Unterstützung des Klinikums Saarbrücken: „Ohne Ommersheim kein Känguruh-Verein“: 30 Jahre Hilfe für Frühchen
Unterstützung des Klinikums Saarbrücken „Ohne Ommersheim kein Känguruh-Verein“: 30 Jahre Hilfe für Frühchen
Ommersheim · Zwölf Wochen zu früh kamen die Zwillinge von Sylvia Huy zur Welt. Aus ihren Erfahrungen entstand 1996 der Verein Känguruh Kinder. Bis heute hat er rund eine Million Euro gesammelt.
29.09.2026 , 23:00 Uhr
Dr. Marie-Claire Detemple (links) vom Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg würdigte die Arbeit, die Sylvia Huy (rechts) mit ihrem Förderverein für die Frühchenstation des Krankenhauses leistet.
Foto: Christine Funk
Wenn in Ommersheim gefeiert wird, zeigt sich, was eine Dorfgemeinschaft bewegen kann. Beim 30-jährigen Bestehen des Vereins Känguruh Kinder am Sonntag in der Saarpfalz-Halle wurde das besonders deutlich: Vertreter zahlreicher Vereine überreichten der Vorsitzenden Sylvia Huy ihre Spenden. „Ohne Ommersheim kein Känguruh-Verein“, sagte Huy.
Unterstützung für Frühgeborene auf dem Winterberg
30 Jahre nach der Gründung ist der Förderverein zu einer wichtigen Unterstützung für die Frühgeborenenstation des Klinikums Saarbrücken geworden. Er hilft dort, wo die Ausstattung über die medizinische Grundversorgung hinausgeht – etwa mit Känguruh-Sesseln, Lagerungshilfen, Frühchenkleidung, speziellen Geräten oder einer entwicklungsfördernden Gestaltung der Station. Im Mittelpunkt steht die sogenannte Känguruh-Methode: Frühgeborene liegen dabei direkt auf der Brust ihrer Mutter oder ihres Vaters. Wärme, Hautkontakt und der vertraute Herzschlag sollen den Kindern Geborgenheit vermitteln.
Sylvia Huy nahm dankbar von Gunther Degel und Michael Brill (von links) den Spendenscheck des Oberwürzbacher Vereins „Knipser“ entgegen.
Foto: Christine Funk
Hinter dem Engagement von Sylvia Huy steht ihre Lebensgeschichte. Sie und ihr Mann Karl-Werner bekamen Ende 1993 Zwillinge, die zwölf Wochen zu früh geboren wurden. Felix starb nach fünfeinhalb Monaten im Krankenhaus, seine Schwester Kyra wurde 26 Monate alt.
Die „Bayrische Blaskapelle“ des Musikvereins Ommersheim steuerte zünftige Melodien zur Feier bei.
Foto: Christine Funk
Während der langen Zeit auf der Frühgeborenenstation lernten die Eltern die Känguruh-Methode kennen. Dabei erfuhren sie, wie wichtig geeignete Liegen und eine kindgerechte Umgebung für die Familien sind. Aus dieser Erfahrung entstand der Wunsch, anderen betroffenen Eltern zu helfen. 1996 gründeten sie gemeinsam mit Angehörigen und Freunden den Förderverein.
Eine Million Euro sind bislang gesammelt
Aus ersten Spendenaktionen ist im Laufe der Jahrzehnte eine umfangreiche Unterstützung geworden. Rund eine Million Euro hat der Verein in den vergangenen 30 Jahren durch Spenden und Veranstaltungen gesammelt. Damit wurden unter anderem Känguruh-Sessel, Relaxliegen, Wasserbetten, Lagerungshilfen, Babykleidung und medizinische Geräte finanziert. Auch ein Eltern-Kind-Zimmer, schalldämmende Trennwände, ein Muttermilch-Pasteurisierer sowie Möglichkeiten für einen würdevollen Abschied von verstorbenen Kindern gehören zu den Projekten des Vereins.
Klinik schätzt die Arbeit des Vereins
Wie sehr die Klinik die Arbeit des Vereins schätzt, wurde bei der Feier mehrfach deutlich. Dr. Marie-Claire Detemple, Leiterin des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Saarbrücken, bedankte sich im Namen der gesamten Station herzlich bei den Vereinsmitgliedern und Unterstützern. Man sei „extrem dankbar und stolz“, den Verein an der Seite der Station zu wissen, sagte sie. Verwaltungsdirektor Matthias Mudra vom Klinikum Saarbrücken würdigte derweil die jahrzehntelange Arbeit von Sylvia Huy. Was sie in dieser Zeit geleistet habe, sei alles andere als selbstverständlich und lasse sich nur schwer in Worte fassen, sagte er.
Auch Prof. Dr. Jens Möller, pensionierter Leiter der Kinderklinik am Winterberg und heute Vorstandsmitglied des Vereins, hob die Unterstützung aus Ommersheim hervor. Das Engagement der vielen Unterstützer aus dem Ort sei außergewöhnlich, betonte er.
Für die Gemeinde sprach Ortsvorsteherin Carolin Usner-Reinhard. Sie kündigte an, die Nutzungsgebühr für die Saarpfalz-Halle als Spende an den Verein zurückzuüberweisen.
Verbundenheit des Ortes mit dem Verein
Besonders sichtbar wurde die Verbundenheit der Ommersheimer Vereine anschließend bei der Spendenübergabe. Vertreter zahlreicher örtlicher Organisationen überreichten ihre Spenden. Beteiligt waren unter anderem der Turn- und Sportverein, der Tischfußballclub, die Vogel- und Naturfreunde, der Wanderverein „Alpenrose 1922“, der Musikverein, der FCS-Fan-Club, der Obst- und Gartenbauverein, der sverein „Die Sackschisser“, die Chorgemeinschaft, die Fördergemeinschaft Gangelbrunnen, der Förderverein der Kita Arche Noah, der Verein für Deutsche Schäferhunde, der Handballverein sowie die CDU Ommersheim und „Die Knipser“ aus Oberwürzbach. Sie brachten einen Scheck über 3000 Euro mit. (ole/ulb)