„Verstehen es nicht“: Erziehungsmethode kann „sehr schädigend“ für Kinder sein

Stand: 18.07.2026, 19:16 Uhr

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Viele Eltern fragen sich, wie sie ihre Kinder am besten erziehen können. Die Wissenschaft hat darauf eine Antwort.

Hamburg – Junge Eltern müssen viele Entscheidungen treffen – vor allem eine grundlegende Frage: Nach welchen Werten und Methoden soll eigentlich erzogen werden? In den vergangenen Jahren ist die bedürfnisorientierte Erziehung öffentlich viel diskutiert worden. Gleichzeitig gab es auch wiederholt Stimmen, die sich von der Erziehungsform wieder abgewendet haben. „Kinder brauchen mehr Grenzen, als moderne Elternschaft zulässt“, schreibt eine Mutter auf Instagram.

Kleiner Junge spielt

Kinder brauchen Grenzen und Anleitungen, sagt eine Erziehungsexpertin. (Symbolbild) © IMAGO / Pond5 Images

Heutzutage hieße es von vielen Seiten, dass zu strikte Grenzen und Regeln die Verbindung zum Kind schädigen würden, schreibt sie im Beitrag. Doch laut mehrerer Studien sei das Gegenteil der Fall. Die Mutter unterscheidet zwischen drei Erziehungsstilen: dem autoritativen, dem permissiven und dem autoritären Stil. Autoritatives Erziehen sei „warm, aber entschlossen“.

Permissive Eltern seien zwar auch warm und liebevoll, würden dem Kind jedoch nur wenige Grenzen setzen und Konflikte sowie Nein-Sagen vermeiden. Autoritäres Erziehen definiert die Mutter als „kalt und kontrollierend. Autoritäre Eltern verlangen Gehorsam durch Angst. Autoritative Eltern setzen Grenzen mit Wärme und Erklärungen.“

Autoritative Erziehung bringt bessere Leistungen und mehr Wohlbefinden

Die Wissenschaft stützt diese Einschätzung. Eine Langzeitstudie des Entwicklungspsychologen Laurence Steinberg zeigt, dass Kinder aus autoritativ erzogenen Familien langfristig am besten abschnitten – in schulischen Leistungen, im emotionalen Wohlbefinden und in ihrer sozialen Kompetenz. Rund 2.300 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren wurden über ein Jahr hinweg befragt. Die Kinder autoritärer Eltern waren nach außen hin angepasst und gehorsam, aber innerlich zurückgezogen. Wer permissiv erzogen wurde, zeigte häufiger Unsicherheiten und Verhaltensprobleme.

Auch viele Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien sehen das ähnlich: „Klare Grenzen geben Kindern Sicherheit und lassen sie Kinder sein“, kommentiert jemand. Eine weitere Person schreibt: „Autoritativ und autoritär dürfen nicht verwechselt werden“ – letzteres würde Menschen bis ins Erwachsenenalter „sehr schädigen“. Eine Person kritisiert das bedürfnisorientierte Erziehen als permissiv, es sei „faul und vernachlässigend“, während eine andere Nutzerin meint, dass bedürfnisorientierte Erziehung autoritativ sei – „die meisten Menschen, die dagegen sind, verstehen es nur nicht“.

Therapeutin: Kinder brauchen Struktur und Regeln – sonst droht Überforderung

Was bedeutet das konkret für den Familienalltag? Melanie Hubermann, Therapeutin, hat dafür ein anschauliches Bild: „Ich sehe die Familienkonstellation als einen Hafen, in dem ein Leuchtturm steht. Der Hafen bietet einen festen Rahmen, klare Strukturen und Regeln“, sagt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. In diesem Vergleich seien die Eltern der Leuchtturm, der „Orientierung bietet, fest im Fundament steht und ein klares Licht ausstrahlt“. Die Schiffe, die im Hafen auf ihre Reise vorbereitet werden, stehen dabei für die Kinder.

„Extrem bedürfnisorientierte Erziehen bedeutet, die Kinder einfach machen zu lassen, wonach ihnen gerade ist.“ So würde Erziehung aber nicht funktionieren. Leuchtturm-Eltern konzentrierten sich nicht auf Kontrolle, sondern auf sich selbst. Ein stabiles Fundament, sagt Hubermann, erfordere Selbstreflexion und Klarheit über die eigene Lebenssituation. „Nur so können sie Werte, Regeln und Grenzen vermitteln. Wir überfordern Kinder, wenn wir ihnen nicht die Welt altersgerecht kleinhalten – mithilfe von Struktur und Regeln. Sie brauchen Anleitung und Grenzen.“ (Quellen: Steinberg et al. (1994), Instagram, eigene Recherche)