„Haben so etwas noch nie gesehen“: Tote durch Unwetter, Dutzende Häuser unbewohnbar - Tornado bestätigt

Unwetter toben über Deutschland: Dutzende Häuser unbewohnbar, Tornado bestätigt – eine Tote

Stand: 20.08.2026, 07:52 Uhr

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Eine Unwetterfront hat in Teilen Deutschlands eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Eine Frau wurde tödlich verletzt. Dutzende Gebäude sind unbewohnbar.

München – Ein herabstürzender Baum traf eine Frau (58) in Walddorf (Rheinland-Pfalz) und verletzte sie tödlich. Ihre Begleiterin (47) wurde schwer verletzt. Bei einem Spaziergang hatten die beiden Frauen bei einer überdachten Sitzgruppe Schutz gesucht, als das Unwetter aufzog, teilte die Polizei mit. Doch ein Baum in der Nähe krachte auf die Sitzgruppe und traf auch die beiden Frauen. Auch in Hessen, Thüringen, Brandenburg und Bayern gab es in der Nacht zahlreiche wetterbedingte Einsätze. Orkanartige Windböen rissen Wände aus den Häusern, auch Fassadenteile stürzten ab.

Unwetter-Chaos in Deutschland: Orkanartige Windböen reißen Fassaden weg, DWD bestätigt Tornado in Fürstenwalde

Unwetter-Chaos in Deutschland: Orkanartige Windböen reißen Fassaden weg, DWD bestätigt Tornado in Fürstenwalde (Montage) © Thomas Frey/Sappeck/BLP/dpa

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Mittwochabend (19. August) Alarmstufe Rot für viele Kreise in Deutschland aktiviert und vor teils schweren Gewittern mit Unwetterpotenzial gewarnt. In Rheinland-Pfalz zog das Unwetter nach Angaben der Polizei ab 19:15 Uhr auf. In weiten Teilen des Westerwaldkreises stürzten Bäume um. Doch der heftige Sturm richtete teils auch erhebliche Schäden an Gebäuden und Fassaden an.

Unwetterfront zieht über Deutschland – teilweise komplette Dachstühle abgehoben

In der Gemeinde Bannberscheid (Westerwaldkreis) wurden Teile der Fassade der Aubachhalle weggeweht. Der Strom fiel teilweise großflächig aus. Während des Einsatzes wurde ein Feuerwehrmann durch einen Stromschlag verletzt und wird derzeit im Krankenhaus versorgt. Besonders betroffen waren Höhr-Grenzhausen, Montabaur, Ransbach-Baumbach, Wallmerod und Wirges, teilt der Westerwaldkreis mit. Auf der Bendorfer Brücke (Autobahn A61) kippte ein Sattelzug um und blockierte mehrere Fahrstreifen. Auch hier war eine längere Sperrung die Folge.

In Hessen wurde Solms durch die Unwetter schlimm getroffen. Zahlreiche Dächer seien abgedeckt, teilweise seien komplette Dachstühle abgehoben und Bäume entwurzelt worden. Einige Familien könnten nicht mehr in ihre Häuser zurück, manche Gebäude seien möglicherweise vorerst nicht mehr bewohnbar. „Es ist wirklich schrecklich“, sagte die Solmser Bürgermeisterin Katharina Didlapp (parteilos) der hessenschau

Im hessischen Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis) beschädigte das Unwetter rund 60 Häuser, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Schäden reichen demnach von einzelnen fehlenden Dachziegeln bis zu einer totalen Dachabdeckung. Teilweise seien Dachteile bis zu 100 Meter weit geflogen, hieß es in einer Mitteilung. 

Im bayerischen Unterfranken wurden durch das Unwetter am Abend mehrere Autos beschädigt. Laut einem Sprecher der Polizei fielen wegen des Sturms zahlreiche Bäume um und stürzten auf Straßen sowie Autos. Auch ein parkender Wohnwagen wurde demnach von einem Baum getroffen. Menschen kamen den Angaben zufolge dabei nicht zu Schaden.

„Wir haben so etwas noch nie gesehen“ – DWD bestätigt Tornado in Brandenburg

Binnen Sekunden bricht auch Chaos im brandenburgischen Fürstenwalde aus. Dächer werden abgerissen, Bäume krachen wie Streichhölzer um, berichten lokale Medien. Allein in einer Wohnsiedlung sollen es 28 Bäume gewesen sein. Trümmer schlugen in Fassaden und auf parkende Autos. In den sozialen Netzwerken finden sich zahlreiche Videos, auf denen ein Wirbelsturm zu sehen ist. Augenzeugen berichten von herumfliegenden Gegenständen. „Wir haben so etwas noch nie gesehen“, erzählt eine Anwohnerin in der Märkischen Allgemeinen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigt am Donnerstagfrüh einen Tornado-Verdacht. Die Stärke des Tornados, der gegen 17:15 Uhr tobte, werde noch ermittelt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa..

„Nach Sichtung der ersten Schadensbilder kann aber mindestens von der Intensität IF1 nach der Internationalen Fujita-Skala ausgegangen werden“, das entspreche Windgeschwindigkeiten um 150 Kilometern pro Stunde.

Zunächst gab es nur einen Tornado-Verdacht. Wahrscheinlicher sind in Deutschland eher Fallböe oder ein sogenannter Downburst. Beide – Tornados und Fallböe – können ähnliche verheerende Schäden verursachen (umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer), unterscheiden sich aber in der Entstehung: Ein Tornado ist ein rotierender, meist als Trichter sichtbarer Luftwirbel, während ein Downburst durch einen geradlinig-fächerförmigen Abwind entsteht – ohne Rotation.

Bei einem Downburst können Windgeschwindigkeiten von weit über 200 km/h erreicht werden, so der DWD. Aus unmittelbarer Nähe erscheint ein Downburst häufig als rasch heranziehende „weiße Wand“ aus Starkregen. Während Tornados ihre Schäden meist entlang einer vergleichsweise schmalen Zugbahn verursachen, können Downbursts durch ihre fächerförmige Ausbreitung deutlich größere Flächen erfassen.

In Österreich wurde am Montag eine Wohnsiedlung von einem Tornado getroffen. (Quellen: Polizei, Feuerwehr, Tagesschau.de, Märkische Allgemeine, dpa) (ml)