„Noch nie erlebt“: Verschmutzung im Mittelmeer erreicht kritisches Ausmaß – und bedroht auch Türkei-Urlaub

Stand: 23.08.2026, 13:47 Uhr

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Plastik aus Recyclinganlagen bedroht Antalyas Strände – Wissenschaftler fordern den Notstand. Auch Milliarden an Tourismuseinnahmen stehen auf dem Spiel.

Frankfurt – Wer dieser Tage am Konyaaltı-Strand im Westen der türkischen Großstadt Antalya ins Wasser steigt, schwimmt nicht allein. Plastikfetzen, Mikropartikel und angeschwemmter Abfall treiben durch das türkisfarbene Wasser – und das mitten in der Hochsaison. Nicht nur für viele Türkei-Urlauber ist das ein Ärgernis, viele Expertinnen und Experten sehen darin ein wissenschaftlich belegtes Alarmsignal.

Küste von Antalya in der Türkei

Die Küste von Antalya (Türkei) ist bei Urlaubern sehr beliebt. Doch Plastikmüll macht der Region zu schaffen. © Liu Lei/XinHua/dpa

In Alanya (Provinz Antalya) hat die Stadtverwaltung jetzt einen wissenschaftlichen Bericht zur Plastikverschmutzung der Mittelmeerküsten vorgestellt. Prof. Dr. Sedat Gündoğdu von der Çukurova-Universität und der Sabancı-Universität Istanbul präsentierte dabei Ergebnisse aus Feldstudien entlang der Alanya-Küste.

Türkei: Forscher schlägt wegen Plastikmüll im Mittelmeer Alarm – „Es muss der Notstand ausgerufen werden“

Das Fazit des Fachmanns ist unmissverständlich: Die Mikroplastikbelastung im Mittelmeer hat ein kritisches Niveau erreicht. „Es muss der Notstand ausgerufen werden“, forderte Gündoğdu laut Turizm News. Der Forscher macht vor allem mehr als 140 Recyclinganlagen in der Region Adana und Mersin verantwortlich.

Plastikabfälle gelangen dort über Flüsse und Bäche direkt ins Meer – und dadurch auch an die beliebten Urlauberstrände der Türkischen Riviera. Ein Umstand, der möglicherweise einige Touristinnen und Touristen abschrecken könnte, ihren Urlaub in der Türkei zu verbringen.

Müll-Problem bedroht auch den Türkei-Tourismus

Daher ist die Tourismusbranche längst alarmiert. Die Türkei erwirtschaftet jährlich rund 62 Milliarden Dollar (knapp 53 Milliarden Euro) durch den Tourismus. Davon entfallen allein auf die Provinz Antalya etwa 17 Milliarden Dollar (rund 14,6 Milliarden Euro). Dem gegenüber steht ein Abfallimport-Umsatz von rund 200 Millionen Dollar – ein Missverhältnis, das Gündoğdu scharf kritisiert: Einnahmen aus dem Müllgeschäft dürften nicht auf Kosten der milliardenschweren Tourismuswirtschaft gehen.

Alanya-Bürgermeister Osman Tarık Özçelik bestätigte, dass die Daten klar belegen, woher ein Großteil des Plastiks stammt: aus Recyclinganlagen. „Diese Angelegenheit ist ein Umweltproblem, das über die Politik hinausgeht“, betonte er laut Turizm News.

Urlauberinnen und Urlauber beschweren sich, Anwohnerinnen und Anwohner sind entsetzt

Nicht nur Wissenschaftler schlagen Alarm. Tourismusunternehmerin Pınar Özkaya, die seit 26 Jahren in der Bucht von Çıralı lebt und arbeitet, berichtet gegenüber Hürriyet.de: „Nach 26 Jahren in Çıralı habe ich eine derart starke Verschmutzung noch nie erlebt.“ Das Wasser sei trüber geworden, Gäste beschwerten sich zunehmend. Kürzlich schlossen sich über 100 Freiwillige – darunter Einheimische sowie Touristinnen und Touristen – zusammen. Und sammelten in einer abgelegenen Bucht bei Çıralı tonnenweise Plastikmüll ein.

Dass auch importierter Plastikmüll aus Europa zur Lage beiträgt, ist seit Jahren bekannt. Greenpeace-Expertin Deniz Bayram warnte bereits 2019 beim Deutschlandfunk. Die Türkei sei „schon damit überfordert, ihren eigenen Müll zu trennen und zu recyceln“ – und importiere trotzdem weiter Abfall aus dem Ausland.

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Laut dem EUWID Recycling und Entsorgung verbrachte die Europäische Union (EU) im Jahr 2025 insgesamt 1,46 Mio. Tonnen „Abfälle, Schnitzel und Bruch von Kunststoffen“ in Nicht-EU-Länder. Die Türkei war mit rund ein Drittel der Abfallmenge Großabnehmer.

Derweil einigten auf einer Konferenz in Alanya Vertreter aus Tourismus, Zivilgesellschaft und Politik auf gemeinsame Schritte: Filtersysteme in Recyclinganlagen sollen Pflicht werden, illegale Entsorgung muss konsequent verfolgt und gesetzliche Regelungen schnell umgesetzt werden. Die Alanya-Stadtverwaltung kündigte an, die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden fortzusetzen. (Quellen: Turizm News, Hürriyet, Deutschlandfunk, EUWID Recycling und Entsorgung) (kh)