US-Luftschlag auf iranische Schule: Palantir kann keine falschen Daten kompensieren - Golem.de

In der ersten Welle des US-Angriffs auf Iran starben 123 Kinder in einer Schule. Mitursache soll zu viel Vertrauen in Palantir-Software gewesen sein.

Trümmer der zerstörten Schule im iranischen Minab (Bild: Majid Asgaripour/WANA/Reuters)

Trümmer der zerstörten Schule im iranischen Minab Bild: Majid Asgaripour/WANA/Reuters
Inhalt
  1. US-Luftschlag auf iranische Schule: Palantir kann keine falschen Daten kompensieren
  2. Maven als Kernelement des Militärapparats
  3. UN-Kommission spricht von Kriegsverbrechen

Haben die USA im Iran-Krieg Kriegsverbrechen begangen? Zu dieser Einschätzung kommt eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hinsichtlich der Zerstörung einer iranischen Schule in Minab. Wie es zu den tödlichen Raketenschlägen kommen konnte, legt der Wirtschaftsdienst Bloomberg in einer ausführlichen Analyse(öffnet im neuen Fenster)(Paywall) dar. Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, die den Vorfall untersuchten, machten demnach mehrere Faktoren für die falsche Zielauswahl verantwortlich.

Die südiranische Stadt Minab liegt in der Nähe der Straße von Hormus. Die Kontrolle über die Schiffspassage durch die Meerenge spielt eine zentrale Rolle seit dem Beginn der US-Angriffe am 28. Februar 2026. Die USA griffen die Schule in Minab an, weil sich auf Basis ihrer Aufklärungsdaten dort eine Marineeinheit der Iranischen Revolutionsgarden befinden sollte.

Schulgebäude deutlich zu erkennen

Laut Bloomberg zeigt die Auswertung kommerzieller Satellitenaufnahmen aus den Jahren 2017 und 2018 jedoch, dass ein Teil des Militärgeländes schon damals in eine Schule umgewandelt worden war. Darauf sei der Bau von Mauern und Eingängen zu erkennen, um das Gebäude von der Militärbasis abzutrennen. Auch Markierungen von Spielfeldern und ein Fußballplatz seien zu sehen. Das bestätigt auch die Unabhängige internationale Untersuchungskommission zur Islamischen Republik Iran in ihrem Bericht(öffnet im neuen Fenster) (PDF) vom 18. September 2026.

Warum wurden diese Daten nicht mehr überprüft? Und auf Basis welcher Daten und Systeme wurde der Standort in die Liste der militärischen Ziele aufgenommen?

Dem Bericht zufolge forderte die US-Regierung von ihren Militärs gegen Ende Februar einen überwältigenden Luftangriff auf den Iran. Innerhalb der ersten 24 Stunden sollten mehr als 1.000 Ziele getroffen werden. Dieser Befehl habe den Zeitraum für die Festlegung der Ziele stark komprimiert, sagten die Beamten laut Bloomberg. Verbunden mit Defiziten bei den zugrunde liegenden Informationen über den Standort, Kürzungen beim Personal für den Schutz von Zivilisten und einer übermäßigen Abhängigkeit von KI-Systemen habe dies den Boden für den tödlichen Fehler bereitet.

US-Militär setzt auf Palantir

Den Aussagen zufolge hätten einige US-Geheimdienstanalysten die Umwidmung der Gebäude zur schulischen Nutzung bemerkt. Dies sei jedoch in einem System protokolliert worden, dass nicht mit der militärischen Geheimdienstdatenbank zur Bestimmung von Ziel verbunden gewesen sei.

Das für die Region zuständige Zentralkommando der US-Streitkräfte (Centcom) setzt für die Koordinierung komplexer militärischer Operationen die Software Maven des US-Anbieters Palantir Technologies ein. Diese fusioniere mehr als 150 verschiedene Datenquellen zu einem kohärenten Informationsbild, um die Entscheidungen der Kommandeure zu unterstützen.