Munitionsknappheit: US-Militärbericht widerspricht Trump

Munitionsknappheit

Die Generalinspektion des US-Verteidigungsministeriums hat eine Munitionsknappheit wegen des Iran-Krieges eingeräumt. In dem am Montag veröffentlichten Pflichtbericht an den Kongress heißt es, es gebe „strategische Bestandslücken“ und „Engpässe“ in der Nachschubversorgung mit Munition. Der Bericht widerspricht damit US-Präsident Donald Trump, der Engpässe erst jüngst verneint hat.

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Zwischen 1. April und 30. Juni seien Kosten von 33,4 Milliarden US-Dollar (rund 29 Mrd. Euro) durch „strategische Bestandslücken“ und „Engpässe in der Rüstungsindustrie bei der Nachschubversorgung“ entstanden, davon allein 22,3 Mrd. Dollar (rund 19 Mrd. Euro) für Munition, heißt es in dem Bericht.

Um die Engpässe zu verringern, arbeite das Verteidigungsministerium daran, Beschaffungsprozesse und Produktionsvorlaufzeiten zu straffen und kritische Materialien, Komponenten und ausgewählte Munition einzulagern, „um im Notfall schnell reagieren zu können“, hieß es. Verfasst wurde der Bericht von der Generalinspektion des Pentagons, einer unabhängigen Behörde innerhalb des Ministeriums.

Trump droht mit Haftstrafen

Über schwindende Vorräte hatten zuvor unter anderem der US-Sender CNN und die Zeitung „Washington Post“ berichtet und sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen berufen. Allen voran gehe es dabei um weitreichende Marschflugkörper vom Typ Tomahawk und Patriot-Abfangraketen. Nähere Angaben zu diesen Waffen gingen aus dem Bericht nicht hervor.

Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte Berichte über Munitionsknappheit wiederholt zurückgewiesen. Auch Trump war solchen Berichten immer wieder entgegengetreten und hatte Menschen, die diese verbreiten, mit langen Haftstrafen gedroht. Am Montag schrieb er in seinem Onlinenetzwerk Truth Social, die USA produzierten „mehr exquisite“ Waffen als jemals zuvor. Diese würden täglich an die Streitkräfte im Nahen Osten und darüber hinaus geliefert. Er hatte unlängst von „praktisch unbegrenzten“ Munitionsvorräten der US-Armee gesprochen.

Schwere Schäden an US-Militärbasen

Der Bericht der Generalinspektion der US-Streitkräfte erwähnt auch, dass durch iranische Angriffe „Hunderte Gebäude und Strukturen“ auf US-Militärbasen in der Region beschädigt oder zerstört worden seien. Das sei aber nicht in die Berechnung der Kosten des Krieges eingeflossen, da nicht klar sei, ob alle diese Basen wiederaufgebaut würden und wer die Kosten dafür tragen würde.

Allein der Wiederaufbau des Marinestützpunkts der US-Navy in Manama, Bahrain, soll laut „Wall Street Journal“ mindestens 400 Millionen Dollar kosten. Überhaupt ist unklar, wie viel der Krieg bisher gekostet hat. Im Juli bezifferte Hegseth die Kosten mit 37,5 Mrd. Dollar. Unklar war dabei aber, was in dieser Summe enthalten ist und was nicht.

Zurückhaltung gegenüber Huthis

Munitionsknappheit, die steigenden Kosten und die Suche nach einem Exit-Szenario sind wohl auch die Gründe, wieso die USA nicht militärisch auf den Vormarsch der Huthis im Jemen und die Angriffe auf den US-Verbündeten Saudi-Arabien geantwortet haben.

So berichtete das Nachrichtenportal Axios vergangene Woche, der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman habe Trump vergeblich zu Militärschlägen gegen die Huthi-Rebellen gedrängt. Der Kronprinz habe Trump am Donnerstag zweimal angerufen und zu den Angriffen auf die vom Iran unterstützte Miliz aufgefordert. Trump habe die Bitte jedoch abgelehnt.

„Sie wollen nicht, dass wir sie verfolgen“

Die USA sind dem Axios-Bericht zufolge zwar besorgt über den wieder eskalierenden Konflikt im Jemen und weiteten ihre Unterstützung für Saudi-Arabien aus. Sie wollten jedoch eine direkte militärische Beteiligung vermeiden. US-Vertreter hätten Saudi-Arabien in den vergangenen Wochen signalisiert, dass Trump den Fokus auf den Iran und die Sicherung der Straße von Hormus richten und die Eröffnung einer weiteren militärischen Front vermeiden wolle.

Der US-Präsident sagte am Samstag, dass die Huthis die USA gebeten hätten, sich aus ihren Kämpfen gegen die Regierungstruppen im Jemen herauszuhalten. „Die Huthis haben uns angerufen und sie wollen nicht gegen uns kämpfen“, sagte Trump bei einem Besuch in Irland am Samstag. „Sie wollen nicht, dass wir sie verfolgen.“ In der Region werde „alles gut und schön laufen“, fügte er hinzu.

Golfstaaten suchen wieder Kontakt zum Iran

Angesichts der zerstörten US-Militärbasen und der anhaltenden Angriffe würden die Golfstaaten Bahrain, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait jetzt erkennen, dass die USA als Garant für Sicherheit wohl ausgedient hätten, schreibt die „New York Times“. Auf der Suche nach einer Lösung des Problems suche man jetzt wieder direkte Gespräche mit dem Iran, heißt es in der Zeitung.

Ein für Montag geplantes Treffen zwischen dem Iran und den Golfstaaten wurde allerdings verschoben. „Saudi-Arabien hat darum gebeten, dass diese Sitzung nicht stattfindet“, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghaei in Teheran. Auf Nachfrage bestätigte er, dass der Vormarsch der Huthis im Jemen dabei eine Rolle gespielt habe. Die „New York Times“ berichtete allerdings unter Berufung auf Insider, das Treffen sei auch abgesagt worden, weil sich die Vorgespräche zwischen dem Iran und Saudi-Arabien über die Straße von Hormus in einer Sackgasse befänden.