Viel verbrannte Erde in Obertshausen. Und es hätte noch schlimmer kommen können.

Stand: 04.08.2026, 07:00 Uhr

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Eine Wiese wird zum Ascheplatz: Die Flammen haben 16.000 Quadratmeter Natur zerstört, die trotz Trockenheit noch einen kleinen ökologischen Nutzen hatte. In Blickrichtung rechts liegt die Burg im Hain.

Eine Wiese wird zum Ascheplatz: Die Flammen haben 16.000 Quadratmeter Natur zerstört, die trotz Trockenheit noch einen kleinen ökologischen Nutzen hatte. In Blickrichtung rechts liegt die Burg im Hain. © Steffen Gerth

Am Sonntag sind in Obertshausen 16.000 Quadratmeter Wiese abgebrannt. Die Flammen konnten von der Feuerwehr erst kurz vor den angrenzenden Gartenzäunen gestoppt werden.

Obertshausen – Die schwarze Fläche nahe dem Sonnentauplatz erinnert an die hawaiianische Vulkaninsel Big Island im Pazifik. Der Wanderer glaubt überdies, einen verbrannten Geruch in der Nase zu spüren. Die Natur ist tot, man geht über einen großen Ascheplatz. So sieht es aus, wenn ein großes Vegetationsfeuer gewütet hat. Am Sonntag sind zwischen Sonnentauplatz und Burg im Hain rund 16.000 Quadratmeter Fläche abgebrannt.

Von 14.30 bis 19 Uhr waren 75 Feuerwehrkräfte nicht nur aus Obertshausen im Einsatz, zogen Gräben um eine Seite der Brandstelle, um das Übergreifen der Flammen auf die Bäume zu verhindern. Und die Einsatzkräfte brachten enorme Mengen Wasser aus, um das gefräßige Feuer vor dem Erreichen der Häuser zu stoppen. Wie knapp es war, lässt sich an einem Stück der verbrannten Fläche erkennen. Bis zu den ersten Gartenzäunen waren es nur gut dreißig Meter.

Zehn Minuten in der Hitze sind ausreichend

Wer am Montagvormittag über die schwarze Ödnis wandert, hat nach zehn Minuten genug, so heiß ist es. Von oben brennen die Sonnenstrahlen, die von der verbrannten Erde reflektiert werden. Man glaubt Leon Willkomm, den stellvertretenden Stadtbrandinspektor von Obertshausen, jedes Wort, wenn er sagt, dass ein Einsatz wie am Sonntag „unheimlich anstrengend ist“. Denn allein die Sommerhitze macht jede körperliche Aktivität zur Belastung. Doch die Feuerwehrleute haben es ja noch mit einem Flammenmeer zu tun, außerdem schleppen sie Ausrüstung auf ihren Rücken und tragen Atemmasken. Zudem war bei den Löscharbeiten höchste Eile geboten, um ein Übergreifen der Flammen auf die Häuser und damit ein Inferno zu verhindern.

Es war knapp: Die Brandspuren zeigen, wie nah die Flammen sich bis an die Wohnhäuser gefressen hatten.

Es war knapp: Die Brandspuren zeigen, wie nah die Flammen sich bis an die Wohnhäuser gefressen hatten. © Steffen Gerth

Aber allein der Naturschaden hat es in sich. Das merkt man auch dem beeindruckten Revierförster Till Baumhöfner an, der an diesem Montagvormittag hier zufällig vorbeikommt. Selbst, wenn nur eine vertrocknete Wiese niedergebrannt ist, so hatte sie noch ökologischen Nutzen, etwa für kleine Insekten und daher auch für Vögel.

Doch nun stapft Baumhöfner über ein verkohltes, totes Land aus Asche. Noch schlimmer sieht es drüben in Hainburg aus, wo vorige Woche 2,5 Hektar Wald niedergebrannt sind. Schlimme Tage für Menschen, die an der Natur hängen. Eines will Baumhöfner noch loswerden: ein Lob für die Feuerwehr. Denn wie schnell die immer an den Einsatzorten ist, beeindruckt den Förster.

Und angesichts dieser Handlungsbereitschaft der Wehren, muss immer daran erinnert werden, dass auch in Obertshausen Ehrenamtler Flammen wie am Sonntag besiegen. Zumal es noch viel mehr zu tun gibt. Leon Willkomm schaut kurz im Computer nach, wie oft die Feuerwehr der Stadt allein im Juli ausrücken musste: 47 Mal. Dreimal halfen die Kräfte in der Nachbarschaft aus, der große Rest betraf das eigene Einsatzgebiet, wozu auch die A3 gehört, die für gut ein Drittel aller Einsätze im Jahr steht.

Wegen der Hitze steigt auch die Belastung der Feuerwehr an

Doch wenn sich wegen der Sommerhitze infolge des Klimawandels die Vegetationsbrände häufen, steigt die Belastung der Feuerwehrleute immer weiter an. Quantitativ und qualitativ. Gut 800 Grad heiß kann es direkt an den Flammen werden. Dass deswegen solche Einsätze bei den Wehrleuten nicht als lustiges Abenteuer gelten, überrascht nicht. Und: An Wochentagen müssen sie nach dem Feuer zurück an ihre Arbeitsplätze. Denn gelöscht wird in Obertshausen im Ehrenamt. Die sechs Hauptamtlichen sind eher für Verwaltung, Gerätewartung und Verwaltung zuständig. Außerdem arbeiten sie nur von Montag bis Freitag, von 7 bis 16 Uhr.

Daher waren auch am Sonntag wieder Kräfte ausgerückt, die den Schutz von Sach- und Lebenswerten zu ihrer Leidenschaft gemacht haben. Wenn aber Obertshausens stellvertretender Feuerwehrchef sagt, dass auch seine Einheit immer mehr Nachwuchssorgen habe, dann ist das angesichts der klimatischen Veränderungen eine besorgniserregende Nachricht. Denn nicht mal dieser Hitzesommer ist vorbei, und die 112 könnte noch einige Male gewählt werden. Und dann muss es wieder schnell gehen. (von Steffen Gerth)