Urin aus der Komposttoilette wird zu feministischem Bier

"Golden Shower"

Urin aus der Komposttoilette wird zu feministischem Bier

Am Wiener Würstelstand an der U4-Station Spittelau steigt am 3. Oktober ein alternatives Oktoberfest. Serviert wird ein Bier, das für Gesprächsstoff sorgt.

Leonie Tupy

Ein Bier, das aus gefiltertem Urin gebraut wird – klingt unfassbar ekelhaft? Das Wiener Unternehmen Muschikraft, eigentlich bekannt durch das Pale Ale "Muschi Craft Bier" und die "Muschi isst Wurst"-Eventreihe am Wiener Würstelstand, hat sich mit Öklo-Geschäftsführer Niko Bogianzidis zusammengetan und genau das gemacht.

Eine Bier-Flasche mit
"Golden Shower": das neue Hopfen-Getränk von Öklo und Muschikraft

Doch was steckt hinter dem Konzept? Niko Bogianzidis habe sich im Frühjahr an sie gewandt, erklärt Muschikraft-Gründerin Sophie Tschannett im Gespräch mit dem STANDARD. Er habe 1.000 Liter Urin aus seinen Öklos gesammelt, der über ökologische Filteranlagen wieder zu Wasser gemacht werde. Daraus wolle er dann Bier brauen. Warum? Er wolle darauf aufmerksam zu machen, was möglich sei, wenn Ressourcen im Kreislauf bleiben und ökologisches Bewusstsein schaffen. Tschannett fand die Idee "großartig".

Ein Plumpsklo aus Holz von der Firma Öklo steht in der Natur am Wegrand
So sehen die Plumpsklos von Öklo aus.

"Aufs Patriarchat pissen"

Wie passt das jetzt in das feministische Konzept von Muschikraft? "Ich bin davon überzeugt, dass wir Geschlechter- und Klimagerechtigkeit zusammendenken müssen", sagt Tschannett. Sie will mit ihrer Marke auf Geschlechter(un-)gerechtigkeit aufmerksam machen. Dass die Idee nicht alle verstehen werden, war ihr klar. Das war auch bei ihren bisherigen Projekten nicht anders. Ihr "Muschi Craft Bier" gibt es seit einigen Jahren, seit 2025 wird es in der Bio-Brauerei „Bruckners Bierwelt" produziert.

Es gehe darum, Bewusstsein zu schaffen, unter anderem durch die Rückgewinnung "männlich-verhandelter" Begriffe: deswegen auch der Name des neuen Bieres "Golden Shower". Für Tschannett geht es hierbei um Selbstermächtigung: "Golden Shower ist oft auch eine Praxis, die angewendet wird, um Frauen ganz klar zu entwürdigen. Jetzt holen wir uns das Golden Shower zurück und Pissen aufs Patriarchat", erklärt sie.

Bier-Brauer Benjamin Bruckner steht auf der Leiter und schaut in einen Brau-Kessel
Benjamin Bruckner während des Brau-Prozesses.

"O´zapft is"

Ob das Reinheitsgebot das zulässt? Eher nicht. Deswegen darf das Getränk auch gar nicht Bier, sondern offiziell nur Hopfen-Getränk genannt werden. Tschannett findet das "ein bisschen lächerlich". Es wurden zwischen 2.000 und 2.500 Flaschen und ein Holzfass produziert, rund ein Drittel davon gehen an Öklo-Betreiber Bogianzidis, der die Getränke unter anderem als Dankeschön für seine Kundinnen und Kunden nutzen will. Der Rest wird über das Unternehmen Muschikraft vertrieben. Gebraut hat das Getränk die Bio-Brauerei „Bruckners Bierwelt" im Mostviertel. Es handelt sich um ein "klassisches Helles" – passend zur Wiesn-Zeit.

Am 3. Oktober wird unter dem Motto "Aufs Patriarchat pinkeln" das erste und einzige "Golden Shower"-Fass angezapft. In einer für Tschannett bewährten Location: dem Wiener Würstelstand Spittelau, mit dem sie schon länger kooperiert und wo auch die Event-Reihe "Muschi isst Wurst" stattfindet. Ganz nebenbei sind die Feierlichkeiten auch als feministisches gegen-Event zum Oktoberfest angedacht. Tschannett hat sich gedacht: "Warum nicht noch eins draufsetzen" und neben dem Bewusstsein für Kreislaufwirtschaft schaffen auch noch Kritik an Sexismus im Bierzelt üben? Es sei ein Event für "alle, die sich nicht abgeholt fühlen von den traditionellen Oktoberfesten". Und für alle, die sich selbst ein Bild von dem Urin-Bier machen wollen.

(Leonie Tupy, 2.10.2026)

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