Vom Gastarbeiter zur Kampfsport-Legende: Sie haben sich nach oben geboxt

Stand: 17.09.2026, 22:00 Uhr

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Diese Gastarbeiter-Geschichte wurde zur Erfolgsgeschichte: Familie Steko betreibt zwei Box-Studios in München – und hat über 20 Weltmeister hervorgebracht.

München – Wenn seine Schützlinge im Ring die Fäuste und Füße fliegen lassen, muss Mladen Steko kräftig durchpusten. Die Trainer-Legende – früher selbst mehrfacher Kickbox-Weltmeister – hält der Urgewalt, die auf ihn zukommt, auch mit bald 50 Jahren noch die Pratzen entgegen.

Er fletscht dabei die Zähne und atmet lautstark aus. Über die Jahre in seinem geliebten Kampfsport hat Steko gelernt, einzustecken – und hat sich dadurch nach oben geboxt.

Die Gastarbeiter-Kinder Mladen und Pavlica Steko betreiben zwei Box-Studios in München

Über 20 Weltmeister hat er gemeinsam mit seinem Bruder Pavlica (52) hervorgebracht. Zwei Steko-Studios dürfen die beiden in München ihr Eigen nennen. Rund 3000 Mitglieder stählen dort wöchentlich ihre Körper. Nur ein Bruchteil von ihnen, rund 50, macht offizielle Kämpfe. „Der Fitnessgedanke war bei uns immer schon groß“, so Steko.

Die Stekos: Anita, Alana, Mladen, Mariela, Valeria, Anda, Tatjana, Suzana, Ivan mit Freundin Diana und Pavlica (von links). Die Familie kam als Gastarbeiter nach München – und hat sich nach oben geboxt.

Die Stekos: Anita, Alana, Mladen, Mariela, Valeria, Anda, Tatjana, Suzana, Ivan mit Freundin Diana und Pavlica (von links). Die Familie kam als Gastarbeiter nach München – und hat sich nach oben geboxt. © privat

Das Milieu hielt er sich vom Leib. „Bei uns sollen sich auch Frauen wohlfühlen.“ Bedeutet: Wer sich nicht benehmen kann, fliegt raus. „Da bin ich hart“, so Steko. Einsatz, Engagement und Härte – das haben die Brüder von ihrem Vater Ivan, der 1989 das erste Studio gründete, gelernt.

Wer etwas erreichen will, muss etwas tun.

„Wer im Leben etwas erreichen will, der muss etwas dafür tun. Das war eines der ersten Dinge, die mir Mladen beigebracht hat“, berichtet Oscar Plasene (24). Der amtierende Weltmeister floh als Kind aus dem Irak nach München – und landete bei den Stekos.

Auch Mladen wuchs erst in Tomislavgrad im heutigen Bosnien-Herzegowina bei seiner Oma auf. Seine Eltern waren da schon nach München gezogen, um Geld zu verdienen. „Eine klassische Gastarbeitergeschichte“, sagt Steko rückblickend.

Papa Ivan schickte seine Jungs früh zum Kampfsport

Papa Ivan Steko mit seinen Jungs.

Papa Ivan Steko mit seinen Jungs. © privat

Als Papa Ivan 1982 die komplette Familie in München zusammenzog, war er bereits gesundheitlich angeschlagen. Eine Streptokokken-Entzündung hatte zu einem Nierenversagen geführt, ständige Dialyse die Folge. „Meine Eltern waren mir fremd. Meine Oma war ganz klar meine Bezugsperson, das war besonders für meine Mama am Anfang nicht leicht“, so Steko.

Seine Jungs schickte Ivan, der seinen letzten Kampf 2007 endgültig verlor, früh zum Taekwondo, Karate und Judo. Später kamen sie zum Boxen und Kickboxen.

16 feste Mitarbeiter sind in den Sportstudios der Familie Steko

Aus der Gastarbeiter- wurde eine Erfolgsgeschichte. Heute hat Steko 16 feste Mitarbeiter und ist eine feste Größe in der Stadt. Sein Neffe Ivan (25) wächst mehr und mehr mit in das Geschäft hinein.

Mama Anda steht hinter dem Tresen. „Was soll ich auch alleine zu Hause?“, sagt sie feixend. Ehefrau Anita wuselt eigentlich immer irgendwo durch die Gänge.

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Auch die drei Töchter haben das Box-Gen im Blut

Auch seine drei Töchter haben das Box-Gen im Blut. Mariela (20), die Älteste, war auf dem besten Wege, dem Papa nachzufolgen, nahm in den vergangenen Monaten aber doch eine andere Abzweigung und arbeitet aktuell als Model in Paris. Anders hart, aber auch eine sehr fordernde und strenge Branche. „Für Mariela war’s aber nicht so schlimm“, erzählt Steko mit einem Lächeln. „Sie meinte nur: ‚Papa, die sind wie du.‘“

Valeria (15) ist hingegen nach wie vor im Box-Business. Vielleicht schafft sie es ja einmal zu Olympia. Die verpassten Spiele 2000 in Sydney sind eine von Stekos wenigen Niederlagen. Dabei konnte er nichts dafür. Er hatte sich qualifiziert, brach sich aber kurz zuvor die Hand. Da half alles Zäh-Sein nichts.

Die Corona-Pandemie war die letzte große Bewährungsprobe

Die bisher letzte größere Bewährungsprobe war Corona. „Doch auch das haben wir geschafft“, sagt Steko, der täglich sehr früh auf- und sehr spät zusperrt.

Und sonst? „Ich muss kein Goldsteak essen. Ich bin froh, wenn alle gesund sind und wir ein Dach über dem Kopf haben.“