„Seit Jahren kein derartiges Hochwasser“: Unwetter schneidet Italien-Dörfer ab – Hunderte eingeschlossen

Unwetter legt Italien-Orte lahm: Mehr als 200 Menschen eingeschlossen – Erdrutsche blockieren Täler

Stand: 21.08.2026, 14:03 Uhr

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Unwetter verwüstet Norditalien: Erdrutsche, Evakuierungen, Stromausfälle – über 400 Menschen eingeschlossen. Wann öffnen die Straßen wieder?

Foppolo – Der heutige Tag (21. August) hat in Italien nicht gerade vielversprechend begonnen. Die Wetterexperten hatten jedoch weitere kräftige Regenfälle prognostiziert. Erst morgen soll die Sonne zurückkehren. Zur Bilanz der Schäden, die das Unwetter gestern angerichtet hat, gesellen sich nun die heutigen Beeinträchtigungen: In den Gebieten von Madonna delle Nevi bei Mezzoldo bestehen weiterhin Probleme mit der Stromversorgung, und auch auf den Straßen ist größte Vorsicht geboten.

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Dieser Artikel von Michela Cirillo, Federico Rota entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Foppolo ist unterdessen weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Einwohner und Touristen von Branzi sind isoliert, während Räumfahrzeuge daran arbeiten, die Straßen von Geröll und Schutt zu befreien. Die Hoffnung ist, dass die wichtigste Zufahrtsstraße zum Ort bis Mittag einspurig und wechselseitig wieder geöffnet werden kann.

Unwetter Italien

In Italien laufen nach den schweren Unwettern die Aufräumarbeiten. © Vigili del Fuoco

Indes haben sich die Bilder des Geschehens von gestern regelrecht eingebrannt. Die Einsatzteams der Feuerwehr, unterstützt von einem Hubschrauber, haben mit der Evakuierung von Frauen und Kindern begonnen.

Evakuierungen am Brembo und erste große Schäden

Am Abend war die Räumung des Campingplatzes San Simone in Isola di Fondra noch im Gange – insgesamt 250 Personen, Gäste wie Personal. Die Nacht zwischen einem gefährlichen Steilhang und dem kurz vor dem Übertreten stehenden Brembo zu verbringen, erschien zu riskant, zumal weitere Regenfälle drohten.

„Seit Jahren haben wir kein derartiges Hochwasser mehr gesehen“, sagt Bürgermeister Carletto Forchini. Er musste im Ort zudem die Evakuierung einer Familie organisieren – Mutter, Vater und zwei Kinder, die bei einem Helfer des Zivilschutzes unterkamen. Die Campinggäste dagegen wurden in der ehemaligen Kolonie in Trabuchello untergebracht. Das Unwetter hatte ernsthafte Schäden angerichtet und Angst ausgelöst.

Gestern traf es vorwiegend die Täler, von Isola di Fondra aufwärts im Val Brembana sowie zwischen Parre und Valbondione im Val Seriana. Schon der Fluss an Fotos und Videos, der seit dem Morgen in den sozialen Netzwerken kursierte, reichte aus, um die enormen Regenmengen zu dokumentieren, die bereits in der Nacht gefallen waren. Am Tagesende erreichte der Brembo laut Arpa bei Camerata Cornello eine Spitzenwasserführung von 314,72 Kubikmetern pro Sekunde und einen Pegelstand von 224 Zentimetern. Der Serio bei Gandellino verzeichnete eine Wasserführung von 108,75 Kubikmetern pro Sekunde und einen Pegelstand von 291 Zentimetern.

Sorgen um weitere Hangrutsche – Bürgermeister bittet um Zuschuss von 500.000 Euro

In Parre ergoss sich gegen 4 Uhr morgens ein Schwall aus Schlamm und Geröll über die Via Libertà und drang teilweise auch in die darunterliegenden Häuser ein. „An dieser Stelle hat sich bereits am 12. August ein Erdrutsch ereignet“, erläutert Bürgermeister Francesco Ferrari, der mit der Verkehrslenkung beschäftigt war.

Die Geröllmassen reichten bis zur Kreuzung an der Selva und zur Provinzstraße, die von der Provinz per Verordnung gesperrt wurde und erst wieder geöffnet werden darf, wenn die Sicherheitsbedingungen wiederhergestellt sind. Für die Ein- und Ausfahrt in den Ort wurde in der Via Sottocorna eine Einbahnregelung mit wechselseitigem Verkehr eingerichtet.

„Ich habe bei der Provinz Barrieren oder New-Jersey-Leitelemente angefordert, um die Häuser im Fall neuer Rutschungen zu schützen “, so Ferrari weiter. „Bereits nach dem ersten Erdrutsch hatte ich mich an die Region gewandt, um die 500.000 Euro zu beantragen, die nötig sind, um das Gleichgewicht des durch den Wolkenbruch instabil gewordenen Hangs wiederherzustellen.“

Val Brembana besonders schwer getroffen: Bergtouristen stecken fest – „weiß nicht, was wir tun sollen“

Im Val Seriana erreichte laut den von Arpa aufbereiteten Daten die kumulierte Regenmenge 110 Millimeter. Am schlimmsten getroffen wurde jedoch das Val Brembana. Vier Erdrutsche in Isola di Fondra blockierten die Straße nach Branzi, Foppolo, Carona und Valleve. Mehr als 200 Menschen, die den Tag in den Bergen verbringen wollten, blieben eingeschlossen und mussten einen Schlafplatz finden. Die Feuerwehr war bis in die späten Abendstunden damit beschäftigt, die Fahrbahnen von Geröll zu befreien. Man rechnete damit, die Arbeiten in der Nacht abschließen zu können.

In Branzi registrierte die Messstation des Centro Meteo Lombardo 191 Millimeter Regen und eine Intensität, die einen Spitzenwert von 256,8 Millimetern pro Stunde erreichte. Gegen 4 Uhr ließ der anhaltend starke Regen die Böschung der Provinzstraße abrutschen, wodurch mehrere Bäume auf den Parkplatz auf Höhe der Villa Chiara, nahe Rathaus und Schulen, stürzten. Die Autos wurden erfasst und gegen das Geländer gedrückt, das zum Fluss hinunterführt.

„Meine Mutter ist Diabetikerin und benötigt Insulin. Wir hoffen, dass wir morgen (heute aus Sicht der Leser, Anm. d. Red.) ins Tal fahren können, sonst weiß ich nicht, was wir tun sollen“, erzählt Graziano Bianchi aus Mailand, einer der Touristen, die in Branzi feststecken. „Wir sind am frühen Nachmittag heraufgefahren, weil sie von hier stammt und wir ein paar typische Produkte kaufen wollten. Wir dachten, wir würden rechtzeitig wieder ins Tal kommen, aber dann gerieten wir mitten in den Wolkenbruch und merkten, dass wir eingeschlossen waren“, so Bianchi.

Tagestouristen harren in Notunterkünften aus

In Foppolo mussten rund 150 Tagesausflügler in provisorischen Unterkünften aufgenommen werden. Der Ort nahm auch diejenigen auf, die in den umliegenden Gemeinden keine Unterkunft mehr fanden: „Bei Notlagen, die es mittlerweile in jeder Jahreszeit gibt, benötigen wir einen Raum, um Evakuierte aufzunehmen“, sagt Vizebürgermeister Alessandro Gherardi. „Mehrfach habe ich die übergeordneten Behörden um Unterstützung gebeten, um das Gebäude hinter dem Rathaus zu sanieren.“

Auch in Valleve gab es Schwierigkeiten, wo ein Erdrutsch vor dem Rathaus zwei Familien – eine ansässige und eine Urlauberfamilie – von der Außenwelt abschnitt. „Die Feuerwehr hat zwei Frauen und zwei Kinder evakuiert“, erläutert Vizebürgermeister Stefano Locatelli. Der Erdrutsch hat die Fußwegverbindung zu der kleinen Holzbrücke unterbrochen, die den Brembo überquert. Die Regenfälle haben zudem den unbefestigten Untergrund der Zufahrtsstraße zu den Schieferbrüchen bei Cambrembo weggerissen.Schlamm und Geröll gelangten auf die Straße nach San Simone, die jedoch befahrbar blieb.

Weitere Evakuierungen in Carona und Schilpario – Lage könnte sich verschlimmern

Auch in Carona musste eine Frau ihr Haus vorsorglich verlassen, weil es in der Nähe eines Erdrutsches lag. Ebenso mussten zwei Touristen eine Berghütte räumen. „Wir halten die Umgebung ständig im Blick, überall treten kleine Rinnsale zutage und wir sind besorgt, dass sich die Lage verschlimmern könnte“, sagt Bürgermeister Aldo Ruffini. Auf der Provinzstraße am Ortseingang wird im Wechselverkehr gefahren, nachdem sie vorübergehend ebenfalls durch einen Erdrutsch teilweise blockiert worden war.

In Schilpario rückte gestern Vormittag der Bergrettungsdienst für eine Gruppe von 18 Pfadfindern aus, die in Schwierigkeiten geraten waren, als sie auf dem stark angeschwollenen Fluss eine Kanutour unternahmen. Die Feuerwehr wiederum wurde alarmiert, weil ein Kalb in einem Gebirgsbach unweit der Hütte Tagliaferri festsaß. Es soll im Laufe des Tages geborgen werden.