Verkehr in Frankreich: Ökomaut in Frankreich kommt – diese Transitstrecken nahe dem Saarland werden teurer
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Verkehr in Frankreich Ökomaut in Frankreich kommt – diese Transitstrecken nahe dem Saarland werden teurer
Paris · Die A35 im Elsass gilt als Ausweichroute für alle, die die Lkw-Maut in Deutschland vermeiden wollen. Rund 50 Euro lassen sich so sparen. Aber das wird bald anders. Was Frankreich plant und wie teuer es für Lkw wird.
12.09.2026 , 08:09 Uhr
Der Transitverkehr im Elsass macht die Hälfte des gesamten Lkw-Verkehrs aus, der auf den Autobahnen A35 und A36 fließt. Daran will die Europäische Gebietskörperschaft Elsass bald Geld verdienen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Foto: dpa/Philipp von Ditfurth
Vor mehr als zehn Jahren wurde die Maut von der Nationalversammlung ad acta gelegt, nun führt Frankreich sie doch ein – als regionale Ökomaut für Lkw. Den Anfang machen die Region Grand Est und die Europäische Gebietskörperschaft Elsass im kommenden Jahr. Welche zentralen Straßen im Département Moselle und im Elsass betroffen sind und was bretonische Landwirte und Deutschland mit der neuen Maut zu tun haben.
Durchschnittlich 15 Cent pro Kilometer
Die Maut gilt generell für Güter-Schwerlastfahrzeuge, deren zulässige Gesamtmasse mehr als 3,5 Tonnen beträgt. Die Tarife variieren nach Fahrzeugklasse und Emissionsstufe. Die Europäische Gebietskörperschaft Elsass, die Collectivité européenne d’Alsace (CeA), führt die Lkw-Maut als erste französische Gebietskörperschaft zum 1. Januar 2027 ein. Im Elsass heißt die Maut „R-Pass“, ihre Tarife liegen zwischen 7,1 und 34,5 Cent und bei durchschnittlich 15 Cent pro Kilometer. Die CeA rechnet mit Einnahmen von rund 60 Millionen Euro pro Jahr.
In den restlichen Départements der Region Grand Est startet die Gebühr als „Éco-Contribution Poids Lourds“ (ECPL), also Umweltabgabe für Lkw, zum 1. Juli 2027. In der Region Grand Est, die ans Saarland grenzt, werden rund 500 Kilometer Strecke für Lkw gebührenpflichtig, die bisher für alle mautfrei waren – und für Pkw auch mautfrei bleiben.
Maut-Sparer sollen ausgebremst werden
In den Départements Moselle und Meurthe-et-Moselle betrifft die Gebühr auch die A31. Hier rollt viel Lkw-Verkehr entlang, auffällig vor allem an Wochentagen im Berufsverkehr, wenn sich vor Nancy und um Thionville regelrechte Lkw-Karawanen bilden. Im Elsass betrifft die Maut vor allem die Autobahnen A35 und A36 außerhalb der Straßburger Eurométropole, außerdem die Départementsstraßen RD83 zwischen Colmar und Sélestat, die RD1363, RD502 und RD504.
„Die Einführung einer Maut auf der elsässischen Nord-Süd-Achse sowie auf den Verbindungsstraßen zwischen den Autobahnen ermöglicht es, das Ausweichen auf deutsche Straßen zur Vermeidung der deutschen Maut einzudämmen“, teilt die CeA mit. Seitdem Deutschland 2005 die Lkw-Maut eingeführt hat, gilt die elsässische Nord-Süd-Route A35 als Ausweichstrecke und seit der jüngsten Erhöhung noch mehr. „Seit Anfang 2024 ist auf der A35 im Vergleich zu 2023 ein zusätzlicher Anstieg von 1.470 Lkw im Transitverkehr pro Tag zu verzeichnen“, heißt es von der CeA. Die Fahrt auf der A35 koste aktuell 50 Euro weniger als die gleiche Strecke auf der A5 in Deutschland.
Ausnahmen für Handwerker und Landwirte
Wie die CeA noch erklärt, soll der R-Pass nicht nur den Lkw-Transitverkehr zwischen dem Elsass und Deutschland reduzieren, sondern auch Luftverschmutzung, Lärmbelästigung und Straßenschäden. Die Einnahmen sollen unter anderem ins Straßennetz fließen – auch in modernere Raststätten und mehr Ladestellen für Elektrokraftwagen. Beglichen wird die Maut über einen EETS-Anbieter (European Electronic Toll Service) oder per R-Pass-Ticket über die zugehörige Plattform oder App. Wer nicht oder zu spät zahlt, kann eine Strafe von rund 100 Euro bekommen. In den ersten beiden Monaten soll die Strafe zu Aufklärungszwecken gesenkt werden. Zur Kontrolle sollen im Elsass vier Beamte eingestellt werden.
Von der Maut gibt es auch Ausnahmen: Krankenwagen, ÖPNV, Militärfahrzeuge, Laster von lokalen Handwerkern und landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge gehören zu den Fahrzeugtypen, die auf Antrag von der Maut befreit werden. Das gilt auch für ausländische Fahrzeuge, wenn sie die Bedingungen erfüllen.
Keine einheitliche nationale Abgabe mehr
Trotz Ausnahmen gibt es an der Abgabe Kritik. So erklärte beispielsweise der regionale Verband der Metallindustrie und des Handwerks, die „Union des industries et métiers de la métallurgie Grand Est“, dass sie nicht unerhebliche finanzielle Belastungen für Industriefirmen befürchte.
2007 unter der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy initiiert und verabschiedet, wurde eine nationale Lkw-Maut, die Écotaxe, mehrfach verschoben, im Oktober 2014 angesichts starker Proteste – vor allem von Landwirten in der Bretagne – ausgesetzt und aufgegeben. Bis 2021 das Klima- und Resilienzgesetz kam. Es ermächtigt Kommunen und Regionen, eine eigene regionale Lkw-Abgabe einzuführen. Damit ist sie keine einheitliche nationale Abgabe mehr, sondern wird eine Entscheidung der Gebietskörperschaften. (jos)