Ein Sieg der Widersprüche

Analyse Unions Auftaktniederlage gegen Bayern München

Ein Sieg der Widersprüche

Eine enttäuschte Leela Egli von Union Berlin im Spiel gegen Bayern München (imago images/O.Behrendt)
Eine enttäuschte Leela Egli von Union Berlin im Spiel gegen Bayern München (imago images/O.Behrendt)
  • Union Berlins Spielerinnen verlieren zum Saisonauftakt mit 1:4 gegen Bayern München
  • Trotz der Niederlage überzeugte die Mannschaft über weite Strecken der Partie
  • Vor allem die Neuzugänge heben das Niveau der Mannschaft an

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Es war ein wirklich merkwürdiges Spiel, dass die Spielerinnen des 1. FC Union Berlin und des FC Bayern München da als Saisonauftakt in die neue Bundesliga-Saison stellten. Merkwürdig deshalb, weil es ein Spiel der Widersprüche war. Mit 4:1 gewannen die Münchnerinnen, die in den vergangenen vier Jahren vier Mal deutscher Meister geworden waren und damit also scheinbar einfach nur ihrer Favoritenrolle gerecht wurden. Der Widerspruch nun liegt darin, dass der Sieg als unbedingt gerechtfertigt angesehen werden muss und doch viel zu hoch ausfiel. Und noch so ein Widerspruch: Union machte es richtig gut. Und doch auch nicht. Denn auch in dieser Saison hat ein Spiel eben 90 Minuten und nicht nur 75.

Eine Viertelstunde voller Fragezeichen

Man wird die kommenden Wochen abwarten müssen, um zu sehen, was diese 15 Minuten zu Beginn der zweiten Halbzeit, in der die Bayern den Unionerinnen im Gegensatz zum Rest der Partie deutlich überlegen waren und das zweite und dritte Tor erzielten, zu bedeuten haben. Haben die Münchnerinnen in dieser Phase des Spiels einfach nur ernst gemacht? Oder ereilte die Berlinerinnen in dieser Viertelstunde ein einmaliger, kollektiver Systemausfall? Als das Pressing plötzlich ins Leere lief und sich im Spielaufbau Fehlpass an Fehlpass reihte.

Zwar lag Union bereits zur Halbzeit mit 0:1 zurück. Das allerdings trotz der besseren Chancen. Vor allem Eileen Campbells Chance in der siebten Minute hätte eigentlich ein Tor sein müssen. Schon in der Vorsaison kam die Österreicherin vor allem durch ihre Schnelligkeit immer wieder zu guten Möglichkeiten, die sie allerdings viel zu selten nutzte. Stattdessen traf Bayerns Klara Bühl mit der einzig nennenswerten Chance der Gäste in der ersten Halbzeit und das mit einem Traumfreistoß.

Lisanne Gräwe sticht positiv heraus

Fehlende Effizienz könnte also eine Berliner Erkenntnis aus dieser Auftaktniederlage sein. Ob dies eine Qualitätsfrage ist oder dem Gegner geschuldet war, wird sich zeigen müssen. Sicher immerhin ist, dass die vier Neuzugänge in der Startelf für eine gehobene Qualität zu sorgen scheinen. Lisanne Gräwe im zentralen Mittelfeld brachte 44 ihrer 45 Pässe zur Mitspielerin und zeigte die insgesamt stärkste Leistung aller Unionerinnen. Aber auch Nebenfrau Jella Veit und Rechtsverteidigerin Jill Janssens hoben das Niveau Unions spürbar an. Einzig Flügelspielerin Leela Egli fiel innerhalb dieses Quartetts ein wenig ab. Die Ansätze, vor allem im Dribbling, waren sichtbar, allein es fehlte ihr an der letzten Präzision und Entscheidungsfindung.

Statistisch eng beieinander

Weil Fußball aber bekanntlich und besonders bei Union Berlin ein Mannschaftssport ist, war es insbesondere das Kollektiv, das über weite Strecken der Partie überzeugte. Mit hohem Anlaufen gegen so spielstarke Bayern. Aber auch mit Mut bei eigenem Ballbesitz. Auf 43 Prozent davon kam Union im Laufe des Spiels. Ein Wert, den nicht viele Bundesliga-Teams gegen die Münchnerinnen vorweisen können. Auch der xG-Wert, also der Wert für die wahrscheinliche Anzahl der zu erzielenden Treffer, lag mit 0,76 nur knapp unter den 1,04 der Bayern. Die zugleich auch bedeuten, wie effektiv die Gäste an diesem Abend angesichts ihrer vier Treffer waren.

"Grundsätzlich geht der Sieg für die Bayern natürlich in Ordnung. Natürlich sind wir dennoch enttäuscht, weil es das eine oder andere Gegentor zu viel war. Wir hatten gute Phasen im Spiel und es hat sich nicht so deutlich angefühlt, wie es das Resultat jetzt aussagt", wurde Unions Trainerin Marie-Louise Eta nach der Partie auf der Vereins-Homepage [fc-union-berlin-de] zitiert. Wie gesagt: ein merkwürdiges Spiel.

Sendung: rbb|24, 22.08.2026, 08:00 Uhr

Audio: rbb|24, 22.08.2026, Tabea Kunze

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