Fünf Namen, fünf Machtproben: Wer bei den US-Midterms Trumps Kurs bremst – oder stärkt

Machtkampf in den USA

Fünf Namen, die über Trumps Zukunft entscheiden


01.08.2026 - 17:35 UhrLesedauer: 5 Min.

Die Zwischenwahlen im November sind in den USA das wichtigste politische Ereignis des Jahres. Doch auf welche Politiker sollte man besonders achten? Ein Überblick.

David Schafbuch berichtet aus Washington

Zwei Jahre nach dem Wahlsieg von Donald Trump öffnen in den USA am 3. November wieder an vielen Orten die Wahllokale: Pünktlich zur Hälfte von Trumps zweiter Amtszeit stehen die Zwischenwahlen an. Im Fokus stehen dabei die Wahlen im Kongress: Neu gewählt wird das komplette Repräsentantenhaus und ein Drittel aller Senatoren. Hinzu kommen noch zahlreiche weitere Wahlen in einzelnen Bundesstaaten, etwa für verschiedene Gouverneursämter.

Die Zwischenwahlen oder "Midterms" gelten traditionell auch als Zwischenzeugnis für die Arbeit des Präsidenten: Die ersten zwei Jahre hatten Trumps Republikaner in beiden Kammern des Kongresses eine Mehrheit. Die Demokraten hoffen nun, dass sie die Mehrheiten zurückerobern können.

Auf welche Politiker sollten Sie bei der Wahl besonders achten und warum sind sie besonders wichtig? t-online stellt Ihnen fünf Kandidaten vor:

Jon Ossoff, Senator von Georgia

Auf Ossoff werden sich viele Blicke richten: Denn er ist unter den Demokraten bei den Midterms der einzige Senator, der seinen Posten in einem Bundesstaat verteidigen muss, den Trump 2024 gewonnen hat. Senator im Swing State Georgia ist Ossoff seit 2021.

Mit 39 Jahren ist er der jüngste Politiker im Senat und ist bislang landesweit keinem breiten Publikum bekannt. Allerdings konnte er sich unter Politinsidern bereits einen Namen machen: Bei den jüngsten Anhörungen des neuen Geheimdienstkoordinators Jay Clayton und des Verteidigungsministers Pete Hegseth im Senat griff Ossoff beide scharf an.

Hoch im Kurs bei Wettanbietern

Der Mann aus Georgia dient in seiner Partei für viele als Projektionsfläche: Ossoff gilt trotz seiner geringen Erfahrung als selbstbewusst und als guter Redner, hat aber in vielen Fragen noch kein eindeutiges politisches Profil entwickelt. In Georgia scheint das bislang anzukommen: Aktuelle Umfragen sehen ihn klar vor seinem republikanischen Herausforderer Mike Collins. Allzu sicher sollte sich Ossoff allerdings nicht sein: Georgia ist bekannt als Swing State, es ist also ein Bundesstaat, in dem republikanische und demokratische Kandidaten ähnlich stark unterstützt werden und das Wahlergebnis kaum vorhersehbar ist. Sollte er seinen Posten verlieren, dürfte die Mehrheit für die Demokraten im Senat in weite Ferne rücken.

Ein Sieg dürfte dem Senator dagegen einen weiteren Karriereschub verschaffen. Viele Menschen trauen ihm aber schon jetzt höhere Ämter zu: Auf den Wettplattformen Kalshi und Polymarket liegt Ossoff bei den wahrscheinlichsten demokratischen Präsidentschaftskandidaten 2028 auf Rang zwei hinter dem kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom.

James Talarico, Abgeordneter in Texas

Ein Demokrat hat in Texas generell eher schlechte Karten auf ein höheres politisches Amt. James Talarico will das Gegenteil beweisen: Der 37-Jährige sitzt im texanischen Repräsentantenhaus und kandidiert jetzt für das Amt des Senators in dem Bundesstaat.

In seiner Partei besteht die Hoffnung, dass Talarico auch für moderate Republikaner wählbar sein könnte: Er bekennt sich etwa klar zu seinem christlichen Glauben, setzt sich aber auch für die LGBTQ-Gemeinde ein. Christlichen Nationalismus, der von vielen republikanischen Hardlinern gepredigt wird, lehnt Talarico entschieden ab.

Republikaner kündigen Parteitag an

Für Talarico spricht auch, dass er nicht gegen den amtierenden Senator antritt, sondern gegen den texanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton: Dieser wird von Trump unterstützt und hat bereits zahlreiche Skandale wegen Korruptionsvorwürfen oder einer außerehelichen Affäre hinter sich.

Die Umfragen sehen Paxton leicht vorn. Dennoch scheinen die Republikaner Talarico ernst zu nehmen. US-Präsident Trump kündigte erstmals für die Zwischenwahlen einen Parteitag der Republikaner an. Stattfinden wird er in der texanischen Millionenstadt Dallas. Sollte Talarico gewinnen, wäre er der erste demokratische Senator in Texas seit 33 Jahren.

Susan Collins, Senatorin von Maine

Ging es in den vergangenen Monaten um Maine, wurde weniger über die amtierende republikanische Senatorin Susan Collins gesprochen als über ihre Gegner: Graham Platner galt als großer Hoffnungsträger für die Demokraten, den wichtigen Senatorenposten im November gewinnen zu können.

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Doch von Platner ist mittlerweile keine Rede mehr: Anfang Juli gab er das Ende seiner Kampagne bekannt, nachdem unter anderem Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn laut wurden. Drei Monate vor der Wahl mussten die Demokraten jetzt kurzerhand einen neuen Kandidaten aufstellen: Troy Jackson wird gegen Susan Collins antreten. Anders als Platner kann er eine lange Karriere als Politiker in Maine vorweisen.

Seit 1997 im Amt

Die Demokraten haben sich schon mehrmals Hoffnung auf Collins' Sitz gemacht. Das ist auch diesmal so, weil der Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl 2024 klar für Trumps Gegnerin Kamala Harris gestimmt hatte. Dennoch scheiterten die Demokraten in den vergangenen Jahren mehrfach an der 73-Jährigen. Die Republikanerin ist seit 1997 Senatorin von Maine und gilt auch unter unentschlossenen Wählern oder bei moderaten Demokraten als wählbar.

Eine engere Verbindung zu Trump besitzt Collins nicht. 2021 hatte sie etwa als eine der wenigen Republikaner für ein Amtsenthebungsverfahren von Trump wegen des Sturms auf das Kapitol gestimmt. Die Umfragen prognostizieren aktuell ein offenes Rennen in Maine. Ein weiterer Sieg von Collins wäre wichtig, um die Mehrheit der Republikaner im Senat zu sichern.

Josh Shapiro, Gouverneur von Pennsylvania

Der 53-jährige Demokrat kandidiert zwar nicht für den Kongress, steht aber im November trotzdem auf dem Wahlzettel. Shapiro möchte in Pennsylvania erneut zum Gouverneur gewählt werden. Shapiro war erstmals bei der Wahl 2022 erfolgreich.

Auch außerhalb seines Bundesstaats ist Shapiro ein bekanntes Gesicht. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024 galt er lange als Favorit für den Posten des Vizepräsidenten von Kamala Harris. Am Ende fiel Harris' Wahl dann aber überraschend auf Tim Walz.

Nach Sieg nächste Kandidatur?

Die Wiederwahl von Shapiro ist aus zwei Gründen von Bedeutung. Pennsylvania war bei der vergangenen Präsidentschaftswahl der Swing State, in dem es die meisten Wahlleute zu gewinnen gab – und die Republikaner hatten dort auf ganzer Linie triumphiert: Trump gewann den Staat, dazu gingen ein Posten im Senat und zwei Sitze im Repräsentantenhaus an die Republikaner.

Sollte Shapiro gewinnen, wäre es ein starkes Indiz für die Demokraten, dass sich unter unentschiedenen Wählern die Stimmung gegen Trump und dessen Partei gedreht haben könnte. Für Shapiro wäre es aber auch persönlich von großer Bedeutung: Dem Gouverneur werden mittlerweile selbst Ambitionen nachgesagt, bei der kommenden Präsidentschaftswahl anzutreten. Der Sieg in einem Swing State könnte die beste Eigenwerbung sein.

Vivek Ramaswamy, Kandidat für das Gouverneursamt in Ohio

In den vergangenen Jahren wollte der Unternehmer bereits ins Weiße Haus: 2024 bewarb sich Ramaswamy um das Amt des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Allerdings gab der heute 40-Jährige während der Vorwahlen auf und sprach sich danach für Donald Trump aus.

Später hieß es, der Unternehmer solle gemeinsam mit Elon Musk in der Organisation Doge für Bürokratieabbau in der US-Regierung sorgen. Doch nach Berichten über Streitereien der beiden verließ Ramaswamy Doge wieder. Jetzt nimmt er für die Republikaner einen neuen politischen Anlauf: Im November will Ramaswamy Gouverneur in seinem Heimatstaat Ohio werden.

"Vollste und totale Unterstützung"

Eigentlich sollten die Chancen für Ramaswamy nicht schlecht stehen: Ohio hat sich in den vergangenen Jahren von einem Swing State zu einem stabilen Staat für Republikaner entwickelt. Unter anderem gewann bei den vergangenen Midterms JD Vance dort den Posten als Senator.

Ramaswamys Drähte zu Trump sind weiter eng. Der Präsident sprach ihm die "vollste und totale Unterstützung" aus. Auch die Streitereien mit Elon Musk scheinen ausgeräumt: Musk spendete bereits fünf Millionen Dollar für seinen Wahlkampf.

Allerdings scheint das bei den Wählern bislang weniger anzukommen. Die meisten Umfragen sehen aktuell Ramaswamys Konkurrentin Amy Acton leicht vorn. Sollte Ramaswamy verlieren, wäre es eine empfindliche Niederlage für das Trump-Lager.