„Verkehrs-Chaos“ und Mülltonnen-Ärger? Vollsperrung bringt Bürger in Oberbayern auf die Palme

Stand: 21.07.2026, 06:15 Uhr

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Schranken, Absperrungen und schmale Bus-Straßen prägen den Umleitungsverkehr in Bad Aibling.

Schranken, Absperrungen und schmale Bus-Straßen prägen den Umleitungsverkehr in Bad Aibling. © Bettinger

In Bad Aibling ist ein wichtiger Knotenpunkt wegen des Kreisverkehr-Baus voll gesperrt. Das Umleitungssystem bringt viele aus dem Takt. Und manche Anwohner auch aus der Fassung.

Bad Aibling – Seit Montag (13. Juli) ist die Schranke zu, die Absperrungen aufgestellt, die Umfahrung eingerichtet. Mit der Vollsperrung des wichtigen Aiblinger Knotenpunktes im Rahmen des Kreisverkehr-Baus an der Kreuzung Ellmosener Straße, Thürhamer Straße und Dieselstraße sind für viele Autofahrer von nun an starke Nerven gefordert. Denn die Vollsperrung, die voraussichtlich bis Ende November andauern wird, bringt zeitgleich auch ein durchaus komplexes und nicht für jedermann einfach zu überschauendes Umleitungssystem mit sich, an das sich die Betroffenen erst einmal gewöhnen müssen, schreibt rosenheim24.de.

Während für viele Autofahrer, die sonst wenige Kilometer in die Innenstadt benötigten, nun eine größere Umfahrung ansteht, gibt es für Busse Alternativrouten durch eingerichtete Einbahnstraßen und für diverse Anwohner „Einzelfalllösungen“, wie es im Vorfeld seitens der Stadt hieß. Doch, wie bei einer solch bedeutenden Verkehrseinschränkung wohl zu erwarten war, knirscht es in den ersten Tagen offenbar noch. Dies zeigen allein zahlreiche Rückmeldungen von OVB-Lesern an die Redaktion.

Kritik an Kommunikation der Stadt

„Wir alle befürworten den Kreisverkehr, das steht außer Frage“, sagt etwa ein junger Familienvater aus dem Neubaugebiet Ellmosener Wies. So sei die Baumaßnahme richtig und unverzichtbar, jedoch sei man von den Umleitungsplänen sowie der dazugehörigen Kommunikation der Stadt „etwas überrascht“ worden. Seine Familie, die etwa für den täglichen Weg zum Kindergarten nur wenige Kilometer benötigte, müsste nun durch die Umfahrungen mit knapp 20 Mehrkilometern rechnen – für die einfache Fahrt. Auf die Bauzeit hochgerechnet kämen hier tausende Extrakilometer hinzu, „was nicht für jeden finanziell so einfach zu stemmen ist“, sagte der 33-Jährige kurz vor Beginn der Baumaßnahme.

Für den Bau des Kreisverkehrs ist die Aiblinger Kreuzung seit Kurzem gesperrt.

Für den Bau des Kreisverkehrs ist die Aiblinger Kreuzung seit Kurzem gesperrt. © Bettinger

Während dem ÖPNV beispielsweise Sonderlösungen zur Verfügung stünden, hatte der gebürtige Aiblinger anfangs das Gefühl, „dass das Ganze aber nicht wirklich bürgerfreundlich umgesetzt wird“. Er beschwerte sich eigenen Aussagen zufolge bei der Stadt und erhielt tatsächlich eine gesonderte Umleitungsoption, die ihm zumindest einen weniger streckenintensiven Umweg ermöglicht. „Wir dürfen jetzt irgendwie hintenrum fahren, wofür ich natürlich sehr dankbar bin“, sagt er. Allerdings verwundere ihn, dass dies offenbar keine einheitliche Regelung für alle Anwohner sei. „Unsere Nachbarn wussten zum Beispiel nichts davon. Aber es wäre doch unfair, wenn manche einen riesigen Umweg fahren müssen, nur weil sie nichts davon erfahren haben.“ Der 33-Jährige fragt sich deshalb, ob hier nur derjenige eine Sonderlösung erhält, der sich auch beschwert.

Probleme für Aiblings Handel?

Denn die Sorgen beziehen sich nicht nur auf die geld- und zeitintensiven Umfahrungen. Eine Bad Aiblingerin, die kurz nach der gesperrten Kreuzung stadtauswärts wohnt, macht sich etwa Gedanken um den Handel in der Kurstadt. Während sie selbst üblicherweise auf kurzem Wege oftmals den Lidl-Markt in der Ellmosener Straße ansteuerte, werde sie es sich künftig dreimal überlegen, dafür einen immensen Umweg auf sich zu nehmen. „Dann fahre ich vermutlich lieber ganz woanders hin zum Einkaufen“, sagt sie und fragt sich zeitgleich, wie wohl Aiblings Handel von der Vollsperrung betroffen sein wird.

Für Verkehrsteilnehmer von der Ellmosener Wies kommend bleibt hier eine Schranke, mit Ausnahme für Busse, geschlossen.

Für Verkehrsteilnehmer von der Ellmosener Wies kommend bleibt hier eine Schranke, mit Ausnahme für Busse, geschlossen. © Bettinger

„Ich finde es gut, dass der Kreisel gebaut wird“, sagt eine weitere Aiblingerin, die in unmittelbarer Nähe zur Kreisverkehr-Baustelle wohnt. Allerdings bringe die Sperrung nun zahlreiche Probleme mit sich, was die 70-Jährige bereits am ersten Tag beobachtet habe. „Natürlich muss sich das einspielen, aber im Feierabendverkehr am Montag sind die Leute so gefahren, als gäbe es keine Sperrungen“, sagt die Frau, die seit 35 Jahren im Aiblinger Norden lebt, sichtlich fassungslos. So seien Einbahnstraßen ignoriert und Absperrungen zum Teil von Autofahrern einfach weggeschoben worden. „Wer da kontrolliert, könnte sich eine goldene Nase verdienen“, ist sich die Anwohnerin sicher.

Aiblingerin empört über Mülltonnen-Kommunikation

Dabei treibt sie neben dem „Verkehrs-Chaos“ vielmehr ein weiteres Thema um – die Müllentsorgung. Laut einer Mitteilung der Stadt seien in den betreffenden Bereichen Restmüll-Sammelstellen eingerichtet, zu denen die Anwohner ihre Mülltonnen an den jeweiligen Abfuhrtagen bis spätestens 6 Uhr morgens bringen sollen. Wer seine Tonnen wohin bringen muss, ist einem auf der Website zur Verfügung gestellten Lageplan zu entnehmen. Für die 70-Jährige sei hier nicht die Einrichtung der Sammelstellen problematisch, sondern die dazugehörige Kommunikation. „Denn es gibt doch auch Leute, die diese Informationen nicht aus dem Internet oder der Zeitung bekommen.“ Sie selbst habe davon in der Nacht auf Montag (13. Juli) zufällig erfahren und die Tonnen „in einer Nacht-und-Nebel-Aktion“ entsprechend abgestellt.

Die Eichenstraße dient dem ÖPNV als Durchfahrt.

Die Eichenstraße dient dem ÖPNV als Durchfahrt. © Bettinger

Dabei wisse sie bis heute nicht, um welche Straßen es genau gehe beziehungsweise wer konkret mit „Anwohner“ gemeint sei. „Anwohner der Ellmosener Straße, Anwohner der Thürhamer Straße oder Anwohner Timbuktus?“ Im Übrigen, so erzählt die Aiblingerin, habe die Müllabfuhr selbst, deren Mitarbeiter die 70-Jährige ausdrücklich lobt, am Montagmorgen nicht genau über die neuen Regelungen Bescheid gewusst.

Polizei hofft auf den Gewöhnungseffekt

Die Stadt hatte im Vorfeld immer wieder um Verständnis bei den Bürgern geworben und die künftigen Vorteile durch die Baumaßnahme hervorgehoben. Antworten auf entsprechende OVB-Anfragen, die beschriebene Problemfälle thematisieren, stehen seitens der Stadt derzeit noch aus. In der Zwischenzeit erreichten die Polizeiinspektion Bad Aibling zahlreiche Beschwerden betroffener Anwohner. Allerdings betonte ein Polizeisprecher auf Nachfrage, dass sich die meisten Probleme im Laufe der Woche einpendeln dürften. „Viele sind seit 30 Jahren anders gefahren und nicht jedem sind entsprechende Umleitungen und Beschilderungen geläufig.“

Natürlich werde man den Verkehr und mögliche Probleme genau beobachten. Die Hoffnung bestehe jedoch, dass sich die größten Schwierigkeiten nach den ersten Tagen dann auch wieder legen werden. Und wer bei allem Verkehrsfrust an der Einschränkung auch etwas Positives finden möchte – und davon sprechen tatsächlich einige betroffene Anwohner –, der nimmt sich nun den sportlichen und gesundheitlichen Aspekt mehr zu Herzen. „Denn es ist ja eigentlich auch eine gute Gelegenheit, jetzt einfach mehr mit dem Fahrrad zu fahren“, sagte ein betroffener Bürger. Denn für den Radverkehr bleibt die Durchfahrt weiterhin frei.