„Veränderung der politischen Haltung“: Merz sieht Freundschaft mit den USA am Ende - und zieht Konsequenzen

Stand: 18.09.2026, 22:51 Uhr

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Bundeskanzler Merz sieht die Beziehungen zu den USA als belastet. Seine Schlussfolgerung: Deutschland müsse dies als Chance sehen und sich mehr um sich selbst kümmern.

Berlin/Washington, D.C. – Eine enge Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten war seit dem Zweiten Weltkrieg ein Grundpfeiler deutscher Außenpolitik. Das könnte sich nun ändern: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht davon aus, dass die US-amerikanische Regierung unter Präsident Donald Trump das transatlantische Bündnis nicht mehr so wertschätzt wie vorherige Administrationen. Die Bundesregierung habe ihre Lehren daraus gezogen.

Kanzler Friedrich Merz spricht kurz vor der Berlin-Wahl im Konrad-Adenauer-Haus.

Bundeskanzler Friedrich Merz geht davon aus, dass die transatlantischen Beziehungen zu den USA für längere Zeit belastet sind. © Michael Kappeler/dpa

Nach dpa-Angaben sagte Merz bei einer Veranstaltung mit dem Berliner CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers, dass die Zeit der „unbedingten transatlantischen Freundschaft“ wahrscheinlich für längere Zeit vorbei sei. „Wir sehen auf der anderen Seite des Atlantiks eine Veränderung der politischen Haltung, eine Veränderung auch der Einschätzung des transatlantischen Bündnisses, die wir so möglicherweise nicht für möglich gehalten haben“, so der Bundeskanzler weiter.

Persönliches Verhältnis zwischen Merz und Trump hat sich abgekühlt – trotz Telefonat

Am Donnerstag (17. September) hatte Merz mit Trump telefoniert. Laut Handelsblatt betonten beide die besondere Verbundenheit zwischen Deutschland und den USA und sprachen über die anhaltenden Krisen um die Straße von Hormus und das Rote Meer. Auch die Bemühungen der USA zum Ende des Krieges in der Ukraine wurden angesprochen.

Das Verhältnis zwischen Merz und Trump hatte sich zuvor durch Merz’ Kritik am Iran-Krieg verschlechtert, aber auch die Zollkonflikte spielen eine Rolle. „Es war überfällig, dass wir jetzt mehr Verantwortung für uns selbst übernehmen“, so Merz laut dpa. Die Bundesregierung hat etwa die Verteidigungsausgaben deutlich erhöht.

Kanzler Merz: Deutschland erholt sich wirtschaftlich

Außerdem ist für Merz klar, dass sich Deutschland inzwischen auf dem Weg einer wirtschaftlichen Erholung befinde. „Wir sind auf dem Weg raus aus der Krise.“ Im Jahr 2026 werde es in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von ungefähr 1,3 Prozent geben, womit man das „Tal einer schrumpfenden oder stagnierenden Volkswirtschaft“ verlassen habe. Dennoch seien weitere Reformen nötig.

Zuletzt hatten auch Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen nach oben geschraubt. Vor allem Milliardenausgaben des Staates zur Modernisierung der Infrastruktur treiben das Wachstum an. Im Frühjahr musste die Bundesregierung infolge des Iran-Kriegs durch Preissprünge bei Öl und Gas ihre Konjunkturprognose senken. Für 2026 sagte sie ursprünglich nur ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent voraus.

US-Präsident Trump über Deutschland: AfD „im Aufwind“

Zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Regierung gab es in der Vergangenheit immer wieder Reibungspunkte: So hatte etwa Trump den Sieg der Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in diesem Monat gelobt. „Wow! Die populistische Partei in Deutschland hatte gerade einen wirklich großen Abend“, schrieb Trump laut der Zeit auf seiner Onlineplattform. Er sprach von einer Bewegung „im Aufwind“. Außerdem fügte er das auf Deutschland umgemünzte Akronym „MGGA“ hinzu, das sich an „Make America Great Again“ anlehnt.

Im April hatte dagegen Merz vor einer Gruppe von Schülern gesagt, US‑Unterhändler auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Krieg mit dem Iran würden „gedemütigt“. Der US-Präsident reagierte darauf mit der Ankündigung, rund 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. (Quellen: handelsblatt.com, zeit.de, dpa) (jws)