US-Verhandler Kushner und Witkoff wollen erstmals nach Kyjiw reisen
Diplomatie
US-Verhandler Kushner und Witkoff wollen erstmals nach Kyjiw reisen
Beim Treffen zwischen Trump und Selenskyj wird klar, dass die USA die Ukraine wieder mehr unterstützen. Das könnte mit Influencerin Laura Loomer zu tun haben
Kim Son Hoang
Schon lange forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass sich das US-Verhandlerduo Jared Kushner und Steve Witkoff endlich nach Kyjiw begeben möge, um sich selbst vor Ort ein Bild der Kriegslage zu machen. Gerade Letzterer gilt als Russland-freundlich und hat als Sonderbeauftragter von Donald Trump schon mehrmals die Reise nach Moskau angetreten.
Nun kam es in Washington am Dienstag erneut zu einer Zusammenkunft zwischen Trump und Selenskyj. Dabei seien der Ukraine endlich die geforderten Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesichert worden, so Selenskyj. Die Ukraine benötigt dringend die US-Waffen, um die russischen Luftangriffe abzuwehren. Selbst können die Vereinigten Staaten keine ihrer Patriot-Raketen entbehren. Ihre Waffenarsenale sind angesichts des Irankriegs ausgedünnt.
Hoffen auf Projekt Freya
Auch wenn es aus dem Weißen Haus noch keine Bestätigung gibt, wird die Ukraine die Herstellung der Patriot-Raketen wohl bald selbst in die eigenen Hände nehmen können. Kurzfristig wird es aber die Sicherheit des Landes nicht stärken. Experten zufolge wird es wohl Jahre dauern, um entsprechende Produktionsstätten zu errichten. Auszugehen ist zudem, dass diese von Russland ins Visier genommen werden. Kyjiw muss also andere Lösungen finden und hofft noch heuer auf den Prototyp des europäischen Raketenabwehrsystems Freya.
Eher beiläufig kam bei dem Treffen heraus, dass das Duo Kushner und Witkoff erstmals nach Kyjiw reisen soll. Die Nachrichtenagentur Reuters beruft sich auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Schließlich verkündete dies auch die rechtsextreme Influencerin Laura Loomer auf X.
Sie selbst könnte bei diesem Schwenk der US-Regierung eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die 33-Jährige hat enormen Einfluss auf Trump und galt lange als strikt prorussisch, während sie gleichzeitig die Ukraine immer wieder kritisierte.
Geläuterte Influencerin
Vergangene Woche aber besuchte sie selbst Kyjiw und erlebte dabei ihren ersten Luftangriff mit. Seitdem zeigt sie sich geläutert, unterstützt die Ukraine und traf in Kyjiw just Präsident Selenskyj. In einem weiteren Posting auf X schrieb sie: "Ich heiße alle in MAGA willkommen, ihre bisherigen Ansichten über Russland zu überdenken."
Ob sie mittlerweile auf Trump eingeredet hat, seine Ukraine-Politik zu überdenken, und ob dies dazu geführt hat, dass er seine Verhandler nach Kyjiw entsendet, ist derzeit bloß eine Theorie. Die zeitliche Nähe ihres Schwenks mit der Ankündigung der Reise Kushners und Witkoffs ist aber zumindest auffällig. Am Mittwoch erklärte Selenskyj, dass der Besuch in den nächsten zwei Wochen erfolgen könnte.
Abseits dessen hat Kyjiw kurzfristig einen neuen Kriegsschauplatz eröffnet. Am vergangenen Wochenende beschossen ukrainische Drohnen im Kaspischen Meer ein iranisches Frachtschiff, dabei starb ein Matrose. Selenskyj hatte die Angriffe zunächst mit einer verstärkten militärischen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Teheran begründet.
Irans Außenminister Abbas Araghchi sprach von einem "rechtswidrigen Verstoß gegen die UN-Charta" und kündigte Vergeltungsmaßnahmen an. Sein ukrainischer Amtskollege Andrij Sybiha konterte: "Die Drohungen des Iran sind ungerechtfertigt und unbegründet. Das Regime in Teheran ist ein direkter Komplize der russischen Aggression gegen die Ukraine."
Rakete als Vergeltung geplant
Laut New York Times hatte der Iran erwogen, eine Rakete auf einen der ukrainischen Schwarzmeerhäfen abzufeuern. Westliche Beamte aber warnten, dass Kyjiw es nicht dabei belassen könnte, während ukrainische Diplomaten daran arbeiteten, die Situation zu entschärfen.
Am Dienstag folgten schließlich offizielle Zeichen der Entspannung. Sybiha erklärte, er habe bei Araghchi angerufen und ihm die Lage erklärt. Man wolle eine unnötige Eskalation vermeiden, und er forderte Araghchi auf, auf eskalierende Schritte zu verzichten.
Der wiederum erklärte, dass Sybiha von einem unbeabsichtigten Angriff gesprochen habe. Man strebe keine Eskalation an, betonte der iranische Außenminister, doch es müsse "Schadenersatz für Verluste geben". Die Vergeltungsaktion dürfte also abgeblasen worden sein. (Kim Son Hoang, 29.7.2026)
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