Unliebsame Konkurrenz aus China mit EU-Geld finanziert – „Im Grunde ist das ein Skandal“

Stand: 23.09.2026, 06:30 Uhr

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Martin Herrenknecht

Martin Herrenknecht auf der Baustelle für die 2. Stammstrecke nahe der Donnersbergerbrücke. © Bodmer

Konzernchef Martin Herrenknecht spricht im Interview über unliebsame chinesische Konkurrenz für seine Tunnelbohrmaschinen. Für den deutschen Verkehrsminister hat er einen Rat: „Wenn wir Deutschland nach vorne bringen wollen, müssen wir mehr Infrastruktur machen.“

München – München bohrt: Seit vergangener Woche ist die erste Tunnelbohrmaschine mit dem Namen „Donna Maria“ für die zweite Stammstrecke in Betrieb. Die ersten zehn Meter sind auch schon ausgefräst, nach und nach soll es schneller gehen. Hergestellt wurde das 700 Tonnen schwere Bohrgerät von der Herrenknecht AG. Der Weltmarktführer aus dem baden-württembergischen Schwanau wird immer noch von Vorstandschef Martin Herrenknecht (84) geführt, der als sperrige Unternehmerpersönlichkeit gilt („kantig wie seine Bohrköpfe“, schrieb eine Zeitung). Er nimmt auch im Interview kein Blatt vor den Mund.

Herr Herrenknecht, für Sie ist die erste Tunnelbohrmaschine für die Münchner Stammstrecke wahrscheinlich ein kleineres Projekt, oder?

Nein, die Tragweite der Münchner Stammstrecke ist uns schon bewusst. Es ist ein Prestigeprojekt, in Deutschland gibt es nicht viel Vergleichbares. Wenn wir unsere Maschinen im Ausland verkaufen wollen, brauchen wir auch solche Projekte in Deutschland. Über die Stammstrecke in München wird ja schon lange geredet, jetzt wird sie endlich realisiert. Und es interessiert offenbar auch die Bevölkerung. Beim Tag der offenen Baustelle haben ja über 15.000 Besucher die Tunnelbohrmaschine Donna Maria angeschaut.

Ist das ein Beispiel, dass auch etwas gelingt in Deutschland?

So sehe ich das. Wenn wir Deutschland nach vorne bringen wollen, müssen wir mehr Infrastruktur machen. Wir sollten nicht nur über Reformen diskutieren, sondern wir benötigen Infrastrukturprojekte. Derjenige, der die beste Infrastruktur hat, der gewinnt die Zukunft. Die Schweiz und Singapur sind da Vorbild, und vielleicht kommt ja jetzt in Deutschland auch etwas ins Laufen.

Ist das auch ein Mittel gegen die verbreitete Einstellung, dass Deutschland nichts mehr kann, ist es ein Mittel gegen die AfD?

Das ist doch klar. Wir müssen die Leute mitnehmen, damit sie sehen, dass was nach vorne geht in Deutschland. Ich bin öfters in Indien oder Vietnam, das ist erstaunlich, wie dort die Post abgeht. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden.

Auch bei den Tunnelbohrmaschinen droht Konkurrenz aus China. Beim Bau des Brenner-Südzulaufs werden auch chinesische Maschinen verwendet. Ärgert Sie das?

Im Grunde genommen ist das ein Skandal. Das Projekt wird von der EU mitfinanziert, und damit wandert indirekt deutsches Steuergeld nach China. Italien bekommt zudem erhebliche EU-Mittel für Infrastrukturprojekte. Wir selber haben eine Fertigung in Guangzhou, verlagern aber zunehmend Kapazitäten nach Indien. China ist für uns ein zunehmend schwieriges Pflaster. Zuletzt wurden drei unserer Maschinen für ein Projekt in Indien monatelang von den chinesischen Behörden blockiert und erst nach Intervention auf höchster politischer Ebene freigegeben. Die Löhne sind ein weiteres Problem: In China kostet ein Mechaniker pro Stunde zwölf Euro, hier 50 Euro. EU-Geld nur für europäische Fertigung, das muss das Credo sein