Eishockey: DEL-Start: Verjüngte Grizzyls Wolfsburg wollen oben mitspielen

Coach Tyler Haskins von den Grizzlys Wolfsburg steht hinter seinen Auswechselspielern

Stand: 17.09.2026 • 19:37 Uhr

Die Grizzlys Wolfsburg wollen nach zwei enttäuschenden Spielzeiten in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in der am Freitag beginnenden neuen Saison wieder an die Top-Teams heranrücken. Die Hoffnungen liegen dabei auf spannenden Neuzugängen sowie Club-Legende Tyler Haskins, der als Chefcoach an seine Erfolge als Spieler mit den Niedersachsen anknüpfen will.

So eine Saisonvorbereitung ist für jeden Profisportler hartes Brot. Kondition bolzen, Taktik verinnerlichen und Trainingslager, in denen es schon mal zum Lagerkoller kommen kann, heißt es für sie. Umso schöner ist in diesen kraftraubenden Zeiten ein bisschen Abwechslung. Für die Kufencracks der Grizzlys Wolfsburg bestand diese unter anderem in der Teilnahme an einer Modenschau beim ortsansässigen Bekleidungspartner.

Vor rund 200 Besuchern bewiesen Kapitän Spencer Machacek und Co. dabei, dass sie nicht nur auf dem Eis eine gute Figur abgeben können. Im Anschluss an die Veranstaltung, die unter dem Motto: "Eishockey meets Fashion" stand, wurde die elegante Freizeitkleidung dann aber wieder gegen Trikot, Pants, Stutzen und Schlittschuhe getauscht. Schließlich galt es für das Haskins-Team, sich auf das schwere Auftaktwochenende mit den Partien am Freitagabend (19.30 Uhr) bei den Kölner Haien und am Sonntag (16.30 Uhr) gegen den EHC München vorzubereiten.

Fliegauf hofft auf stetige Weiterentwicklung

Die Generalprobe für den Liga-Auftakt ließ dabei nur bedingt Schlüsse zu, ob die in der Vorsaison in den Pre-Play-offs an Schwenningen gescheiterten Grizzlys bereit für große Taten sind. Beim Vorbereitungsturnier von DEL-2-Club Kassel Hukies verloren die Wolfsburger nach Penaltyschießen gegen die Gastgeber, danach gab es im Spiel um Platz drei einen 4:2-Erfolg gegen die Nürnberg Ice Tigers.

Leistungsschwankungen wie beim Cup in Kassel sind allerdings auch nichts Außergewöhnliches für eine Mannschaft, die seit dem Verpassen der Play-offs in der Serie 2024/2025 behutsam neu aufgebaut wird und nun im Schnitt noch einmal zwei Jahre jünger ist als in der Vorsaison, als sie Achter wurde.

"Wenn man einen Umbau macht, kann man ihn nicht in einem Jahr machen. Wir sind mittendrin, aber auf einem guten Weg", erklärte Sportdirektor Karl-Heinz "Charly" Fliegauf dem NDR. Der 65-Jährige - bereits seit 2007 für die Grizzlys tätig - hofft auf den direkten Sprung in die Play-offs, weiß aber um die Schwere der Aufgabe: "Man muss erstmal unter die ersten zehn kommen. Es ist ein Marathon mit 52 Spieltagen. Das Entscheidende ist, dass sich die Mannschaft von Woche zu Woche verbessert."

Coach Haskins will an Erfolge als Spieler anknüpfen

Dass dem Team bei besagtem Langestreckenlauf nicht die Luft ausgeht, dafür soll Ex-Kapitän Haskins sorgen. Der 40-jährige US-Amerikaner, der von 2010 bis 2018 selbst für die Niedersachsen auf dem Eis stand, übernahm Anfang März das Traineramt von Mike Stewart. Rang acht und das anschließende Scheitern in den Pre-Play-offs waren allerdings nicht der erhoffte Start für den früheren Center. Auch unter ihm fand das Team nicht zu ausreichend Konstanz.

Dass nun alles schnell viel besser wird, kann die Club-Legende, die mit den Grizzyls dreimal Vizemeister wurde, aber nicht versprechen. "Wir haben teilweise Ups and Downs. Es ist wichtig, konstant zu arbeiten, um auch konstant zu spielen. Das wollen wir von Spiel zu Spiel zeigen, deshalb müssen wir an jedem Tag hart arbeiten", erklärte der Trainer. Es sei schwer, eine konkrete Platzierung als Ziel auszugeben, so Haskins. Denn: "Dafür gibt es zu viele Wenns und Abers in einer langen Saison."

Vielversprechende Zugänge verstärken Kader

Positiv stimmt die Verantwortlichen, dass mit Ausnahme von Stürmer Julian Chrobot (Kreuzbandriss) der gesamte Kader "unfallfrei" durch die Vorbereitung gekommen ist. Und für den 25-Jährigen wurde im zehn Jahre älteren Ross Mauermann ein Spieler mit hoher Qualität nachverpflichtet. Der Deutsch-Amerikaner zählte in der vergangenen Dekade beim Nordrivalen Fischtown Pinguins Bremerhaven stets zu den erfolgreichsten Schützen.

Les Lancaster kam von Meister Eisbären Berlin nach Wolfsburg.

Der Routinier ist indes nicht der einzige Zugang, der Wolfsburg auf ein anderes, besseres Niveau bringen könnte. So konnten die Niedersachsen in Verteidiger Les Lancaster sogar einen Spieler von Meister Eisbären Berlin abwerben. Stürmer Tyler Morley hat bereits eine Vergangenheit in der Autostadt und kehrte nun vom EHC Kloten an die Aller zurück.

Madison Bowey wechselt von den Augsburger Panthern zu den Grizzlys und bringt sogar Erfahrung aus der nordamerikanischen Profiliga NHL mit. Und auch Center Will Graber (Nürnberg), Verteidiger Tommy Pasanen (Löwen Frankfurt) sowie der erst 18-jährige Dustin Willhöft (Saskatoon Blades U20) sind Stand jetzt Gewinne für das Team.

Ramoser: "Wollen das Titelrennen gewinnen"

Die Mischung aus Jung und Alt sowie das Binnenklima scheinen bei den Grizzlys zu stimmen. Kapitän Machacek schwärmte jedenfalls davon, dass sich die Zeit für ihn gerade "wie Weihnachten" anfühle. Angreifer Julius Ramoser traut dem Team sogar den ganz großen Sprung zu. "Mannheim, Berlin und Köln sind in der Geschichte der DEL immer die ganz großen Namen. Aber ich finde, dazu gehören wir jetzt auch. Mit ihnen versuchen wir in dieser Saison in jedem Fall mitzuhalten und das Rennen um den Titel gewinnen", erklärte er selbstbewusst.

VW verlängert Vertrag

Die erste Meisterschaft in der Vereinshistorie, sie wäre natürlich so ganz nach dem Geschmack von Geldgeber VW. Doch unabhängig vom Ausgang der Saison wird der kriselnde Autokonzern dem DEL-Club die Treue halten, wie Fliegauf dem NDR bestätigte. Der Vertrag sei gerade um drei Jahre verlängert worden, so der Sportdirektor. Nichtsdestotrotz werde auch bei den Grizzlys natürlich jede Ausgabe noch einmal sorgsamer kontrolliert, "um zu schauen, wie wir der Situation gerecht werden können".

Zumindest bei den Ausgehanzügen müssen die Wolfsburger nicht den Rotstift ansetzen. Denn die liefert ja der ortsansässige Bekleidungspartner. Und vielleicht gibt es dort nach dieser Serie ein weiteres gemeinsames Event. Im besten Fall könnte das Motto dann "Mode meets Meister" lauten...