Verformte Schädel als Beweis: Babypflege könnte über eine Million Jahre alt sein

Stand: 01.08.2026, 07:30 Uhr

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Eine Frau beugt sich über ihr Baby und küsst die kleinen Füße der Tochter.

Möglicherweise haben die frühen Menschen schon vor einer Million Jahre gemeinschaftlich ihre Kinder betreut und erzogen. © Harald Oppitz/KNA

Der Ursprung menschlicher Fürsorge könnte deutlich weiter zurückreichen als bislang angenommen. Fossile Schädel liefern neue Hinweise darauf, dass bereits der Homo erectus seinen Nachwuchs lange versorgen musste.

Tokio (KNA) – Auch den Eltern der frühen Menschen vor hunderttausenden Jahren fiel es offenbar nicht leicht, ihre Kinder großzuziehen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Tokio. Die Wurzeln von Fürsorge, Elternschaft und möglicherweise sogar gemeinschaftlicher Kinderbetreuung reichen demnach viel weiter zurück als bisher angenommen.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Laut der Studie eines internationalen Forschungsteams unter der Leitung von Yousuke Kaifu sprechen charakteristische Verformungen fossiler Schädel dafür, dass sich Säuglinge bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte nur langsam entwickelten und über längere Zeit intensive Fürsorge benötigten.

Solche Schädelverformungen entstünden heute bei manchen Säuglingen, wenn die noch weichen Schädelknochen über längere Zeit einseitigem Druck ausgesetzt sind – also lange liegen. Möglich werde dies nur, weil menschliche Neugeborene mit einem noch unreifen Schädel und schwacher Nackenmuskulatur geboren werden, erklärt Kaifu. Für ihre Analyse verglichen die Wissenschaftler mehr als 1.500 Schädel von heutigen Menschen und Menschenaffen mit den Fossilien.

Gemeinsame Erziehung vor einer Million Jahren

Sollte die Interpretation zutreffen, hätte sich die für den Menschen typische lange Phase der Hilflosigkeit als Säugling bereits vor mehr als einer Million Jahren entwickelt. Die Folge wäre demnach, dass Eltern und möglicherweise weitere Gruppenmitglieder den Nachwuchs über längere Zeit versorgen mussten. Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass aufwendige Kinderbetreuung und kooperatives Sozialverhalten schon bei frühen Vertretern der Spezies Mensch eine wichtige Rolle spielten.

Die Forschenden betonen allerdings, dass ihre Methode nun an weiteren Fossilien überprüft werden müsse. Zwar sprächen Erhaltungszustand und Computertomografien dafür, dass die Schädelverformungen bereits zu Lebzeiten entstanden und nicht erst nach der Fossilisation. Vollständig ausschließen lasse sich ein Einfluss geologischer Prozesse jedoch nicht.