USA und Venezuela: Was wir über das Ölgeschäft zwischen Venezuela und den USA wissen
Donald Trump verkündet den »größten Öldeal der Weltgeschichte« – und behauptet, nun Teile der venezolanischen Ölindustrie zu kontrollieren. Stimmt das?
29. August 2026, 16:27 Uhr
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110 KommentareUS-Präsident Donald Trump hat am Freitagabend ein nach eigenen Angaben historisches Ölabkommen mit Venezuela verkündet. Die Vereinigten Staaten hätten sich die mehrheitliche Kontrolle über 65 Milliarden Barrel aus den venezolanischen Erdölvorkommen gesichert, schrieb Trump in seinem eigenen Onlinedienst Truth Social. Es sei »der größte Öldeal in der Weltgeschichte«. Trump behauptet, die Ölreserven der USA würden sich dadurch mehr als verdoppeln. Sein Außenminister Marco Rubio verspricht sich jetzt niedrige Energiepreise.
Stimmt das? Welche Folgen kann so eine Vereinbarung haben? Die wichtigsten Fragen und Antworten
Übersicht:
Wie wichtig ist das Öl aus Venezuela für den Weltmarkt?
Eigentlich ist Venezuela eine Ölsupermacht – und könnte zukünftig ein bestimmender Faktor für den weltweiten Ölmarkt sein. Doch dass es dazu kommt, liegt in weiter Ferne. Venezuela verfügt über etwa 17 Prozent der weltweiten Ölreserven, das sind 303 Milliarden Barrel. Damit sind Venezuelas Reserven größer als jene Saudi-Arabiens. Doch bislang ist das südamerikanische Land für den Weltmarkt so gut wie irrelevant: Vergangenes Jahr konnten gerade mal rund 1,1 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert werden, das war laut dem Jahresbericht 2025 des renommierten Londoner Energy Institute lediglich ein Prozent der weltweiten Produktion.
Zum Vergleich: Saudi-Arabien, das führende Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), hat über das gesamte Jahr 2025 mehr als elf Millionen Barrel am Tag gefördert, den höchsten durchschnittlichen Output hatten die USA mit über 13 Millionen Barrel. Selbst der international sanktionierte Iran, der theoretisch gar kein Öl auf dem Weltmarkt verkaufen dürfte, hat 2025 über fünf Millionen Barrel gefördert und einen großen Teil davon über seine Schattenflotte nach China verkauft. Weil die Vereinigten Staaten seit 2019 Energiesanktionen gegen das Maduro-Regime verhängt haben, verkaufte Venezuelas staatliche Ölgesellschaft PDVSA das meiste Erdöl ebenfalls nach China, bis zu 90 Prozent der Exporte gingen direkt oder indirekt über Malaysia dorthin. Die Erlöse aus dem Erdölexport stellten rund 90 Prozent der Staatseinnahmen des Landes.
Im Jahr 2000 noch lag die venezolanische Produktion des extraschweren Rohöls aus dem Orinoco-Gürtel bei 3,2 Millionen Barrel täglich. Der Einbruch hat vor allem mit Jahrzehnten der Misswirtschaft zu tun, bereits in den 1970er-Jahren war die Ölindustrie verstaatlicht worden (siehe Frage: Was bringt der Deal Venezuela?). Der frühere Präsident Hugo Chávez zwang ausländische Produzenten in staatlich geführte Joint Ventures und ließ Vermögenswerte enteignen, darunter Projekte von ExxonMobil und ConocoPhillips.
Kehren jetzt internationale Ölfirmen nach Venezuela zurück und würde die Produktion auf moderate 1,5 bis 2 Millionen Barrel pro Tag steigen, hätte das noch keinen nennenswerten Einfluss auf dem Weltmarkt. Immerhin schätzten Analysten von Goldman Sachs Anfang des Jahres, dass die Ölpreise bis 2030 um vier Dollar je Barrel niedriger liegen könnten, wenn Venezuelas Rohölförderung auf zwei Millionen Barrel pro Tag steigt. Bevor Venezuelas Anteil am Weltmarkt zu wirklich sinkenden Benzinpreisen führen wird, muss der Ausbau der für die Förderung, den Transport und die Raffination des venezolanischen Schweröls erforderlichen Infrastruktur geleistet werden. Dieser könnte viele Jahre in Anspruch nehmen.
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Wieso ist dieser Deal wichtig für Trump?
Was der US-Präsident sich erhofft, liegt auf der Hand: Die weitgehende Kontrolle über die größten Ölreserven der Erde zu erlangen, wäre ein Manöver nach Trumps Geschmack. Zumal er sich vor seinen Wählerinnen und Wählern derzeit massiv für die extrem gestiegenen Energiepreise in den USA rechtfertigen muss. Zwar ist die wirtschaftliche Lage im Land weitgehend stabil, auch wegen der enormen Erfolge der Tech- und KI-Industrie. Die USA erleben aber eine Art modernen Ölpreisschock: Seit Amerikas Angriff auf den Iran sind die Verbraucherpreise deutlich gestiegen und Trump steht vor den Zwischenwahlen im November unter großem Druck, die Sorgen der Verbraucher vor den zeitweise um 50 Prozent gestiegenen Benzinpreisen abzumildern. Günstigere Ölimporte und eine gesteigerte Produktion sollen Trump nun helfen.
Schon länger suchen die USA nach Wegen, ihre strategische Erdölreserve wieder aufzufüllen. Durch die Vereinbarung mit Venezuela werde die Menge des den USA potenziell zur Verfügung stehenden Öls auf mehr als das Doppelte anwachsen, behauptet Trump. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA verfügten die USA Ende 2024 über Vorkommen von 46 Milliarden Barrel. Allerdings sind darin nicht nur Rohöl, sondern auch das Kondensat enthalten, das bei der Förderung aus dem Bohrloch gewonnen wird.
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Hat Trump Maduro in Wahrheit entführt, um an Venezuelas Öl zu kommen?
Diese Frage wird sich womöglich niemals wirklich beantworten lassen. Als US-Spezialeinheiten den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro Anfang Januar verschleppten und aus Caracas in die USA brachten, begründete die US-Regierung das offiziell damit, dass Maduro nicht rechtmäßig gewählt sei, eine korrupte Regierung anführe und in den weltweiten Drogenhandel verwickelt sei, der verheerende Auswirkungen auf die USA habe. Maduro sitzt weiterhin in New York in Haft, wo ihm wegen »Drogenterrorismus« der Prozess gemacht werden soll.
Trump sagte unmittelbar nach Maduros Entführung aber auch schon: US-Ölfirmen sollten in Venezuela rasch damit beginnen, »Geld für das Land« zu machen und »Milliarden von Dollar« zu investieren. Seit Maduros frühere Stellvertreterin Delcy Rodríguez die von den USA geduldete Übergangspräsidentin von Venezuela ist, macht sie sich für eine Öffnung Venezuelas für ausländische Investitionen, insbesondere im Energiesektor, stark. Zugleich übt Trump starken Druck auf Rodríguez aus, den USA Zugang zu den venezolanischen Vorkommen zu gewähren – und drängt seit Monaten US-Energieunternehmen, in Venezuela zu investieren. Dass Trump zumindest die möglichen Ölgeschäfte im Hinterkopf hatte, als er im Januar den Befehl gab, Maduro zu entführen und Venezuela anzugreifen, kann man also ebenso wenig ausschließen wie beweisen.
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Was bringt der Deal Venezuela?
Viele Venezolaner hegten nach Maduros Entführung die Hoffnung, dass ihr Land, das ökonomisch am Boden liegt, jetzt einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben könnte. Bislang hat sich von diesen Hoffnungen wenig erfüllt. Das neue Abkommen mit den USA könnte nun durchaus für Perspektiven sorgen: Interimspräsidentin Delcy Rodríguez begrüßte den Deal öffentlich und erklärte, er werde der Staatskasse 209 Milliarden Dollar einbringen. Sie rechne mit einer deutlichen Produktionssteigerung durch die Erschließung von 17 strategisch wichtigen Ölfeldern.
»Diese Investitionen werden nicht nur zur Erholung und Modernisierung unserer Industrie beitragen, sondern auch zum Wirtschaftswachstum unseres Landes, zur Energiesicherheit unserer Hemisphäre und zu einem besseren Gleichgewicht auf den internationalen Märkten«, erklärte sie. US-Außenminister Marco Rubio schrieb parallel im Onlinedienst X, die Vereinbarung werde Venezuela fast 100 Milliarden Dollar (85,8 Milliarden Euro) an privaten Investitionen bringen. Rubio erklärte, der Deal bedeute für Venezuela »Tausende gut bezahlte Jobs« und einen Beitrag zum »Wiederaufbau von Venezuelas Wirtschaft«.
Experten und Analysten melden aber Zweifel an, dass das realistisch ist. Erstens wegen zahlreicher rechtlicher Hürden (siehe Frage: Wer soll das Öl jetzt fördern – und wie?), aber auch weil die venezolanische Ölindustrie derart am Boden liegt, dass unklar ist, ob ein Wiederaufbau wirtschaftlich möglich und finanzierbar sein wird und die entsprechenden Investoren dazu bereit sind – auch vor dem Hintergrund der enormen politischen und ökonomischen Instabilität in dem Land.
Unter dem früheren Präsidenten Hugo Chávez ging die verstaatlichte Ölproduktion Venezuelas drastisch zurück. Dass sich Rodríguez seit ihrer Amtsübernahme für die Öffnung ihres zuvor extrem abgeschotteten Landes insbesondere für Investitionen aus dem Energiesektor starkmacht, zeigt, dass das Land seinen Kurs radikal verändert hat – sicher in der Hoffnung auf einen Aufschwung. Dass Trump Venezuela als »51. Bundesstaat« bezeichnet und stolz erklärt, dass die USA das venezolanische Öl »kontrollieren«, zeigt aber auch, dass es seiner Regierung im Zweifel weniger um das Wohlergehen der venezolanischen Ökonomie gehen dürfte – und in erster Linie um den Nutzen für die USA.
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Wer soll das Öl jetzt fördern – und wie?
Die betreffenden Ölfelder aus der Vereinbarung sollen angeblich in einem Pachtmodell an US-Produzenten versteigert werden, heißt es bei der Wirtschaftsagentur Reuters. Die Ölfelder befinden sich demnach in den Regionen des Orinoco-Gürtels und des Maracaibo-Sees.
Bevor private Unternehmen aus den Vereinigten Staaten und anderen Ländern aber nennenswerte Investitionen tätigen, müssen erst die Einzelheiten zur rechtlichen und finanziellen Ausgestaltung der Vereinbarung bekannt werden. Außerdem sind die Bedingungen in Venezuela durch die jahrelange Misswirtschaft des Staatskonzerns PDVSA schwierig. Reuters zitiert dazu den US-amerikanischen Energieberater David Goldwyn, der bezweifelt, dass die neue Trump-Regelung Investitionen in nennenswertem Umfang beschleunigen könnte. Er verweist auf die politische Unsicherheit im Land und das unzureichende Stromnetz. Außerdem gäbe es »keinen Präzedenzfall dafür, dass die US-Regierung einen Pachtvertrag für den Betrieb von Ölfeldern abschließt«.
Allerdings ist mit der Ölfirma Chevron seit Langem ein US-Unternehmen in einem Gemeinschaftsunternehmen mit PDVSA in Venezuela tätig. Chevron produzierte in Venezuela im Jahr 2024 rund 200.000 Barrel am Tag und hat Erfahrungen vor allem mit der Aufbereitung des in Venezuela vorherrschenden besonders schweren Rohöls gesammelt.
Mit Material von Reuters und AFP
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