Donald Trump will KI umbenennen: Absage an Regulierung
US-Präsident Donald Trump ist gerne als Täufer unterwegs. Aus dem Golf von Mexiko machte er den „Golf von Amerika“, aus dem Lake Ontario den „Lake America“, aus dem Department of Defense wurde das „Department of War“ – nun nimmt sich Trump gleich eine ganze Technologie vor: Künstliche Intelligenz.
Artificial Intelligence soll künftig „Super Intelligence“ heißen, verkündete Trump am Dienstag vor der UN-Generalversammlung in New York – eine Inspiration, die unmittelbare Konsequenzen haben soll.
In allen offiziellen US-Dokumenten werde „AI“ jetzt durch „SI“ ersetzt, erklärte der Präsident. Denn das Wort „artificial“ lasse die Technologie „fake“, also unecht, klingen. „Super“ sei dagegen viel präziser: Deshalb soll die ganze Welt gleich den Namen übernehmen: „Welcome to the new world of Super Intelligence“.
Ob ChatGPT-Mutter OpenAI gleich folgt und sich jetzt auch in OpenSI umbenennt? Wohl kaum.
Trump will keine KI-Kontrollbehörde
Mit seiner neuesten Wortschöpfung geht es Trump aber freilich auch nicht um einen vermeintlich treffenderen Namen für die Technologie. Vielmehr will er vor den rund 130 Staats- und Regierungschefs demonstrieren, wie wenig ernst er die Rufe nach mehr Regulierung nimmt.
Ich werde das Wachstum einer Technologie, die größer sein wird als die industrielle Revolution, nicht abwürgen Donald TrumpUS-Präsident
Schon vor seinem Auftritt in New York hatte er Warnungen vor einer unkontrollierbaren KI als „Hoax“ abgetan. Auch am Dienstag zog er wieder Parallelen zum Klimawandel, der aus seiner Sicht eine ebenso absurde Erfindung ist. Er jedenfalls werde nicht auf die Bremse treten und die Entwicklung von KI ausbremsen, erklärte Trump. Im Gegenteil.
„Ich werde das Wachstum einer Technologie, die größer sein wird als die industrielle Revolution, nicht abwürgen“, erklärte der US-Präsident. Von einem internationalen Kontrollgremium, etwa nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), will er nichts wissen.

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„Die Vereinigten Staaten lehnen jeden Versuch entschieden ab, ein globalistisches Kontrollsystem für Künstliche Intelligenz zu errichten“, sagte Trump – denn er fürchtet, dass die USA ansonsten ihre führende Rolle im Technologiewettlauf verlieren könnten: „Wir liegen derzeit deutlich vor China und allen anderen – und ich werde dafür sorgen, dass das so bleibt.“
Die Umbenennung ist absurde Symbolpolitik
Trumps Finanzminister Scott Bessent hatte bereits am Montag mit Chinas Vizepremier He Lifeng einen Austausch zur Sicherheit der Technologie vereinbart – da war noch von „AI“ die Rede. Und das dürfte wohl auch künftig so bleiben. Die Chinesen dürften Trumps Wortkreation kaum übernehmen – warum auch, wenn selbst das Weiße Haus auf seiner Website weiter von Artificial Intelligence spricht.
Die Umetikettierung ist damit vor allem eines: absurde Symbolpolitik. Dabei werden die Forderungen nach einer Regulierung auch in der Industrie immer lauter.

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Erst gut einer Woche hatten die Chefs führender KI-Unternehmen eine stärkere Regulierung gefordert: Anthropic-Chef Dario Amodei, OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk (Tesla, X, SpaceX) hatten sich in seltener Geschlossenheit dafür ausgesprochen, das Entwicklungstempo zu drosseln, nachdem es zu mehreren Sicherheitsvorfällen kam. KI-Agenten waren aus ihren Systemen ausgebrochen und hatten andere System attackiert. Der frühere Anthropic-Forscher Jacob Coxon warnt vor heftigen Folgen: KI könne die Menschheit auslöschen, so der Tech-Experte.
Am Dienstag hatte deshalb auch UN-Generalsekretär António Guterres für eine stärkere Kontrolle von KI geworben: „Killerroboter dürfen keinen Platz in unserer Zukunft haben“, sagte Guterres. Zwar könne KI Bereiche wie Medizin, Wissenschaft und Entwicklung voranbringen. Die Gefahr liege jedoch in fehlender Aufsicht und intransparenten Entscheidungen – in einer Technologie „ohne Verantwortlichkeit“.

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Guterres richtete sich dabei ganz konkret an die USA und China. Als Spitzenreiter bei der KI-Entwicklung hätten sie die „größte Verantwortung gegenüber der Menschheit“ und sollten daher „Kanäle für Dialog, Transparenz, Vertrauen und Zusammenarbeit“ einrichten.
Doch mehr als unverbindliche Bekenntnisse sind beim Gipfeltreffen zwischen Xi und Trump kaum zu erwarten. An verbindlichen Regeln oder Zugeständnissen an die USA hat auch China kein Interesse, das mit günstigen und leistungsstarken KI-Modellen seinen globalen Einfluss massiv ausbaut – und nimmt dabei zunehmend auch den deutschen Markt ins Visier.
Mit diesem Selbstlob will Trump überzeugen
Trump sieht die USA freilich nicht nur in der KI als führend an. Seine UN-Rede nutze er deshalb für Selbstlob über die vermeintlich prosperierende US-Wirtschaft. Kurz vor den Midterms am 3. November richtete er sich damit offensichtlich weniger an die Staats- und Regierungschefs als vielmehr an die heimische Wählerschaft: „Vor zwei Jahren war unser Land tot, jetzt haben wir das heißeste Land der Welt“, versicherte er.

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Zum ersten Mal seit Sommer 2023 hat die Fed den Leitzins angehoben. US-Notenbank-Chef Kevin Warsh gerät damit auf Konfrontationskurs zu Donald Trump.
Doch auch mit Blick auf den Iran-Krieg versuchte Trump, für seine Strategie zu werben. Er gehe davon aus, dass das Abkommen mit dem Mullah-Regime nach den Zwischenwahlen stehen werde – zugleich drohte Trump, dass er die gesamte Islamische Republik „vernichten“ könne.
Tatsächlich gab es am Rande der UN-Vollversammlung immerhin Gespräche zwischen Irans Präsident Massud Peseschkian und Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Trump sprach von einem „sehr guten“ Verlauf, ohne Details zu nennen.
In den USA verlieren inzwischen aber selbst seine Anhänger die Geduld. Die Zustimmung unter den Republikanern ist binnen einer Woche von 82 auf 73 Prozent abgesackt, wie eine aktuelle Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos zeigt.
Unter den Amerikanern wächst
laut einer Umfrage von Public Firstauch die Sorge vor den Folgen der KI. Insgesamt sehen rund zwei Drittel der Amerikaner zumindest ein „moderates“ Risiko, dass fortgeschrittene KI die Menschheit auslöschen könnte.
Super Intelligence? Mit einer Umbenennung lassen sich die Sorgen freilich nicht erledigen.