Vom Domchor auf die Gourmetbühne: Wie sich die Schlemmereule in Trier neu erfunden hat

Vom Domchor auf die Gourmetbühne Wie sich die Schlemmereule in Trier neu erfunden hat

Trier · Johannes-Maria Kneip kocht auf hohem Niveau, aber sein Erfolgsrezept liegt nicht nur auf dem Teller. Der neue Patron der Schlemmereule setzt auf Freundschaft, Vertrauen und ein Netzwerk, das seine Wurzeln im Trierer Domchor hat.

08.08.2026 , 18:00 Uhr

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Wie sich das Restaurant „Schlemmereule“ neu erfunden hat

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Foto: Dirk Tenbrock

Johannes-Maria Kneip ist nicht nur ein heller Kopf, ein ausgeschlafener Bursche und ein exzellenter Koch, der immerhin in München schon zweimal einen Michelin-Stern erkocht hat, sondern auch ein sehr guter Netzwerker. Er legt Wert auf Freundschaft, Kooperation, Zusammenhalt und schätzt seine Heimat Trier.

Aufgewachsen am Dom, zuhause in der Gastronomie: Die Geschichte von Schlemmereule-Chef Kneip

Schon als Junge hat der in der Nähe des Doms aufgewachsene, mittlerweile 30-Jährige im Trierer Domchor gesungen, seine Kontakte dorthin sind auch in seinen intensiven Wanderjahren nicht abgerissen. Dort sind offensichtlich Freundschaften entstanden, die bleiben. Als er im Herbst 2023 die Schlemmereule von seinem Mentor Peter Schmalen übernommen hat, waren diese Verbindungen ein Baustein für seinen zukünftigen Erfolg, vor allem seines Serviceteams.

Einige langjährige Mitarbeiter hatte er von Schmalen übernommen, diese bilden das Rückgrat des Teams, aber frische, neue Kräfte kamen hinzu. Kneip stellt Menschen nach Charakter ein. Freundlichkeit, Teamgeist und Verlässlichkeit sind ihm wichtiger als ein perfekter Lebenslauf. Das erklärt auch, warum sich Gäste in der Schlemmereule wohlfühlen. Und viele dieser „Edel- Aushilfen“ kannte er eben schon aus Domchor-Zeiten.

Ex-Mitarbeiter der Schlemmereule wagt den Sprung in die Selbstständigkeit

So wie Henry Erbel, eigentlich gelernter Winzer, der sich im Service der Schlemmereule den letzten Schliff für die eigene Selbstständigkeit holte. Seit einigen Monaten betreibt er, und das äußerst gekonnt und erfolgreich, die Weinbar Basil in der Palaststraße nahe der Basilika (daher der Name).

Und die Freundschaft zu Kneip hält an, die beiden erregen Aufmerksamkeit mit gastronomischen Kooperationen, wie zum Beispiel am Altstadtfest oder bei einer gemeinsamen Sunday-Lounge. Die beiden besten Kumpel aus gemeinsamen Chorzeiten halten zusammen wie Pech und Schwefel, helfen und unterstützen sich gegenseitig. Die Schlemmereule ist damit nicht nur Restaurant, sondern auch Talentschmiede und Netzwerk. Und –die Spatzen pfeifen es von den Dächern– in naher Zukunft wird sich ein weiterer Ex-Mitarbeiter und Dom-Chorist in der Glockenstraße 3, gegenüber der Glocke, mit einem jungen, frischen Gastro-Konzept selbstständig machen.

Doch nun zurück zur Schlemmereule selbst. Hier entwickelt sich etwas, ein großstädtisches Konzept, den veränderten Ausgehgewohnheiten der Menschen angepasst. Mit durchgehenden Öffnungszeiten ab Mittag und einer umfangreichen Fine-Dining-Karte, die sich nicht auf Menüs beschränkt, sondern eine formidable á-la-carte-Auswahl bietet. Von Thunfisch-Sandwich über Lachstatar, Steak-Frites (alles auch nachmittags erhältlich) bis zur Rotbarbe, Hummerravioli und Kalbsfilet. Und natürlich die Klassiker, die schon in früheren Zeiten hier angesagt waren: Austern mit Champagner und die Bouillabaisse.

Schlemmereule Trier: Warum Luxemburger extra für das Restaurant am Turm Jerusalem anreisen

Viele Luxemburger kommen beispielsweise nicht nur zum Shoppen in die Moselmetropole, sondern auch um das besondere Flair der Schlemmereule mit ihrer stilvollen Terrasse am Turm Jerusalem, unweit des Doms zu genießen. Sehen und gesehen werden, auch das ist hier die Devise, dazu das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, zumindest nach Luxemburger Maßstäben.
Billig ist es in der Schlemmereule nämlich nicht, kann und will es bei der Qualität mit den entsprechenden Produkten auch gar nicht sein. Hinzu kommt der doch immense Personalaufwand, allein in der Küche arbeiten sieben Leute und dann die Miete in bester Innenstadtlage.

Kneip ist jedenfalls sehr zufrieden mit der geschäftlichen Entwicklung, es laufe sehr gut, auch die Aktionen und Caterings. Mit seiner Lebensgefährtin Chantal ist er mittlerweile ins beschauliche Olewig gezogen, mit einem kleinen Garten für den Hund.

Viel Zeit zur Entspannung hat der emsige Gastronom aber leider nicht, oft verlangt sein Job eben auch eine Sieben-Tage-Woche. Bei seinen Mitarbeitern achtet er aber darauf, dass sie beispielsweise keine geteilten Dienste schieben müssen.

 Rotbarbe mit Pinienkernen, geräucherter Paprikasauce und Creme Fraîche.

Rotbarbe mit Pinienkernen, geräucherter Paprikasauce und Creme Fraîche.

Foto: Dirk Tenbrock

Wenn er dann mal frei hat, geht er essen, sich bei Kollegen Inspiration holen. Oder der Weinliebhaber und Sammler probiert sich durch die Weinkeller der Region, um neue Preziosen für seinen Weinkeller zu finden. Seine Weinkarte hat schon über 500 Positionen, Schwerpunkte sind die Mosel und das Burgund. Dazu klassische Bargetränke und Aperitifs. Besonders lobenswert ist die Auswahl an alkoholfreien Begleitungen wie der aus grünen Trauben gewonnene Verjus-Fizz von Grans-Fassian oder die Sparkling Juicy-Teas von van Nahmen.

Dass das Konzept auch kulinarisch trägt, zeigt der Blick auf die Küche: Kneip hat nochmal einen Gang hochgeschaltet. Die Gerichte zeugen von der sicheren Beherrschung des Kochhandwerks, von Kreativität und einem pointierten, mutigen und spannenden Einsatz von Aromenkombinationen und Würzungen. Er verfolgt auch bei ungewöhnlichen Kombinationen eine klare Linie.

Also, wer in der Mitte der Stadt unprätentiös, aber hochklassig essen und von einem lässigen Service bedient werden möchte, der ist hier an der richtigen Adresse. Und, liebe Kollegen vom Guide Michelin: Die Schlemmereule würde auch eure Liste der besonders zu empfehlenden Restaurants zieren!

Restaurant Schlemmereule, Domfreihof 1b, 54290 Trier, Telefon 0651/73616, www.schlemmereule.com, Sonntag und Montag Ruhetag, außer an Feiertagen

Dirk Tenbrock ist von Haus aus Gastronom, Küchenmeister und Sommelier, war Michelin-Sternekoch. Seit über 15 Jahren wirkt er als freier Journalist mit Themenschwerpunkt Kultur, Lebensart, Genuss und Wein.