UN-Generalsekretär: Wer folgt auf António Guterres an der Spitze der Vereinten Nationen?
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In weniger als einem halben Jahr endet die Amtszeit von António Guterres als UN-Generalsekretär. Wer sind die Kandidatinnen für die Nachfolge? Und wie läuft die Wahl ab?
23. Juli 2026, 18:23 Uhr
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52 KommentareIn gut fünf Monaten gibt António Guterres das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen ab, vermutlich an eine Person aus Lateinamerika. Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits – beziehungsweise nach einer Nachfolgerin, denn Guterres empfiehlt dringend die Wahl einer Frau für das höchste UN-Amt. Doch nominiert wurden nicht nur Frauen, und nicht alle Nominierten kommen aus Lateinamerika. Wer steht zur Wahl? Und wie läuft diese ab?
Alle Fragen im Überblick:
Warum wird ein neuer UN-Generalsekretär gesucht?
Am 31. Dezember endet die zweite Amtszeit von António Guterres. Die erste der fünfjährigen Amtszeiten als UN-Generalsekretär trat er Anfang 2017 an. 2021 erklärte der Portugiese sich zu einer zweiten Amtszeit bereit und wurde ohne Gegenkandidaten wiedergewählt.
Eine zweite Wiederwahl ist laut UN-Charta nicht ausgeschlossen, wäre jedoch politisch außergewöhnlich. Die bisherigen Generalsekretäre waren maximal zehn Jahre im Amt.
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Wird wieder ein Mann an der Spitze der UN stehen?
Vor Guterres gab es neun kommissarische oder reguläre Generalsekretäre – und immer war es ein Mann. Zuletzt der Südkoreaner Ban Ki-moon (2007–2016) und davor der Ghanaer Kofi Annan (1997–2006).
Auf diesen Missstand machte auch Annalena Baerbock als Vorsitzende der UN-Generalversammlung aufmerksam: Gemeinsam mit dem Präsidenten des UN-Sicherheitsrats leitete sie im Herbst 2025 den Prozess der Suche nach einem Guterres-Nachfolger – oder eben einer Nachfolgerin – mit einem Brief an die UN-Mitgliedsstaaten ein. Darin schrieb sie, sie »bedauere, dass noch nie eine Frau das Amt der Generalsekretärin bekleidet hat«. Mit Blick auf die Chancengleichheit von Frauen und Männern beim Zugang zu wichtigen Entscheidungspositionen rief sie die Mitgliedsstaaten dazu auf, die Nominierung von Frauen für das Amt in Erwägung zu ziehen.
Diesem Appell schloss sich auch Guterres an. Es sei »eindeutig Zeit für eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen«, sagte Guterres im Januar. »Da habe ich keinen Zweifel.« Und tatsächlich: Vier der sechs inzwischen Nominierten sind Frauen.
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Was sind die Kriterien für eine Kandidatur als UN-Generalsekretär?
Grundsätzlich steht die Kandidatur allen offen – allerdings muss die Kandidatin oder der Kandidat von einem UN-Mitgliedsstaat offiziell nominiert werden. Zudem rotiert das Amt traditionell zwischen verschiedenen Weltregionen. Folgt man diesem Vorgehen, wäre nun eine Person aus Lateinamerika an der Reihe. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine festgeschriebene Regel.
Die Nominierten sind dazu aufgerufen, sich den Mitgliedsstaaten vorzustellen. Dafür stellen sie einen Lebenslauf zur Verfügung, machen Angaben zu ihrer Wahlkampffinanzierung und präsentieren insbesondere ein sogenanntes vision statement – eine Art Leitbild für ihre Kandidatur. All diese Informationen sind öffentlich zugänglich.
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Wer sind die Kandidatinnen und Kandidaten für das höchste UN-Amt?
- Michelle Bachelet Jeria war ab 2006 die erste Präsidentin Chiles und hat schon in verschiedenen Funktionen für die Vereinten Nationen gearbeitet. Nominiert wurde die 74-Jährige zunächst gemeinsam von Chile, Brasilien und Mexiko. Nachdem es in Chile einen Regierungswechsel gab, zog ihr Heimatland unter dem rechtspolitischen Präsidenten José Antonio Kast die Unterstützung jedoch wieder zurück.
- María Fernanda Espinosa Garcés aus Ecuador war von 2018 bis 2019 Präsidentin der UN-Generalversammlung. Zuvor leitete sie verschiedene Ministerien in Ecuador und war Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Nominiert wurde die 61-Jährige von dem Karibikstaat Antigua und Barbuda.
- Rafael Grossi stammt aus Argentinien. Der 65-Jährige hat eine lange diplomatische Karriere hinter sich, ist jedoch vor allem für seinen Posten als Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) bekannt, den er seit 2019 innehat. Grossi wurde von seinem Heimatland Argentinien für das Amt des UN-Generalsekretärs nominiert.
- Rebeca Grynspan war Vizepräsidentin Costa Ricas. In den Vereinten Nationen hatte die 70-Jährige unter anderem den Posten als Generalsekretärin der UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) sowie als stellvertretende Administratorin des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) inne. Zuvor war sie Chefin des Iberoamerikanischen Generalsekretariats. Nominiert wurde sie von ihrem Heimatland Costa Rica.
- Carolyn Rodrigues Birkett ist mit 52 Jahren die jüngste der Kandidatinnen. Sie wurde von ihrem südamerikanischen Heimatland Guyana nominiert. Dort war sie von 2001 bis 2015 an der Spitze verschiedener Ministerien – darunter das Außenministerium –, bis sie in die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wechselte. Seit 2020 ist sie Guyanas ständige Vertreterin bei den Vereinten Nationen.
- Macky Sall war von 2012 bis 2024 Präsident des Senegal. Seine Kandidatur als UN-Generalsekretär sorgte für Aufsehen, da Sall nicht vom Senegal nominiert wurde, sondern von Burundi, einem der kleinsten Länder Afrikas. Mehrere Länder der Afrikanischen Union zeigten sich von der Kandidatur des 64-Jährigen überrascht, darunter sein Heimatland. Inzwischen äußerte jedoch auch Salls Amtsnachfolger, der senegalesische Präsident Bassirou Diomaye Faye, öffentlich seine Unterstützung.
- Zu den Nominierten gehörte zwischenzeitlich auch die Argentinierin Virginia Gamba, nominiert wurde sie zunächst von den Malediven. Auch die 72-Jährige hatte bereits mehrere wichtige UN-Ämter inne, zuletzt unter anderem als Sonderbeauftragte für Kinder und bewaffnete Konflikte. Im März 2026 zogen die Malediven die Nominierung jedoch zurück – Gamba steht somit nicht zur Wahl.
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Wie wird die Generalsekretärin der Vereinten Nationen gewählt?
Offiziell begonnen hat der Auswahlprozess Ende November mit einem Brief von Baerbock und dem Vorsitzenden des UN-Sicherheitsrats – zum damaligen Zeitpunkt der UN-Botschafter von Sierra Leone, Michael Imran Kanu – an die Mitgliedsstaaten. Seitdem durften Nominierungen offiziell eingereicht werden, konnten jedoch auch wieder zurückgezogen werden.
Zwischen April und Juni gab es mit allen Kandidatinnen und Kandidaten Vorstellungs- und Dialogrunden, die live übertragen wurden. Am heutigen Donnerstag findet zudem im Plenarsaal eine Veranstaltung mit allen Nominierten statt – eine sogenannte Town Hall, zu der Vertreter der Vereinten Nationen, der Mitgliedsstaaten sowie der Zivilgesellschaft eingeladen sind. Baerbock sprach in ihrer Einladung von einem »wichtigen Meilenstein bei der Auswahl und Ernennung des nächsten Generalsekretärs«.
Im Anschluss berät mit dem UN-Sicherheitsrat das für die Wahl wichtigste Gremium und einigt sich auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten – mit mindestens neun Stimmen der 15 Mitglieder. Die fünf ständigen Mitglieder können Kandidaten mit einem Veto verhindern.
Nach der Einigung im Sicherheitsrat wird die Kandidatin oder der Kandidat in der UN-Generalversammlung offiziell per Abstimmung bestätigt. Bislang galt dieser Schritt als Formsache. Mit einem Ergebnis wird bis etwa Herbstbeginn gerechnet.
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Gibt es Kritik am Auswahlprozess?
In der Vergangenheit wurde häufig bemängelt, der Prozess sei zu intransparent. Daraufhin wurden die Vorstellungs- und Dialogrunden eingeführt sowie die Veröffentlichung von Lebenslauf, Finanzen und Vision.
Dennoch bleibt einer der wichtigsten Kritikpunkte bestehen: Entschieden wird über die Personalie letztlich hinter verschlossenen Türen vom Sicherheitsrat mit den fünf mächtigen Vetonationen USA, Russland, Frankreich, China und Großbritannien. Das lasse den Großteil der Mitgliedsstaaten außen vor, kritisieren UN-Beobachter. Der frühere Amtsinhaber Ban schlug kürzlich etwa vor, dem UN-Generalsekretär künftig nur noch eine Amtszeit zu gewähren, dafür jedoch eine siebenjährige. Damit sei man unabhängiger von den Vetomächten, die auch bei der Entscheidung über eine zweite Amtszeit das Sagen haben.
Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
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