Wenig Jobs, viel Verbrauch: Debatte um Datenzentren in Beringen
Umstrittene Datenzentren Stromfresser oder Rückgrat der Schweizer Infrastruktur?
In Schaffhausen wird seit einiger Zeit intensiv über Datenzentren gestritten. Nun äussern sich erstmals die Vertreter der beiden Grossanlagen vor der Kamera.
29.08.2026, 06:59
Die Gemeinde Beringen ist zu einem Hotspot in der Debatte über Datenzentren in der Schweiz geworden. Eines ist im Bau, das andere ist über die Bauprofile bereits erkennbar – wenn auch noch nicht bewilligt.
Der Stromverbrauch des ganzen Kantons Schaffhausen könnte mit den neuen Anlagen im Extremfall um 140 Prozent steigen. Hinzu kommt der Wasserverbrauch: Zusammen 85 Millionen Liter pro Jahr – in einer eher regenarmen Region. Immer stärker werden die Anlagen kritisiert.
Wir sind sehr stolz auf das, was wir hier bauen.
Nun rechtfertigen sich die Bauherren. Thomas Diamantidis ist Leiter Strategie und Entwicklung beim Schweizer Ableger der US-Firma Stack Infrastructure. Einen Besuch der Baustelle lehnt er ab und will aus vertraglichen Gründen auch nicht sagen, wer dereinst Daten in Beringen speichert. Dafür gewährt er ein Interview.
Der Bau mache ihn stolz, sagt der Manager aus der Westschweiz. Das Datacenter «ZUR02» in Beringen «gehört zu den effizientesten Anlagen in der Schweiz» bezüglich Strom- und Wasserverbrauch. Auch nutze man ausschliesslich erneuerbare Energie, die auf dem internationalen Strommarkt eingekauft werde.
Diamantidis sagt, in der Schweiz gebe es eine grosse Nachfrage nach Datenzentren. «Sie sind zentral für die digitale Souveränität der Schweiz.» Die Zentren gehörten zum «Rückgrat der Landesinfrastruktur», weil die Daten der Bevölkerung hier gespeichert würden.
Wenig Nutzen für die Gemeinde
Ein Argument, das Eva Neumann nicht gelten lässt. Seit der Erteilung der Baubewilligung 2021 kritisiert die SP-Kantonsrätin die Datenzentren. «Es soll mir niemand sagen, die Zentren seien nachhaltig, bei dem Ressourcenverbrauch.»
Kritikerin der ersten Stunde
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Eva Neumann hat in den letzten Jahren zahlreiche Vorstösse in die die Kantonspolitik eingebracht, die sich um Datenzentren drehen. Sie hat erreicht, dass eine Diskussion stattfindet. Das Energiegesetz wurde bereits für Datenzentren angepasst. Derzeit arbeitet das Schaffhauser Kantonsparlament an weiteren Verschärfungen. Ein Vorstoss des Grünen Maurus Pfalzgraf will auf Wertschöpfung, Abwärme und Kühlwasserverbrauch einwirken. Dahinter stehen auch Politikerinnen und Politiker der FDP und der SVP Schaffhausen.
Die Gemeinde profitiere kaum von den Bauten: «Wenig Arbeitsplätze, dafür viel Flächenverbrauch und Wasserverbrauch», moniert sie.
Nun ist also bereits ein zweites Datacenter geplant. Eine lokale Tochter des türkischen Unternehmens Enka hat Bauprofile ausgesteckt und ein Baugesuch eingereicht. Gian-Rico Willy berät die Bauherren. Man habe bei Umweltschützern, Parteien und Behörden Feedback abgeholt und Anpassungen gemacht. Den Wasserverbrauch relativiert er: «Wir verbrauchen pro Jahr so viel, wie normalerweise in einer Minute den Rheinfall herunterfliesst.»
Für beide Werke gilt, dass sie die Abwärme aus der Kühlung bereitstellen müssen. Doch das Problem in Beringen ist, dass es keine Abnehmer gibt. Ein Fernwärmenetz muss erst entstehen.
Kanton ist gefordert
Das Baudepartement von Regierungsrat Martin Kessler ist zuständig für das Bewilligungsverfahren für Datenzentren. Das erste Rechenzentrum wurde bewilligt – trotz offener Fragen bei der Abwärmenutzung oder der Anzahl von Arbeitsplätzen.
Gegenüber SRF erklärt Kessler: «Wir konnten gar nicht anders, sämtliche Rahmenbedingungen wurden eingehalten. Wir hatten keinen Spielraum.» Wenn man Datenzentren verhindern wolle, müsse das Parlament das Gesetz anpassen.
Tatsächlich ist der Schaffhauser Kantonsrat daran, die Vorgaben für den Bau von Rechenzentren bezüglich Arbeitsplatzdichte, sowie Wasser- und Stromverbrauch klarer zu definieren. Ziel war es, dass das Baugesuch für das zweite Datacenter gemäss den neuen Regeln beurteilt werden kann.
Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Während das Gesuch in Kürze eingereicht werden soll, wird die Gesetzänderung voraussichtlich erst Mitte des nächsten Jahres in Kraft treten.