Unzufriedenes Bad Wildungen will Edersee-Marketing reformieren

Stand: 13.09.2026, 13:59 Uhr

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Westseite der Sperrmauer des Edersees mit einer Station des Edersee-Achtsamkeitspfades.

Bad Wildungen sieht sich als Teil der Edersee-Region mit der Talsperre als zentralem Magneten für Gäste, aber die Kurstadt sieht in der gemeinsamen Marketinggesellschaft ihre Interessen unzureichend vertreten und will eine stärkere Konzentration auf Vermarktung im engeren Sinne. © Matthias Schuldt

Bad Wildungen will im Rahmen seiner Mitgliedschaft im Edersee-Marketing nicht länger das Personal der Besuchereinrichtungen in den anderen Kommunen finanzieren.

Bad Wildungen/Edersee – Die Stadt Bad Wildungen ist unzufrieden mit ihrer Rolle als Gesellschafterin des Edersee-Marketings. Das wurde deutlich in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in der Wildunger Wandelhalle. Die CDU-Fraktion stellte einen ausführlich gefassten und begründeten Antrag, das Edersee-Marketing zum Ende des Jahres 2027 zu verlassen. Für 2027 soll Bad Wildungen außerdem nur noch die Hälfte des Jahresbeitrages von 175.000 Euro überweisen. Dieser Antrag kam jedoch nicht durch. Einstimmig einigte sich das Parlament darauf, das Thema in den Fachausschuss zu eingehenden Beratung zu überweisen.

Bad Wildungen gehört dem Edersee-Marketing seit 2022 an. CDU-Fraktionschef Marc Vaupel verwies auf „atmosphärische Störungen“, wie eine zu geringe Präsenz der Badestadt im Auftritt oder auf Wildunger Prospekte, die an den Gäste-Anlaufstellen des Edersee-Marketings nicht auslagen. „Das reicht aber nicht für ein Ausscheiden“, räumte er ein, „sondern wir meinen, dass wir mit unserem Jahresbeitrag das Personal in den Edersee-Besuchereinrichtungen mitfinanzieren, während wir unsererseits die Kosten für das Personal unseres Wildunger Stadtmarketings alleine tragen. Wir suchen händeringend nach Einsparmöglichkeiten im Haushalt, und das ist eine.“

Die CDU erteile damit der gemeinsamen Vermarktung der Edersee-Region keine Absage, fügte Vaupel hinzu. Das Wildunger Stadtmarketing solle eine führende Rolle im Erfüllen dieser Aufgabe übernehmen und dafür von den übrigen Partnern einen entsprechenden Obolus erhalten.

Die übrigen Fraktionen im Wildunger Parlament teilten die Grundsatzkritik der Union, aber mit Ausnahme der AfD nicht die Konsequenz aus der Analyse: ein Ausscheiden aus der Edersee-Marketinggesellschaft. Während die AfD sich nach eigener Aussage – weil frisch in die Stadtverordnetenversammlung gewählt – erst einmal mit dem Thema vertrautmachen will, plädieren die übrigen Fraktionen für einen Verbleib zu anderen Bedingungen.

„Nachdrücklich“ mit Partnern verhandeln

„Wir müssen uns selbst stärker einbringen und mitgestalten“, unterstrich Klaus Stützle (Grüne). „Unser Ziel muss es sein, die Ressourcen zu bündeln und Kosten zu senken“, gab Horst Reis (Freie Wähler) die Richtung vor. „Wir müssen mit Nachdruck in Verhandlungen mit den anderen Gesellschafterkommunen über Veränderungen treten“, meinte Axel Finger (SPD) als Dritter im Bunde der Vorsitzenden dieser Fraktionen. Generelle Stoßrichtung: Die Personalkosten für Tourist-Infos und Besucherzentren sollen aus dem Etat des Edersee-Marketings herausgelöst und von der jeweils zuständigen Gesellschafterkommune direkt finanziert werden.

Diesen Analysen pflichtete Bürgermeister Ralf Gutheil bei. Er machte zugleich aber deutlich, weshalb er von einem Ausscheiden Bad Wildungens aus dem Edersee-Marketing ebenfalls nichts hält: „Fast jeder in Deutschland kennt den Edersee und jeder Dritte die Reha- und Kurstadt Bad Wildungen. Mit diesem Pfund müssen wir gemeinsam wuchern.“ Weshalb ordne sich Willingen denn dem Sauerland zu? Weshalb vermarkteten sich zahlreiche Orte jeweils gemeinsam als Spessart, Hochtaunus, Rhön und, und, und? Weil die Gäste sich nicht für regional gezogene Grenzen interessierten, sondern für „Destinationen“, für Urlaubsziele. Den „Megatrend Gesundheitstourismus können wir nur im Verbund für Bad Wildungen nutzen“, betonte Gutheil.

Das sieht auch der Chef des Wildunger Stadtmarketings, Dennis Kutschke, auf Nachfrage so. Die Stadt Bad Wildungen ist über die städtische Tochtergesellschaft am Edersee-Marketing beteiligt. Kutschke teilt zugleich die Kritik der Stadtverordneten an der Art und Weise, wie das Geld beim Edersee-Marketing eingesetzt wird. Er schlägt generell eine stärkere Konzentration auf die Vermarktung im engeren Sinne vor. (Matthias Schuldt)