U-Boote: TKMS will mit Fincantieri enger zusammenarbeiten

Der Kieler Marineschiffbauer TKMS, der mehrheitlich dem Industriekonzern Thyssenkrupp gehört, nähert sich weiter an den italienischen Schiffbaukonzern Fincantieri an. Beide Unternehmen gaben am Dienstag bekannt, eine Absichtserklärung unterzeichnet zu haben, um ihre Zusammenarbeit im U-Boot- und Unterwasserbereich auszubauen. Sie soll bis Jahresende in einen Kooperationsrahmen münden.

Es ist die zweite derartige Absichtserklärung mit einem europäischen Partner in kurzer Zeit. Erst im Juli schloss TKMS mit der spanischen Navantia ein ganz ähnliches Abkommen. Beide Partnerschaften gleichen sich darin, dass sie ausschließlich auf Zukunftsprojekte abzielen und weder eine Fusion noch den Erwerb von Anteilen oder Vermögenswerten vorsehen. Sie unterscheiden sich aber darin, dass die finanzielle Lage von Navantia als angespannt gilt. Fincantieri hingegen erzielt Gewinne.

Mehr Vernetzung

Die europäische Marineschiffbauindustrie gilt als stark zersplittert. Zugleich sind die Investitionskosten in neue U-Boote in der Regel sehr groß. Umfassende, grenzüberschreitend organisierte Kooperationen können ein Hinweis darauf sein, dass die Partner in Zukunft mit einem noch weiteren Anwachsen des Auftragsbestands rechnen und dass sie glauben, dies mit gebündelten Kapazitäten besser bewältigen zu können. Die Absichtserklärung unterstreiche das Engagement der Partner „für den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit innerhalb der europäischen Schifffahrtsindustrie“, sagte TKMS-Chef Oliver Burkhard.

Als Beginn einer Konsolidierung in der Branche kann man den Schritt indes noch nicht lesen, eher als eine stärkere Netzwerkbildung. „Beide Unternehmen werden weiterhin unabhängig voneinander agieren“, hieß es am Mittwoch von TKMS und Fincantieri. Bestehende Verträge, Programme und Projekte blieben „vollständig unabhängig und unberührt“. Das gelte auch für den anstehenden größten Auftrag in der TKMS-Unternehmensgeschichte für eine U-Boot-Flotte in Kanada, wie ein Sprecher sagte. Die Kieler sind dafür der bevorzugte Bieter und hatten sich gegen die Konkurrenz aus Südkorea durchgesetzt.

Immer wieder die kalte Schulter

Für Fincantieri ist TKMS schon länger ein unverzichtbarer Partner, denn der italienische Konzern ist vorrangig ein Konstrukteur von Kreuzfahrtschiffen und Fregatten. Im U-Boot-Bereich nutzt er Lizenzen, vor allem jene für die TKMS-Modelle U212A und seine Weiterentwicklung U212NFS. Sie sind für die Modernisierung der italienischen Marine entscheidend. Seit dem Jahr 1996 kooperieren TKMS und Fincantieri schon im U-Boot-Bau. Das deutsche Unternehmen ist für Fincantieri auch ein Lieferant von Komponenten.

Der italienische Konzern hatte in den vergangenen Jahren immer wieder seine Fühler ausgestreckt, um auch kapitalmäßig eine Verbindung zum deutschen Werftenkonzern zu prüfen, doch dort zeigte man ihm immer wieder die kalte Schulter. Im Jahre 2021 scheiterte der Versuch einer Fusion von Fincantieri und der französischen Werft STX France in Saint-Nazaire, weil eine lange EU-Kartellprüfung die Angelegenheit verkomplizierte und letztlich die Franzosen nicht mehr mitzogen. In diesem Zusammenhang ist jetzt auch die Versicherung von TKMS und Fincantieri zu sehen, im Kapital keine Annäherung zu suchen.

Künftige gemeinsame Projekte im Unterwasserbereich dürften sich unter anderem auf Ausschreibungen in den Philippinen beziehen, wo die beiden Unternehmen gemeinsam ins Rennen gehen. Zudem gilt etwa Griechenland als potentieller Markt.