Uni Siegen prüft 17 Jahre alte Dissertation: Plagiatsvorwurf gegen Zweibrücker Professor

Uni Siegen prüft 17 Jahre alte Dissertation Plagiatsvorwurf gegen Zweibrücker Professor

Zweibrücken · Gegen den Zweibrücker Hochschullehrer Professor Dr. Thomas Söbbing gibt es Plagiatsvorwürfe. Die Universität Siegen, an der er vor 17 Jahren promovierte, prüft nun seine Doktorarbeit. Söbbing spricht von kleineren handwerklichen Fehlern und sieht eine Diffamierung seiner Person.

12.09.2026 , 01:34 Uhr

Das Foto zeigt die Definition des Wortes „Plagiat“ in einem Wörterbuch. Bezeichnet wird damit der Diebstahl geistigen Eigentums.

Foto: dpa/Stephan Jansen

Der an der Zweibrücker Hochschule lehrende Professor Dr. Thomas Söbbing sieht sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Die Plattform „VroniPlag Wiki“ sieht auf 68 der 261 Seiten von Söbbings Doktorarbeit Plagiatsfundstellen.

Die Universität in Siegen, an der Söbbing vor 17 Jahren seine Doktorarbeit schrieb, erklärt auf Anfrage des Pfälzischen Merkur, dass die Hochschule die Vorwürfe prüfe. Professor Söbbing sagt auf unsere Anfrage, er sieht eine Diffamierung seiner Person.

„VroniPlag Wiki“ ist eine Plattform, die wissenschaftliche Arbeiten, vor allem Doktorarbeiten, durchleuchtet, um zu prüfen, ob sie der geistigen Arbeit des Verfassers zuzurechnen ist – oder, ob abgekupfert wurde.

In der 261 Seiten umfassenden Doktorarbeit von Thomas Söbbing aus dem Jahr 2009 (Titel: „Warum scheitern Vertragsverhandlungen? Ein politischer und ökonomisch-juristischer Vergleich“) macht „VroniPlag Wiki“, Stand 11. September, auf 68 Seiten „Fundstellen“ aus – auf diesen Seiten seien Plagiatsstellen gefunden worden (zu den Details siehe „Info“).

Der Pfälzische Merkur bat Professor Dr. Thomas Söbbing um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Im Gespräch mit unserer Zeitung weist er die Anschuldigungen entschieden zurück und spricht von einer Diffamierung seiner Person.

Söbbing sagt: „In meinem Urlaub bin ich auf diese Vorwürfe aufmerksam geworden. Ich habe mich gefragt: ,Was ist denn jetzt los?‘ Ich sehe hier eine Kampagne gegen mich.“ Es sei richtig, dass „VroniPlag Wiki“ auf 68 Seiten Plagiatstellen anprangere. Und dass auf der Internetseite von „VroniPlag Wiki“ davon die Rede ist, dass die gefunden Stellen „einem Anteil von 26.1 % aller Seiten“ seiner Dissertation entsprächen.

„Bei diesen 26,1 Prozent handelt es sich um eine Seitenquote – nicht um eine Textquote“, hebt der Professor hervor.

„Das bedeutet nicht etwa, dass 26,1 Prozent der Seiten meiner Arbeit fake wären“, so Söbbing. Lediglich auf 26,1 Prozent der Seiten werde eine bestimmte Stelle angeprangert. „Dabei kann es sich um fehlende Anführungszeichen oder eine kursive Schreibweise handeln“, sagt der Hochschullehrer. Auf 50 Seiten gehe es um solche Fragen; Söbbing sagt, er stelle sich bei einigen kritisierten Stellen die Frage, inwiefern hier Haarspalterei betrieben werde.

Seine Dissertation habe er vor 17 Jahren geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt habe es noch keine Normierungen gegeben, wie ein Zitat als solches zu kennzeichnen und hervorzuheben sei.

Söbbing, der gebürtiger Westfale ist, seit April 2021 an der Hochschule auf dem Kreuzberg lehrt und dort eine Professur für „Zivil- und Digitales Recht mit dem Schwerpunkt Rechtsethik Künstlicher Intelligenz“ innehat, will nicht ausschließen, dass vereinzelte Stellen in seiner Arbeit aus heutiger Sicht diskutabel sind. „Ich bin kein Mensch, der fehlerfrei ist. Aber ein Plagiat: Das heißt, etwas zu kopieren. Meine Doktorarbeit behandelte ein Thema, das so zuvor noch nicht behandelt worden ist. Hier konnte ich gar nicht plagiieren“, argumentiert er.

Wichtig ist ihm auch: „VroniPlag Wiki – das sind keine Richter“. Sie könnten Stellen in seiner Dissertation kritisieren. Aber das Urteil obliege im Falle einer Prüfung der Uni Siegen, an der er seine Doktorarbeit geschrieben habe. Söbbing sieht „eine Diffamierung“ seiner Person. „Ich habe auch einen Verdacht, wer hinter dem Versuch, mir zu schaden, stehen könnte“, sagt er. Einer möglichen Überprüfung seiner Arbeit durch die Universität Siegen sehe er gelassen entgegen.

Die Universität Siegen erklärt auf unsere Anfrage, „ein entsprechender Hinweis“ auf ein mögliches Plagiat von Thomas Söbbing sei an der Universität eingegangen. „Die Universität geht jedem konkreten Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten ihrer jetzigen oder ehemaligen Angehörigen nach, soweit die betreffenden Arbeiten und Leistungen an der Universität Siegen erbracht wurden. Die zuständigen Stellen der Universität sind mit dem Vorgang befasst.“

Nun gilt es also, das Fazit der Prüfung der Uni Siegen abzuwarten. Eine solche Prüfung kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.