Viele Abschiede – und ein Abstimmungs-Patt
Stand: 03.10.2026, 18:00 Uhr
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Der Stadtrat Syke hat seine letzte Sitzung der Wahlperiode abgehalten – mehr als die Hälfte der Mitglieder scheidet aus. Drei Ratsmitglieder wurden für 25 Jahre politisches Engagement ausgezeichnet.
Syke – Auf die ganz großen Emotionen warteten die Zuschauer vergebens: Auf der letzten Sitzung des aktuellen Stadtrats hatte das oberste politische Gremium Sykes noch eine Reihe inhaltlicher Entscheidungen zu treffen.
Zeit für Sentimentalitäten blieb dennoch: Mehr als die Hälfte der Personen, die dem noch aktuellen Rat angehören, werden im November nicht mehr dabei sein. Aus unterschiedlichen Gründen. Viele gehen aus Alters- oder persönlichen Gründen, andere haben nicht genügend Stimmen bekommen. Sie alle können sich in ihre Vita schreiben, dass sie einem Rat angehört haben, der sich durch einen ungewöhnlich konstruktiven, zugewandten und meist freundlichen Umgang miteinander ausgezeichnet hat.
Urkunden für Schmidt, Beständig und Jahnke
Drei, die auch schon andere Zeiten im Rat miterlebt haben, erhielten eine besondere Auszeichnung: Für 25 Jahre Tätigkeit im Stadtrat und/oder in den Ortsräten übergab Marina Karnatz, Referentin des Niedersächsischen Städtetages, die Urkunde des Städtetages an Gabriele Beständig (UWG), Peter Jahnke (SPD) und Andreas Schmidt (UWG). Karnatz würdigte die „uneigennützige, verantwortungsbewusste“ Arbeit und zählte die vielen Ämter und Gremien des Trios auf. Unter dem Applaus von Rat und Publikum nahmen die drei, die allesamt ihre letzte Stadtratssitzung hatten, die Urkunden entgegen.
Die Ratssitzung hatte mit würdigenden Worten begonnen – und endete rund zwei Stunden später auch damit. Der scheidende Ratsvorsitzende Andres Schmidt und die scheidende Bürgermeisterin Suse Laue nutzen die Gelegenheit zu Schlussworten. Andreas Schmidt, der knapp viereinhalb Jahre das Amt des Vorsitzenden ausübte, machte deutlich, wie viel Freude ihm dieses Amt bereitet habe. „Innerhalb der Kommunalpolitik ist es der schönste Posten.“ Noch einmal ließ er die Zeit aus der besonderen Perspektive seines Postens Revue passieren. Und redete sich dabei so sehr in Stimmung, dass ihm irgendwann ein „Schade, dass ich aufhöre“ entwich.
Schade, dass ich aufhöre.
Suse Laue gönnte sich zumindest ein kleines bisschen Wehmut. „Ich hab Jura studiert, und da wusste ich schon, ich möchte Kommunalverwaltung machen. Und natürlich war es auch eine Idee, irgendwann vielleicht Bürgermeisterin zu sein.“ 13 Jahre lang füllte Laue dieses Amt in Syke aus. „Und ich hab das gerne gemacht.“ Die Bürgermeisterin nutzte den Moment für viele Dankeschöns. Ihrer Verwaltung – ein großer Teil ihres Teams und mehrere Fachbereichsleiter waren zur Ratssitzung gekommen – dankte sie ausdrücklich für die „tolle Unterstützung“.
Auch der Stadtrat bekam noch eine Portion Dankbarkeit. „Eine Bürgermeisterin ist hier nicht diejenige, die allein entscheidet, sondern das machen wir alle gemeinsam. Und für dieses Gemeinsam möchte ich einen ganz, ganz großen Dank aussprechen.“ Laue hob den Wert der Institution Rat ausdrücklich hervor. „Wir sind verschiedene Fraktionen, unterschiedliche politische und persönliche Auffassungen“, sagte Laue, „und trotzdem eint uns alle eines: Wir wollen die Stadt Syke gestalten.“ Sie würdigte den Rat der Stadt Syke als ein Beispiel für „unmittelbare Demokratie“. Laue weiter: „Das ist ein ganz großer Luxus.“
Wenn im November der neue Rat erstmals zusammentritt, tut er das mit neuen Kräfteverhältnissen, vielen neuen Gesichtern und vielleicht auch mit neuen politischen Ideen. Es bleibt abzuwarten, ob es den verbliebenen Ratsmitgliedern gelingt, den Geist des alten Stadtrats in die nächste Generation hinüberzuretten.
14:14 Stimmen: Keine Mehrheit für Antrag von Christian Eilers
Neben den Abschiedsworten und Appellen gab es auch inhaltlich noch einiges zu tun für den Rat. Mit einem seltenen Patt von 14:14 Stimmen scheiterte ein Vorstoß zur Aktivierung leer stehenden Wohnraums. Wie lässt sich zusätzlicher Wohnraum schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Rat in einer lebhaften Debatte. Christian Eilers (fraktionslos) wollte die Verwaltung prüfen lassen, wie leer stehender Wohnraum in bestehenden Häusern besser aktiviert werden kann.
Auslöser seien zahlreiche Gespräche bei Jubilarbesuchen gewesen, berichtete der Barrier Ortsbürgermeister. „Ich habe immer wieder festgestellt, dass in großen Häusern oben ganze Wohnungen leer stehen.“ Die Eigentümer hätten häufig Interesse an einer Vermietung, seien aber durch Formalitäten oder bauliche Hürden abgeschreckt. Sein Vorschlag: Die Stadt könnte als Vermittlerin auftreten, Eigentümer und Wohnungssuchende zusammenbringen und in Einzelfällen kleinere Umbauten unterstützen. Vorbilder gebe es bereits andernorts. Besonders wichtig sei ihm die Freiwilligkeit. „Nein, wir wollen den Leuten natürlich nicht das Haus wegnehmen“, betonte er mit Blick auf Kritik im Vorfeld.
Bürgermeisterin Suse Laue verwies darauf, dass die Stadt bereits seit Jahren an ähnlichen Zielen arbeite. Unter dem Motto „Wohnraum stärken – Umbau statt Neubau“ gebe es Beratungsangebote, Informationsveranstaltungen und Fördermöglichkeiten. Zudem werde derzeit an einem Baulücken- und Leerstandskataster gearbeitet. Sollte der Antrag umgesetzt werden, könne dies zusätzlichen Personalbedarf auslösen. Zudem seien rechtliche Beratungen nicht Aufgabe der Kommune.
Die Meinungen im Rat gingen weit auseinander. Reinhard Hansemann (FDP) lehnte den Vorstoß ab. Die Stadt sei bereits auf dem richtigen Weg. Er verwies auf den jüngsten Spatenstich für 20 bezahlbare Wohnungen in der Plackenstraße. „Wir sollten uns als Stadt nicht einmischen, wenn die Oma oben eine Wohnung hat“, sagte Hansemann. Die Entscheidung, Wohnraum zu vermieten, sei letztlich Privatsache.

Anders bewerteten die Grünen den Antrag. Henning Greve sprach von einem „ganz tollen Nervtreffer“. Viele ältere Menschen hätten Vorbehalte gegenüber einer Vermietung, zugleich werde Wohnraum dringend gesucht. Hier könne die Stadt Hilfestellung leisten. Auch die SPD signalisierte Unterstützung. Tahir Göcmen sah gleich mehrere Vorteile: Die Schaffung von Wohnraum im Bestand vermeide neue Flächenversiegelung, könne älteren Menschen zusätzliche Einnahmen verschaffen und gleichzeitig den angespannten Wohnungsmarkt entlasten. „Wir haben hier als Rat die Aufgabe, diesen Menschen zu helfen“, argumentierte er.
CDU und UWG blieben skeptisch. Zwar sei das Ziel unbestritten, sagte Wilken Hartje, doch die Stadt tue bereits viel und müsse ihre Rolle kennen. Weitere Schritte sollten eher von Eigentümern und der Immobilienwirtschaft ausgehen. Jochen Harries (UWG) plädierte stattdessen dafür, bestehende Informationsangebote weiter auszubauen. Die Entscheidung zur Vermietung bleibe immer eine sehr persönliche Angelegenheit.
Die Abstimmung brachte schließlich ein seltenes Patt. Mit 14 Ja-Stimmen, 14 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen fand der Antrag keine Mehrheit und galt damit als abgelehnt. Das Thema selbst dürfte den Rat jedoch weiter beschäftigen. Denn unabhängig von der politischen Bewertung waren sich nahezu alle Fraktionen in einem Punkt einig: Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum in Syke bleibt groß.
Eine Reihe weiterer Beratungen in den Ausschüssen mündete in Ratsbeschlüssen: Mit der gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligung von Öffentlichkeit und Trägern öffentlicher Belange legt die Stadt einen weiteren Schritt hin zur neuen Barrier Grundschule zurück. Jochen Harries (UWG) hob die „dringende Notwendigkeit“ des Projektes hervor. Angesichts der vielen Einwände von BUND und Nabu empfahl er der Stadt mit einem Grinsen, die vorgesehene Fläche „aktiv zu bewirtschaften und zu beheuen, damit wir da nicht noch ‘nen blauen Schmetterling finden“. Henning Greve (Grüne) gab noch einmal den Mahner: „Das wird uns teuer zu stehen kommen“, zeigte er sich sicher über hohe drohende Mehrkosten. Trotz seiner Warnungen gab es eine breite Mehrheit von 27:2 Stimmen bei einer Enthaltung.
Der Rat winkte darüber hinaus durch, dass es künftig drei statt wie bislang nur zwei stellvertretende ehrenamtliche Bürgermeister geben soll. Diese Erweiterung soll die künftige Bürgermeisterin Claudia Schuch bei Besuchen von Jubilaren entlasten. Einstimmige Voten gab es auch bei den Themen Reit- und Fahrverein Okel (Änderung des Flächennutzungsplans), dem Bebauungsplan „Windenergieanlagen Streitheide“, dem geplanten Rewe-Neubau beim Jawoll-Markt (Waldstraße/Wiesenstraße) und dem Ausbau der Biogasanlage in Ramminghausen (Aufstellen eines Bebauungsplanes)