Das Frachtschiff ohne Crew: die Geschichte der gestrandeten "Emma" in Dorsten

Wer am Wesel-Datteln-Kanal bei Dorsten unterwegs ist, dem fällt sie sofort auf: die "Emma". Der rund 80 Meter lange Frachter liegt seit Mitte März an der Kanalpromenade nahe der Dorstener Innenstadt fest vertäut. An Bord ist niemand mehr. Die Besatzung hat das Schiff verlassen. Seitdem bewegt sich die "Emma" keinen Meter.

Nur kurze Aufenthalte erlaubt

Dass ein Frachtschiff so lange an einem öffentlichen Anleger liegt, ist ungewöhnlich. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes "Westdeutsche Kanäle" sind solche Liegeplätze normalerweise für deutlich kürzere Aufenthalte vorgesehen. Frachtschiffe dürfen dort in der Regel nur drei Tage festmachen.

Bauzaun soll Schaulustige fernhalten

Das verlassene Schiff hat inzwischen zahlreiche Neugierige angezogen. Immer wieder versuchen Menschen, sich dem Frachter zu nähern oder einen Blick an Bord zu werfen. Um das zu verhindern, wurde rund um den Liegebereich ein Bauzaun aufgebaut. Die zuständigen Behörden wollen damit sicherstellen, dass niemand unbefugt auf das Schiff gelangt.

Für Anwohner Bernd Feller ist der Frachter längst Alltag geworden. Von seiner Wohnung sind es nur ein paar Schritte bis zum Schiff. Für ihn hat sich das Leben am Kanal dadurch kaum verändert. Die "Emma" wird weder be- noch entladen. Maschinenlärm gibt es nicht. Gerade diese Stille trägt dazu bei, dass viele Dorstener inzwischen von einem "Geisterschiff" sprechen.

Anwohner sorgen sich um die Sicherheit

Besonders beschäftigt Anwohner Bernd Feller jedoch die Frage, ob das Schiff sicher befestigt ist. Er hat beobachtet, dass sich die Haltetaue immer wieder lockern. Sollte sich der Frachter aus der Verankerung lösen, könnte er führungslos auf dem Kanal treiben.

Die zuständigen Behörde habe das Schiff deshalb im Blick. Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes kontrollieren die Situation regelmäßig. Wenn nötig, werden die Taue nachgespannt und neu gesichert, so das Amt.

Wem gehört das Geisterschiff?

Um die Hintergründe der ungewöhnlichen Situation ranken sich inzwischen viele Gerüchte. Einige Anwohner vermuten, dass der Eigentümer des Schiffes möglicherweise in finanziellen Schwierigkeiten steckt oder insolvent ist. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt "Westdeutsche Kanäle" will dieses Gerücht aber nicht bestätigen. Die Behörde aus Duisburg verweist auf laufende Ermittlungen und macht keine Angaben zu den Eigentumsverhältnissen oder möglichen rechtlichen Verfahren.

Bußgeld droht

Klar ist allerdings: Der monatelange Aufenthalt an einem öffentlichen Liegeplatz könnte Konsequenzen haben. Nach Angaben der Wasserstraßenverwaltung drohen bei Verstößen gegen die Liegevorschriften Bußgelder. Diese können zunächst zwischen 125 und 300 Euro liegen. Bei weiteren Verstößen seien auch höhere Sanktionen möglich. Wer letztlich die Verantwortung für die "Emma" trägt und die Weiterfahrt organisiert, ist bislang offen.

Licht am Horizont

Beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hofft man auf eine schnelle Lösung. Einen konkreten Termin für die Abfahrt des Schiffes gibt es jedoch nicht.

„Sagen wir mal so: Es ist Licht am Horizont. Aber das wird nicht heute oder morgen passieren.“ Sven Henneboel, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Westdeutsche Kanäle

Rätsel vor der eigenen Haustür

Solange die Eigentumsverhältnisse ungeklärt sind und niemand den Frachter abholt, bleibt die "Emma" für viele Dorstener das wohl bekannteste Geisterschiff am Kanal. Ein stiller Gast, der eigentlich längst weitergefahren sein sollte.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Anwohner Bernd Feller
  • WDR-Gespräch mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle

Sendung: WDR.de, Gestrandetes Frachtschiff Emma, 08.09.2026, 14:11 Uhr