Vertikales Trinken: Bier nicht im Stehen trinken – Londoner Vorschlag sorgt für Kritik
Vertikales Trinken: Bier nicht im Stehen trinken – Londoner Vorschlag sorgt für Kritik
In Londons West End sorgt ein Vorstoß gegen das sogenannte vertikale Trinken für Kritik. Betreiber fürchten um Pubs, Jobs und Umsatz.
Menschen stehen am Saint Patrick's Day vor einem Pub in London (Archivbild). Foto: AP Photo/Matt Dunham
Wenn in London die Rede von „vertikalem Trinken“ ist, dann ist damit das Trinken eines Pints im Stehen gemeint. Der Stadtrat von Westminster in der britischen Hauptstadt hat Kritik auf sich gezogen, weil er diese Tradition eindämmen will. Der Stadtrat ist für die Vergabe von Lizenzen an Pubs und Restaurants im Londoner West End zuständig, wo sowohl Touristen als auch Einheimische gerne abends ausgehen.
Viele der Pubs im West End zeichnen sich dadurch aus, dass Gäste dort im Stehen gemeinsam mit Freunden einen Drink zu sich nehmen. An warmen Abenden im Frühling und Sommer nehmen sie ihr Getränk auch gerne mal mit nach draußen auf die Straße. Die Betreiberin des Pubs „The French House“ in Soho, Lesley Lewis, sagte, wenn diese Tradition wegfiele, würden die Gäste zur Konkurrenz in anderen Teilen der Stadt gehen.
„Wir sind auf diese stehenden Leute angewiesen, angesichts der Mieten und der (Steuer-)Sätze, die uns auferlegt werden“, sagte Lewis. „Die Leute wollen in Soho Spaß haben, sie wollen draußen etwas trinken, sie wollen tanzen. Sie wollen sich nicht hinsetzen und einfach dort sein, wo sie sind; sie wollen Leute treffen und sich unterhalten.“

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Nachdem britische Zeitungen über die Angelegenheit berichtet hatten, reagierte der Stadtrat von Westminster mit einer Stellungnahme, in der er von „verwirrenden“ Berichten sprach, die seine Pläne falsch darstellten. Der Stadtratsvorsitzende Paul Swaddle teilte mit, der Vorschlag gehöre zu einem Entwurf für eine Maßnahme, die noch nicht unter Dach und Fach sei. Ziel des Stadtrats sei es, Lärm und ruhestörendes Verhalten zu reduzieren, indem Bars und Restaurants dazu ermutigt würden, mehr Gäste an Tischen zu bedienen. Es gehe nicht darum, das Trinken im Stehen zu verbieten.
Der Entwurf des Stadtrats sieht vor, „exzessive Trunkenheit“ einzudämmen, indem Lokalbetreiber mehr Sitzgelegenheiten schaffen.
In der Stellungnahme des Stadtrats wird dem Gastgewerbe eine wichtige Rolle in der örtlichen Wirtschaft zugesprochen. Doch müsse man auch dafür sorgen, dass Westminster „ein großartiger Wohnort für die Bewohnerinnen und Bewohner“ sei.
Ranghohe Regierungsvertreter stehen dem Plan des Stadtrats kritisch gegenüber. Sie wollen das Gastgewerbe unterstützen, das sich noch immer nicht ganz von der Coronavirus-Pandemie erholt hat.
Ein Sprecher des neuen Premierministers Andy Burnham sagte, ein Pub voller Leute, die herumstehen und ein Pint trinken, sei kein Ärgernis, sondern Teil des „britischen Lebens“.
Burnham versprach bei einem Besuch in einem Pub in Harlow in Essex im Juli, dass er sich in seiner Amtszeit für solche Lokale einsetzen werde.
Auch der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat Bedenken, was die Maßnahme in Westminster angeht. „Man kann keinen weltberühmten Ausgehbezirk mit einem Dorfhallen-Mindset regieren“, teilte Khan auf der Plattform X mit. „Das Londoner Gastgewerbe und das Nachtleben tragen zu Jobs, Kultur und Wachstum bei.“

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