„Völlig wahnsinnig“: Aki Watzke zerlegt FIFA-Präsident Infantino

Stand: 17.09.2026, 20:16 Uhr

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Ligapräsident Hans-Joachim Watzke rechnet mit FIFA-Chef Gianni Infantino ab. Drei Skandale sind für ihn zu viel – sein Urteil fällt vernichtend aus.

Berlin – Es gibt Momente, in denen ein Mann wie Hans-Joachim Watzke keine Umschweife mehr macht. Beim „Big Bang KI Festival“ in Berlin war es am Donnerstag so weit: Der Ligapräsident, DFB-Vizepräsident und UEFA-Exekutivmitglied ließ keine Zweideutigkeit zu, als er über die Zukunft von FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach. Watzke wählte klare Worte – und die hatten es in sich. Denn der 67-Jährige zählt zu den einflussreichsten Männern im deutschen Fußball, und wenn er spricht, hört die Branche hin.

Aki Watzke rechnet mit FIFA-Präsident Gianni Infantino ab.

Aki Watzke rechnet mit FIFA-Präsident Gianni Infantino ab. © Bernd Thissen/Bradley Collyer/dpa

Noch vor einer Woche hatte Watzke im Deutschlandfunk auf die Frage, ob er einen freiwilligen Rückzug Infantinos für realistisch halte, vergleichsweise zurückhaltend geantwortet: Er halte es „zumindest für denkbar“. Doch nach der UEFA-Exekutivkomitee-Sitzung am Dienstag in Thessaloniki hat er einen anderen Gang eingelegt. Was folgte, war eine öffentliche Abrechnung, wie sie selten zu hören ist.

Watzke nennt drei Skandale: FIFA-Friedenspreis, Balogun-Sperre, Investoren-Deal

„Er sollte weg. Ohne Wenn und Aber“, sagte Watzke über Infantino und zählte drei Vorfälle auf, die für ihn das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Erstens: der sogenannte FIFA-Friedenspreis für US-Präsident Donald Trump, den Infantino eigenmächtig ins Leben gerufen und vergeben habe – ohne Absprache mit irgendjemanden.

„Du kannst dir ja nicht selber was ausdenken und verkündest das dann, das ist Wahnsinn“, so der Ligapräsident. Zweitens: die Aufhebung der Roten Karte für US-Stürmer Folarin Balogun während der WM. Balogun hatte vor dem Achtelfinale gegen Belgien die Rote Karte gesehen – nach einem Anruf von Trump bei Infantino wurde die Sperre kassiert. „Das kann nicht sein“, so Watzke. „Das ist ja Wahnsinn.“

Und drittens – für Watzke der gravierendste Punkt: Infantinos gescheiterter Plan, 20 Prozent der kommerziellen Rechte an FIFA-Wettbewerben für rund 20 Milliarden US-Dollar an einen Investor aus dem Trump-Umfeld zu verkaufen. „Völlig wahnsinnig“, nannte Watzke das. „Kein Mensch weiß das, seine Vizepräsidenten in der FIFA wussten nichts, das Council wusste nichts.“

Und weiter: „Eine Fußball-Weltmeisterschaft läuft wie geschnitten Brot. Warum willst du da Investoren? Die FIFA sitzt auf einem riesigen Geldberg, der eigentlich uns gehört, den Nationalverbänden. Warum soll ich denen 20, 30 Prozent mitgeben, wenn das Ding läuft?“ Nur weil die Kontinentalverbände aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Asien mit einem WM-Boykott drohten, zog Infantino seinen Plan zurück.

Infantino, seit 2016 an der Spitze des Weltverbands, will sich auf dem FIFA-Kongress im März 2027 in Rabat erneut zur Wahl stellen. Doch der Widerstand wächst. Frankreich, Italien und die Niederlande haben sich bereits gegen ihn positioniert. DFB-Präsident Neuendorf erklärte in einem RTL/ntv-Interview, es sei „wichtig, dass dieses System Infantino auch beendet wird.“

FIFA-Kongress 2027: UEFA sucht Gegenkandidaten für Infantino-Wahl

Die UEFA hat angekündigt, bis zum 18. November einen Gegenkandidaten aufzustellen, und prüft zudem eine Strafanzeige in der Schweiz wegen möglicher Untreue sowie die Einschaltung der US-Justiz zur Sicherung von Dokumenten rund um den Investoren-Deal. Watzke, der als BVB-Präsident, DFB-Vize, UEFA-Exekutivmitglied und Ligapräsident gleich mehrere Schaltstellen des deutschen Fußballs besetzt, hat mit seinem Auftritt in Berlin die Messlatte noch einmal höher gelegt. Ob Infantino die Zeichen der Zeit erkennt, bleibt abzuwarten – der Druck aus Europa jedenfalls wächst mit jedem Tag.