Glace vom Bauernhof: Boom in der Schweiz hält an
Von der Weide in den Becher Wie eine Entlebucher Bauernfamilie den Glace-Markt aufmischt
Wegen tiefer Milchpreise erfand sich eine Bauernfamilie neu. Heute produziert sie im Rekord-Sommer 30 verschiedene Glace-Sorten – und steht damit für einen schweizweiten Trend.
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Auf dem Hof Schintbühl im Entlebuch läuft die Glace-Produktion gerade auf Hochtouren. Eine Mitarbeiterin füllt Caramel-Glace in Kartonbecher ab. Dosieren, wägen, Schutzfolie und Ablaufdatum anbringen, Deckel darauf: Die Abläufe sind eingespielt.
Heute hilft auch Fabian in der Glace-Produktion, der 8-Jährige ist der Zweitjüngste der Familie. «Ich helfe einfach dann mit, wenn ich Lust dazu habe», lacht er verschmitzt und stellt fertige Glace-Kübeli in eine Kiste. Glace ist auf dem Hof Schintbühl also Familiensache.
Martin Zemp und Manuela Thalmann führen die Schintbühl Glace AG zusammen.
zvg/Schintbühl Glace AG
Manuela Thalmann und Martin Zemp führen den Betrieb gemeinsam. Zusammen mit den sechs Kindern leben sie auch auf dem Hof Schintbühl. Mittlerweile hat sich die Glace vom Hof weitherum einen Namen gemacht. Sie ist in verschiedenen Grossverteilern im Sortiment.
Not macht erfinderisch
Auf die Idee mit der Glace-Produktion kam Martin Zemp schon früh. Als in den 1990er-Jahren der Milchpreis stark zusammensackte, suchte der Landwirt einen Ausweg. Handgemachtes, regionales Glace war das Ziel. Zemp sah eine mögliche Nische, da es damals fast nur Industrieeis gab.
Was klein anfing, wuchs über die letzten zwei Jahrzehnte immer mehr. Mittlerweile sind rund 30 verschiedene Geschmacksrichtungen im Angebot.
SRF/Julia Stirnimann
So richtig in Fahrt kam das Projekt dann im Hitzesommer 2003. Für das lokale Landschaftstheater Escholzmatt konnte Zemp Glacen produzieren und an den Aufführungen verkaufen. Diese fanden grossen Absatz. Ein Zeichen dafür, dass es mit der Produktion klappen könnte. «Das war für uns der Startschuss für grössere Investitionen», erzählt Martin Zemp.
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Glace-Manufakturen – auch auf Bauernhöfen – haben in den letzten Jahren Aufwind.
Keystone/Gaetan Bally
Der Trend zum Glace vom Bauernhof hat in den vergangenen Jahren in vielen Regionen der Schweiz Fuss gefasst. Beispiele sind Burrens Bauernhofglace in Zollikofen BE, Bürgis Bauernhofglace in Rüdtligen BE oder «Gadeglace» in Bazenheid SG, wo die Milch direkt auf dem Hof oder aus nächster Umgebung zu Glace verarbeitet wird.
Daneben haben sich auch grössere Manufakturen wie «Kalte Lust» aus Olten etabliert, die zwar keine Bauernhofbetriebe sind, aber stark auf regionale Milch und Früchte setzen.
Heute arbeiten auf dem Hof im Entlebuch acht Teilzeit-Angestellte. Rund 30 Sorten werden produziert. Darunter sind Klassiker wie Schokolade, Vanille oder Erdbeere – aber auch ausgefallenere Sorten wie Schwarzwälder oder Lebkuchen. Rund 75'000 Liter Milch werden pro Jahr zu Glace verarbeitet.
Die Milch stammt von den 38 hofeigenen Jersey-Kühen. Diese produzierten Milch mit hohem Protein- und Fettgehalt – und diese Milch sei für die Glace-Produktion besonders geeignet, sagt Manuela Thalmann. Die Jersey-Rinder benötigten zudem weniger Wasser und produzierten weniger Treibhausgase.
Die Jersey-Kühe, welche die Milch für die Glacen liefern, kommen von der Hofweide.
SRF/Julia Stirnimann
Auch sonst sei ihnen Nachhaltigkeit sehr wichtig, so Manuela Thalmann: «Die Zutaten stammen wenn immer möglich aus der Region.» Zudem setzten sie auf eine umweltfreundliche Verpackung, die dank Zellulose von Holzfasern biologisch abbaubar sei.
Dass die Produkte vom Schintbühl seit rund 10 Jahren auch beim Grossverteiler zu finden sind, habe auch mit der Dachmarke «Echt Entlebuch» zu tun, sagt Manuela Thalmann. Diese Dachmarke der Biosphäre Entlebuch habe ihnen viele Türen geöffnet und helfe bei der Vermarktung.
Mit dem Jahr 2026 ist man auf dem Hof Schintbühl bisher sehr zufrieden. Es zeichnet sich wieder ein Rekord-Sommer ab – ganz ähnlich wie 2003, als die Geschichte der Schintbühl-Glacen ihren Anfang nahm.
Regionaljournal Zentralschweiz, 20.7.2026, 17:30 Uhr ; oecc;gygm;weds