Valley: Animationen zeigen, wo Sturzfluten nach Starkregen drohen

Stand: 01.08.2026, 17:37 Uhr

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Umfangreiche Dokumentation: Ingenieur Thomas Pfleger vom Büro cfLab präsentiert die erstellten Gefahrenkarten für Valley.

Umfangreiche Dokumentation: Ingenieur Thomas Pfleger vom Büro cfLab präsentiert die erstellten Gefahrenkarten für Valley. © Heidi Siefert

Ein Ingenieurbüro hat für 21 Teilgebiete in Valley simuliert, welche Fließwege das Wasser bei Starkregen nimmt. Rund 50 Bürger diskutierten, ob die Karten den Wert ihrer Immobilien senken.

Valley – Was könnte es für Folgen haben, wenn sich ein Starkregen über Valley ergießt? Das machen die Animationen recht anschaulich deutlich, die beim Bürgerinformationsabend zum Thema kommunales Sturzflut-Risikomanagement im Schloss-Bräu-Saal vorgestellt wurden. Wie andere Orte zuvor (wir berichteten), lässt die Gemeinde im Rahmen eines staatlichen Förderprogramms gerade ein derartiges Konzept erstellen. Das damit beauftragte Ingenieurbüro cfLab und das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim präsentierten nun erste Erkenntnisse und stellten sich den Fragen von rund 50 interessierten Bürgern.

Als Projektingenieurin Marina Brunner die Animation startet und sich zahlreiche Pfeile über den Ausschnitt einer Landkarte von Valley bewegen, die Farbflecken in unterschiedlichen Blautönen mit sich bewegen, erinnert das an die großen Karten bei der Wettervorhersage im Fernsehen. Die Animation simuliert Sturzfluten, die deshalb so gefürchtet sind, weil sie in der Regel sehr plötzlich und intensiv auftreten und keine Zeit mehr lassen, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Anders als bei Hochwasserereignissen an Seen und Flüssen, sind diese Starkregenereignisse kaum vorhersehbar. Sie sind grundsätzlich überall eine Gefahr, weil Wolkenbrüche überall auftreten können. Welche Fließwege das Wasser nimmt und wo diese eine Gefahr darstellen können, zeigen die Simulationen, die es nun auch für Valley gibt.

Damit sei der größte Teil der Arbeit erledigt, erklärte cfLab-Geschäftsführer Ingenieur Thomas Pfleger und schilderte, wie über das gesamte Gemeindegebiet ein Gitter mit zwei Millionen Netzwerkpunkten gelegt worden sei. Bodenbeschaffenheit, Geografie, Gebäude und Erfahrungen aus der Vergangenheit wurden eingepflegt und Modelle erstellt. Aus diesen wurden am Computer in drei- bis vierstündigen Simulationen für 21 Teilgebiete mögliche Szenarien für ein Jahrhunderthochwasser (HQ100), ein 30-jährliches Hochwasser (HQhäufig) sowie ein Extremereignis (HQextrem) errechnet.

Im Wesentlichen seien die nördlichen Ortsteile mit ihren sickerfähigen Böden und wenig Hanglagen relativ ungefährdet im Vergleich zum Süden. Problematisch können aber nicht nur geologische und geografische Besonderheiten sein, auch Gebäude oder Tiefgaragen können Probleme bereiten. Und selbst sickerfähige Böden sind im Einzelfall nicht mehr aufnahmefähig.

Nicht untersucht wurde die Mangfall. Zum einen ist der Fluss als sogenanntes Gewässer erster Ordnung bereits vom Freistaat hinsichtlich der Hochwassergefahren kartiert. Darüber hinaus stelle die Mangfall aufgrund ihrer tief eingeschnittenen Lage für Sturzfluten keine relevante Gefahr dar.

Aus der Präsentation entwickelte sich eine rege Diskussion. Unter anderem befürchteten Valleyer durch das öffentliche Bekanntwerden möglicher Risiken einen Wertverlust ihrer Immobilien. Hans Heigenhauser, beim Wasserwirtschaftsamt Rosenheim für Gewässerentwicklung Wasserbau im Landkreis Miesbach verantwortlich, gab zu bedenken, dass auch ohne diese Karten Gefahren nicht unbekannt seien, und es keine gute Idee sei, sie zu vertuschen.

Ob sich die Daten auf die Berechnung der Höhe von Versicherungsgebühren auswirken können, vermochten weder Heigenhauser noch Pfleger zu sagen. Die dafür relevanten Zonen lege jeder Versicherer individuell fest. Wie genau, das verglich der Fachmann vom Wasserwirtschaftsamt mit einer Black Box.

Vorschläge aus der Zuhörerschaft, durch Straßenabsenkungen potenzielle Wasserströme aufzulösen, betrachten die Experten kritisch und geben zu bedenken, dass grundsätzlich der Schutz des eigenen Anwesens nicht zur Gefahr für andere werden dürfe. Konkretere Ideen ergäben sich möglicherweise aus der weiteren Auswertung.

Ziel sei es, in etwa einem halben Jahr aus den gewonnenen Erkenntnissen Vorschläge für konzeptionelle Maßnahmen und Strategien zur Absicherung zu entwickeln, skizzierte Pfleger das weitere Vorgehen. Bürgermeister Bernard Schäfer ergänzte, dass sich Bürger bei Fragen zu den Gefahrenkarten an die Gemeinde wenden können. Die Simulationen werden in den nächsten Tagen auf der kommunalen Website eingestellt (gemeinde-valley.de).