Dr. Birgit Kümmel, hat ihre Funktion im Geschichtsverein aufgegeben, informierte Wecker. Zum neuen Vorsitzenden wurde Prof. Dr. Jürgen Wolf bestellt. Neu in die Schriftleitung berufen wurde der Direktor des Wolfgang-Bonhage-Museums Korbach, Dr. Arnulf Scriba.

Wecker würdigte die Mitglieder der Schriftleitung sowie die Bibliothekare Dirk Emde und Klaus-Dieter Michel und die Geschäftsstellenleiterin Karin Ritter für ihre Arbeit.

Jürgen Wolf stellte die aktuellen Geschichtsblätter vor und warb um Mitarbeit. Als wichtigstes Druckwerk für 2027 kündigte er die Chronik von Zacharias Wahl an, „ein absolutes Grundlagenwerk der Waldeckischen Geschichte“. Darauf hätten die Geschichtsfreunde 30 Jahre gewartet.

Sebastian Steiner präsentierte die neu gestaltete Homepage. Die Mitglieder drängten darauf, schnell voranzukommen. Seit fast zwei Jahren könne die Seite des der Geschichtsvereins nicht mehr mit Beiträgen und Terminen bestückt werden, hieß es. Die Homepage soll nun spätestens am 20. Oktober online gehen.

Die kurzfristig ausgefallene Ehrung von Dr. Klaus Wendt wird nachgeholt. Er hat eine der größten Privatbibliotheken zur Waldeckischen Geschichte zusammengetragen. Neben Büchern und Dokumenten gehören dazu auch an die 100 Bilder, Karten und Zeichnungen. Die Werke wurden laut Wecker als Vorlass an die Hofbibliothek im Residenzschloss Arolsen abgegeben. Dafür und für sein Engagement im Geschichtsverein soll Wendt zum Ehrenmitglied ernannt werden. Derzeit nehmen Prof. Jürgen Wolf und eine Mitarbeiterin die Titel auf – rund 15.000 bis 20.000 Bände.

Die Bad Wildunger Bezirksgruppe hatte die Jahrestagung organisiert. Zum Rahmenprogramm gehörte eine Altstadtführung unter der Leitung von Karl-Hermann Waid. In der Stadtkirche erläuterte Pfarrerin Andrea Hose-Opfer das Altarbild von Conrad von Soest, und Jutta Brendow führte durch Reinhardshausen unter dem Titel „Vom Kuhdorf zum Kurort“. Die nächste Hauptversammlung findet am 19. September 2027 in Korbach statt. (von Cornelia Höhne)