Handelsstreit USA Kanada: Mark Carneys harter Kurs gegen Donald Trump ist nötig

Der kanadische Premier Mark Carney wehrt sich gegen die Attacken von US-Präsident Donald Trump. Foto: IMAGO/ZUMA Press
Die nächste Provokation ließ nicht lange auf sich warten. Wenige Tage, nachdem die Handelsgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada zusammengebrochen waren und der kanadische Premier Mark Carney massive Gegenzölle gegen die USA angekündigt hatte, lud Donald Trump ins Oval Office. Dort unterzeichnete er eine Executive Order, die den Lake Ontario, den sich beide Länder teilen, in „Lake America“ umbenannte.
Dass es dem US-Präsidenten dabei nicht nur um Namenskonventionen im nordamerikanischen Süßwasserbereich ging, machte er gleich mit deutlich. Der Nachbar im Norden „hat uns im Handel schon seit langer Zeit über den Tisch gezogen“, beklagte Trump.
Die Umbenennung ist eine denkbar kindische Reaktion auf die jüngste Eskalation des Handelsstreits zwischen den beiden Ländern. Und damit leider eine völlig erwartbare. Seit Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, piesackt er die Kanadier immer wieder mit großen und kleinen Nadelstichen.

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Mal ist es ein Post auf seiner Social-Media-Seite, der das Land zum 51. Bundesstaat degradiert, mal ein ausgewachsener Zollhammer. So ist es dem 80‑Jährigen gelungen, die kanadische Bevölkerung massiv gegen sich aufzubringen – eine Stimmung, der Regierungschef Carney Rechnung tragen muss. Kein Wunder also, dass er im aktuellen Handelsstreit nicht auf Besänftigung setzt, sondern auf Konfrontation. Etwas anderes würde ihm seine Öffentlichkeit auch nicht durchgehen lassen.
Zerbrochenes Verhältnis
Es ist etwas zerbrochen zwischen den Nachbarn. Trumps anhaltende Provokationen haben dafür gesorgt, dass sich unter den Kanadiern offener Zorn auf die Amerikaner ausgebreitet hat. Dieser entlud sich das erste Mal im vergangenen Jahr, als Kanada ein neues Parlament wählte und überraschend den liberalen Mark Carney im Amt bestätigt hatte, nachdem zuvor lange Zeit die konservative Opposition in Führung gelegen hatte. Deren Spitzenkandidat galt plötzlich als zu Trump-freundlich, wurde bei den Wahlen für seinen MAGA-Kuschelkurs empfindlich abgestraft.
Doch die Verärgerung ging weiter. Wer damals durch kanadische Supermärkte spazierte, der war umgeben von kleinen und großen Hinweisschildern auf Produkte aus heimischer Herstellung. „Buy Canadian“ wurde so zu einer virulenten Widerstandspose – begleitet vom aus dem Eishockey entliehenen Schlachtruf „Elbows Up!“ – Ellenbogen raus! Sollte heißen: Wir lassen uns nicht herumschubsen. Auch wenn es wehtut.
Und Schmerzen wird der neue Konflikt den Kanadiern bereiten. Schließlich sind die Volkswirtschaften der beiden Länder eng miteinander verwoben. Die US-Zölle, auf die Carney nun in gleicher Höhe reagieren will, werden vor allem die viel kleinere kanadische Wirtschaft hart treffen und könnten das ohnehin mäßige Wachstum erneut abwürgen. Trotzdem findet Carney für seinen Kurs große Unterstützung. Man könnte sagen, er ist alternativlos.

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Denn was Trumps Team in den Verhandlungen über die Wirtschaftsbeziehungen von Kanada gefordert hatte, war für eine Nation mit Selbstachtung nicht hinnehmbar. Kanada wäre zu einem handelspolitischen Vasallen der USA geworden, hätte gar seine französische Etikettierung aufgeben müssen. Natürlich war das inakzeptabel. Natürlich musste Carney da in den Konflikt gehen – auch wenn es sein Land viel kosten wird.
Damit sind die Kanadier erst das zweite Land, das sich so klar gegen Trumps Kurs positioniert. Das erste war China – eine Nation, die angesichts ihrer Kontrolle über einen großen Teil der Seltenen Erden auf dem Weltmarkt ihren eigenen Hebel zur Verfügung hatte, um den Amerikanern Schmerzen zuzufügen. Im Konflikt mit Peking knickte Trump ein.
Wie das Experiment für Ottawa ausgehen wird, ist gleichwohl eine andere Frage. Immerhin: Ganz ohne Druckpunkte stehen auch die Kanadier nicht da. Schließlich dürfte der Zollkonflikt vor allem die Wirtschaft in US-Bundesstaaten an der Grenze treffen – Maine, etwa, oder Michigan und Alaska. Und in all diesen Staaten finden in diesem Jahr Senatswahlen statt, in denen sich knappe Rennen abzeichnen. Sollte Trump im November also die Kontrolle über die obere Kongresskammer verlieren, dann dürfte dies auch die Folge seiner Handelspolitik sein.
Dieser Artikel wurde erstmals am 28. August 2026 veröffentlicht. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.