„Unser schönes Dorf wird zerstört“: Wie Touristenmassen ein Cotswolds-Dorf an die Grenze bringen
„Unser schönes Dorf wird zerstört“: Touristenansturm bringt Ort ans Limit
Stand: 27.07.2026, 13:38 Uhr
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Anwohner sehen Bourton-on-the-Water durch Tagesausflügler und Social Media überfordert. Die Berichte über Müll und Regelverstöße wiegen schwer.
Bourton-on-the-Water – Der Gloucestershire County Council hat eine Konsultation zum Verkehr und Parken in Bourton-on-the-Water gestartet. Der Rat erklärte, man wolle die Erfahrungen der Einwohner einbeziehen, um „die richtigen Lösungen zu entwickeln, damit alle dieses historisch bedeutende Dorf weiterhin genießen können“, berichtete The Independent.
Die zuständigen Behörden baten um Rückmeldungen zu verschiedenen Anliegen, darunter die Fußgängersicherheit auf der High Street sowie der Verkehrsfluss. Die Einwohner betonten, dass die Maßnahmen dringend notwendig seien, um den Anstieg der Tagesausflügler und die durch soziale Medien verstärkten Besucherzahlen zu bewältigen, die ihrer Ansicht nach das Dorf überfordern.
Kurzzeitbesucher im Visier
Lokale Aktivisten beschrieben eine grundlegende Veränderung in der Art und Weise, wie Besucher nach Bourton-on-the-Water kommen. Es gebe vermehrt Kurzzeitbesucher, die mit dem Auto oder Reisebussen anreisen, Picknicks mitbringen und nur wenig Geld ausgeben. Diese Entwicklung führen sie auf bildgetriebene Online-Werbung und Bezüge zu Prominenten zurück, wobei sie auch mutmaßliche Zusammenhänge mit „Clarkson’s Farm“ nennen.
Sie schätzen Tagesspitzen von 5.000 bis 10.000 Personen bei einer Einwohnerzahl von 4.000. Berichte sprechen von Vermüllung, öffentlichem Urinieren in Hecken und sogar dem Herausbrechen von Teilen aus Mauern aus Cotswold-Stein. Zudem wird die Schließung des Reisebusparkplatzes kritisiert, ebenso wie das Durchfahren von Reisebussen in Wohnstraßen.
Tourismus nicht nachhaltig
Eine Einwohnerumfrage ergab, dass mehr als 90 Prozent der Befragten das aktuelle Tourismusniveau als nicht nachhaltig einschätzten. Zudem empfanden 94,6 Prozent die Zahl der Besucher als übermäßig. Aktivisten forderten Maßnahmen gegen Reisebusse, die ihrer Ansicht nach gegen Verkehrsregeln verstießen, sowie einen grundlegenden Respekt der Besucher für den Ort, den sie aufsuchten. Ein Organisator erklärte: „Es ist nicht mehr das schöne Dorf, für das die Leute es halten – es ist eher ‚Blackpool-on-the-Water‘“, zitierte ihn The Independent.
Touristen aus aller Welt
Die von Einwohnern beschriebene Enge zeigte sich auch bei einer Beobachtung vor Ort an einem Wochentag: Das Dorf zieht Menschen aus aller Welt an und verzeichnet bis zu 300.000 Touristen pro Jahr. Selbst an einem Mittwochmorgen Anfang Juli, vor Beginn der Schulferien, war der Parkplatz bis 10.30 Uhr gut gefüllt, berichtete ein Journalist.
Ein Reisebus entlud Besucher, während weitere Busse sich einreihten, um Menschen zwischen verschiedenen Haltestellen der Cotswolds zu befördern. Die Rasenflächen entlang des Flusses Windrush füllten sich mit Picknickern und Paddlern. Unabhängige Boutiquen, Pubs und Teestuben waren stark besucht von Menschen, die Fotos machten und die High Street entlangschlenderten, berichtete das Liverpool Echo.
Maßnahmen gegen den Overtourism
Der Zustrom von Besuchern ist Teil eines breiteren Phänomens des Overtourism, bei dem Enge und geringe Pro-Kopf-Ausgaben die Lebensqualität vor Ort beeinträchtigen können, obwohl der Tourismus weiterhin eine wichtige wirtschaftliche Chance darstellt.
Während andere Reiseziele Instrumente zur Abwägung von Nutzen und Kosten des Besucheraufkommens prüfen, führte Edinburgh am 24. Juli eine Übernachtungssteuer in Höhe von fünf Prozent ein. Mit dieser Maßnahme sollen die Einnahmen wieder in die Stadt reinvestiert werden.
„Die Besucherzahlen in Edinburgh sind gestiegen und verteilen sich nicht mehr nur auf die Sommermonate. Es entstehen zwangsläufig höhere Kosten, um die Stadt auf dem erforderlichen hohen Standard zu erhalten. Daher erscheint es fair, dass auch die Besucher einen Beitrag leisten“, erklärte Jane Meagher, Vorsitzende des City of Edinburgh Council gegenüber der BBC. (Redaktion)