US-Währungshüter uneinig mit Blick auf weiteren Zinskurs

Unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh kommuniziert die US-Notenbank weniger deutlich als zuvor. Anleger warteten deshalb mit Spannung auf die Veröffentlichung der Protokolle der vergangenen Zinssitzung. Ein klares Signal bleibt jedoch aus.

08.10.2026, 08.01 Uhr

Macht sich die Hände nicht schmutzig: Fed-Chef Kevin Warsh will sich an Spekulationen nicht beteiligen Macht sich die Hände nicht schmutzig: Fed-Chef Kevin Warsh will sich an Spekulationen nicht beteiligen

Macht sich die Hände nicht schmutzig: Fed-Chef Kevin Warsh will sich an Spekulationen nicht beteiligen

Foto: VCG / IMAGO

Die US-Notenbank ist trotz der jüngst einmütig beschlossenen Zinserhöhung mit Blick auf den weiteren Kurs uneins. Dies geht aus ​den Protokollen der jüngsten Zinssitzung vom September hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Darin werden die gegensätzlichen Argumente für ‌die Zinsanhebung dargelegt. Zudem wird die unterschiedliche Lesart offengelegt, was dieser Schritt für den weiteren Kurs bedeutet. Für die einen hat er laut den Mitschriften vorwiegend vorsorglichen Charakter. Das andere Lager in der Federal Reserve sieht darin einen Kurswechsel hin zu einer deutlich restriktiveren – sprich strafferen – Geldpolitik, die darauf abzielt, die ​Wirtschaft zu bremsen.

Die US-Wirtschaft brummt trotz der Belastungen durch den Irankrieg: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten ⁠Quartal mit einer ⁠auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,2 Prozent. Zugleich hält sich die Inflation in den USA bereits seit fünfeinhalb Jahren hartnäckig über dem Zielwert der Fed von zwei Prozent.

Mehrheit für weitere Anhebung

Die ‌Uneinigkeit und die unterschiedlichen Einschätzungen zur aktuellen Wirtschaftslage lassen für ​die geldpolitische Sitzung Ende ‌des Monats eine voraussichtlich lebhafte Debatte erwarten. Sie dürfte darum kreisen, ob die Inflation eine breitere, nachfragebedingte Dimension angenommen hat, die sofortiges weiteres Handeln der Fed rechtfertigt. Als Alternative käme in Betracht, mit weiteren Zinserhöhungen abzuwarten und zu beobachten, ob sich ‌der Energieschock abschwächt und die Inflation wieder in Richtung des Ziels der Zentralbank zurückkehrt.

Mehrere Währungshüter äußerten auf der September-Sitzung die Ansicht, dass der aktuelle Leitzins nicht ‌oder nur geringfügig restriktiv sei. „Die meisten Teilnehmer ​schätzten es so ein, dass eine weitere ‌Anhebung der Leitzins-Spanne bis Jahresende wahrscheinlich angemessen wäre“, heißt es ‌in den ​Protokollen. Dies entspricht auch dem von der Fed veröffentlichten Zinsausblick der Währungshüter. Fed-Chef Kevin Warsh (56) hatte sich allerdings nicht daran ​beteiligt. Er will, dass sich die ⁠Anleger an den Fundamentaldaten ausrichten und somit ​ein ​ungefiltertes und nicht von der Zentralbank bearbeitetes Signal erhalten.

Trump: Warsh „großartig“, Vorstand nicht

US-Präsident Donald Trump (80) spricht sich immer wieder für niedrigere Zinssätze aus. Von einem Reporter zum Hypothekenzins befragt sagte der Republikaner am Mittwoch, der Vorstand der Fed „würde es gerne sehen, wenn es dem Land schlecht ginge.“

Mehr zum Thema

  • 7 Min

  • 11 Min

  • 5 Min

Der Zinssatz für 30-jährige Hypotheken erreichte vergangene Woche seinen höchsten Stand seit fast drei Jahren.

Trump bezeichnete den Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh als „großartig“, fügte jedoch hinzu, dass der Rest des Vorstands „meiner Meinung nach gerne sähe, dass es dem Land schlecht geht, denn ich bin der Ansicht, dass die Zinsen sinken sollten“.

dbl/Reuters